Praxisalltag in Ost oder West: Macht das noch einen Unterschied?
Praxisalltag in Ost oder West: Macht das noch einen Unterschied?
Existiert er noch, der Unterschied zwischen Ost und West in der medizinischen Versorgung? In der neuen Folge des Podcasts O-Ton „Innere Medizin“ teilt eine hausärztliche Internistin ihre Erfahrungen in einer Praxis im Berliner Osten.
Ist der Praxisalltag in den östlichen Stadtteilen auch heute noch ein anderer als im Westen der Metropole? Oder wird damit nur ein altes Klischee bedient? „Ich denke, es gibt schon Unterschiede zwischen Ost und West, die mir manchmal erst in Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen bewusst werden. Etwa, wenn ich merke, dass ich immer ein bisschen andere Sorgen habe oder andere Herangehensweisen“, sagt Dr. Franziska Drephal. Sie betreibt mit ihrem Mann eine Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin, hausärztliche Versorgung, Arbeitsmedizin und Kardiologie im Ostberliner Bezirk Treptow-Köpenick. Ihre Patientinnen und Patienten hätten noch „ein hohes Vertrauen ins Gesundheitssystem“ und seien daher „einfacher zu behandeln“, findet sie.
Für die Kollegin kam der Mauerfall zur richtigen Zeit
Die Internistin wurde 1978 in Johannisthal, einem Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick, geboren. Auch ihre Mutter kommt von dort. Deren Praxis hat Dr. Drephal später übernommen. Als die Mauer fiel, besuchte die spätere Fachärztin für Innere Medizin und Arbeitsmedizin noch die sechste Klasse in der DDR. Sie sei in einem christlich geprägten Haushalt aufgewachsen, betont sie. „Die Wende kam für mich gerade rechtzeitig.“
Ihre Gemeinschaftspraxis liegt in einem Bezirk, der inzwischen als herausragender Universitätsstandort gilt. Treptow-Köpenick ist zudem einer der größten, grünsten und wasserreichsten Bezirke Berlins mit einem hohen Maß an Lebensqualität. Doch zu ihrer Praxisklientel gehören viele multimorbide Patientinnen und Patienten. Auch die angrenzenden Praxen berichten über hohe Fallzahlen.
Dem Berliner Osten fehlt es auch an Ärztinnen und Ärzten
Der Ärztemangel hat den Berliner Osten längst erreicht. In den letzten Jahren konnte man einen „Wegzug von Praxen, oft in den Westteil“ der Stadt beobachten, erklärt die Kollegin. „Der Osten leidet nach wie vor darunter.“ 2020 habe die KV Berlin, aus Dr. Drephals Sicht „etwas verspätet entschieden“, einen Bedarfsplan für den hausärztlichen Versorgungsbereich eingerichtet – mit den Planbezirken Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Mit dieser Maßnahme und aufgrund weiterer Fördermöglichkeiten, wie Fortbildungen für das Praxispersonal, sei es gelungen, die Anzahl der freien Sitze in Treptow-Köpenick 2025 von vormals 60 auf 32 fast zu halbieren. In den anderen genannten Bezirken reduzierte sich die Zahl von 90 auf 70.
Ältere Patientenklientel, aber „unheimlich dankbar“
Das sei auch bitter nötig gewesen, denn laut aktueller Versorgungszahlen soll der Bevölkerungsanteil in ihrem Stadtbezirk in den kommenden 10 bis 20 Jahren noch um 10 % anwachsen – gefolgt von der höchsten Morbiditätsrate durch die besonders hohe Zahl an älteren Patientinnen und Patienten, aber auch wegen der Überalterung unter den Kolleginnen und Kollegen. „An unserer Praxis sieht man, wie wir versuchen, dem Mangel individuell entgegenzuwirken“, betont Dr. Drephal. „Wir haben heute vier Sitze. Darüber sind wir ganz glücklich.“
Ihre Patientenklientel, von der bis zu 70 % chronisch krank sei, empfindet die hausärztliche Internistin als „unheimlich dankbar“. Überdies liebe sie „die differenzialdiagnostische Arbeit an den Patienten, deren Multimorbidität zu begleiten und sie möglichst optimal und leitliniengerecht zu versorgen“. Wie sehr Dr. Drephal zudem den Austausch in ihrem Arztnetz, dem Gesundheitsnetz Südost, schätzt, warum sie froh ist, dass sie „eine Klientel versorgt, die nicht jeden Tag nach Vitaminbestimmungen schreit“ und weshalb sie kein einziges IGeL-Angebot macht, berichtet die Kollegin in der neuen Podcastfolge von O-Ton Innere Medizin.
Angela Monecke
Mehr zum O-Ton Innere Medizin
O-Ton Innere Medizin ist der Podcast für Internist:innen. So vielfältig wie das Fach sind auch die Inhalte. Die Episoden erscheinen alle 14 Tage donnerstags auf den gängigen Podcast-Plattformen. Kontakt zur Redaktion: o-ton-innere-medizin@medtrix.group
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Existiert er noch, der Unterschied zwischen Ost und West in der medizinischen Versorgung? In der neuen Folge des Podcasts O-Ton „Innere Medizin“ teilt eine hausärztliche Internistin ihre Erfahrungen in einer Praxis im Berliner Osten.
Ist der Praxisalltag in den östlichen Stadtteilen auch heute noch ein anderer als im Westen der Metropole? Oder wird damit nur ein altes Klischee bedient? „Ich denke, es gibt schon Unterschiede zwischen Ost und West, die mir manchmal erst in Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen bewusst werden. Etwa, wenn ich merke, dass ich immer ein bisschen andere Sorgen habe oder andere Herangehensweisen“, sagt Dr. Franziska Drephal. Sie betreibt mit ihrem Mann eine Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin, hausärztliche Versorgung, Arbeitsmedizin und Kardiologie im Ostberliner Bezirk Treptow-Köpenick. Ihre Patientinnen und Patienten hätten noch „ein hohes Vertrauen ins Gesundheitssystem“ und seien daher „einfacher zu behandeln“, findet sie.
Für die Kollegin kam der Mauerfall zur richtigen Zeit
Die Internistin wurde 1978 in Johannisthal, einem Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick, geboren. Auch ihre Mutter kommt von dort. Deren Praxis hat Dr. Drephal später übernommen. Als die Mauer fiel, besuchte die spätere Fachärztin für Innere Medizin und Arbeitsmedizin noch die sechste Klasse in der DDR. Sie sei in einem christlich geprägten Haushalt aufgewachsen, betont sie. „Die Wende kam für mich gerade rechtzeitig.“
Ihre Gemeinschaftspraxis liegt in einem Bezirk, der inzwischen als herausragender Universitätsstandort gilt. Treptow-Köpenick ist zudem einer der größten, grünsten und wasserreichsten Bezirke Berlins mit einem hohen Maß an Lebensqualität. Doch zu ihrer Praxisklientel gehören viele multimorbide Patientinnen und Patienten. Auch die angrenzenden Praxen berichten über hohe Fallzahlen.
Dem Berliner Osten fehlt es auch an Ärztinnen und Ärzten
Der Ärztemangel hat den Berliner Osten längst erreicht. In den letzten Jahren konnte man einen „Wegzug von Praxen, oft in den Westteil“ der Stadt beobachten, erklärt die Kollegin. „Der Osten leidet nach wie vor darunter.“ 2020 habe die KV Berlin, aus Dr. Drephals Sicht „etwas verspätet entschieden“, einen Bedarfsplan für den hausärztlichen Versorgungsbereich eingerichtet – mit den Planbezirken Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Mit dieser Maßnahme und aufgrund weiterer Fördermöglichkeiten, wie Fortbildungen für das Praxispersonal, sei es gelungen, die Anzahl der freien Sitze in Treptow-Köpenick 2025 von vormals 60 auf 32 fast zu halbieren. In den anderen genannten Bezirken reduzierte sich die Zahl von 90 auf 70.
Ältere Patientenklientel, aber „unheimlich dankbar“
Das sei auch bitter nötig gewesen, denn laut aktueller Versorgungszahlen soll der Bevölkerungsanteil in ihrem Stadtbezirk in den kommenden 10 bis 20 Jahren noch um 10 % anwachsen – gefolgt von der höchsten Morbiditätsrate durch die besonders hohe Zahl an älteren Patientinnen und Patienten, aber auch wegen der Überalterung unter den Kolleginnen und Kollegen. „An unserer Praxis sieht man, wie wir versuchen, dem Mangel individuell entgegenzuwirken“, betont Dr. Drephal. „Wir haben heute vier Sitze. Darüber sind wir ganz glücklich.“
Ihre Patientenklientel, von der bis zu 70 % chronisch krank sei, empfindet die hausärztliche Internistin als „unheimlich dankbar“. Überdies liebe sie „die differenzialdiagnostische Arbeit an den Patienten, deren Multimorbidität zu begleiten und sie möglichst optimal und leitliniengerecht zu versorgen“. Wie sehr Dr. Drephal zudem den Austausch in ihrem Arztnetz, dem Gesundheitsnetz Südost, schätzt, warum sie froh ist, dass sie „eine Klientel versorgt, die nicht jeden Tag nach Vitaminbestimmungen schreit“ und weshalb sie kein einziges IGeL-Angebot macht, berichtet die Kollegin in der neuen Podcastfolge von O-Ton Innere Medizin.
Angela Monecke
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O-Ton Innere Medizin ist der Podcast für Internist:innen. So vielfältig wie das Fach sind auch die Inhalte. Die Episoden erscheinen alle 14 Tage donnerstags auf den gängigen Podcast-Plattformen. Kontakt zur Redaktion: o-ton-innere-medizin@medtrix.group