Praxiskolumne

Sonntags gibt es Hühnergeschichten

Aus der Praxis
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Stand: 
|Lesezeit: 3 Min

Warum eine Ärztin trotz rauen Klimas nicht von Social Media lassen will und was ihr kleiner besonderer Spaß dabei ist.

Ich hatte früher mit Social Media nichts am Hut, war nicht auf Facebook und verwendete kein Insta. Aus dem Alter bin ich raus, dachte ich.

Aber dann schlug eine Kollegin vor, eine Aktion zur elek­t­ronischen Patientenakte und Datenschutz bzw. Schweigepflicht auf Twitter, inzwischen X, zu machen. Also meldete ich mich im Mai 2021 mit meinem Klarnamen dort an und fotografierte für mein Profilbild eine Quietschente, die ein Stethoskop um den Hals trägt – ein Geschenk einer Patientin, eine Anspielung auf meine Praxis in der Entenbachstraße. 

Die Aktion war ein Flop, niemand auf Twitter interessierte sich für das Thema. Aber mein Interesse war geweckt. Wie funktioniert Social Media überhaupt? Was interessiert die Leute wirklich? Wen und was kann ich erreichen? Ich setzte auf Sachinformationen, positionierte mich zu Masken und Impfungen, kritisierte Homöopathie. Ich begann, lustige Begebenheiten aus dem Praxisalltag zu schreiben und interessante Krankheitsbilder zu teilen (natürlich anonymisiert und mit Erlaubnis meiner Patientinnen und Patienten). Und heute kommentiere ich auch die Gesundheitspolitik und die Digitalisierung im Gesundheitswesen aus der Sicht der Niedergelassenen. 

Mir ist bewusst, dass ich als Ärztin eine Verantwortung dafür trage, was ich poste. Mir ist es wichtig, immer sachlich, korrekt und wissenschaftlich nachprüfbar zu schreiben. Medizinische Beratung mache ich nicht auf Social Media, da verweise ich auf die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Auch Werbung ist für mich tabu, ich verdiene kein Geld mit meinen Posts. 

Mit Elon Musk wurde aus Twitter X und aus nett wurde rau

Als Elon Musk Twitter übernahm und X daraus machte, wurde das Klima deutlich rauer. Ich überlegte, dort aufzuhören, und meldete mich wie viele andere auf Bluesky an. Letztlich bin ich aber auf X geblieben, um mit meinen Sachinformationen einen Gegenpol zu den vielen Desinformationen zu bilden, die dort kursieren. 

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