Modernes Diabetesmanagement: Prävention von Begleiterkrankungen im Fokus
Durch gezielte Lebensstiländerungen kann das Risiko für diabetesassoziierte Begleiterkrankungen deutlich verringert werden [1]. Ergänzend dazu bieten moderne pharmakologische Therapieoptionen, insbesondere GLP-1 Rezeptoragonisten (GLP-1 RA), die Möglichkeit, das kardiovaskuläre sowie renale Risiko bei Typ 2 Diabetes wirksam zu senken [1, 2]. Die NVL empfiehlt neben SGLT-2-Hemmern den Einsatz von GLP-1 RA direkt mit Metformin bei Patient:innen mit Typ 2 Diabetes und einer kardiovaskulären Erkrankung oder einem hohen kardiovaskulären bzw. renalen Risiko [2].
Viele Begleiterkrankungen bei Patient:innen mit Typ 2 Diabetes, wie Herz-, Gefäß- oder Nierenerkrankungen, verlaufen über lange Zeit unbemerkt, bis ein akutes Ereignis mit potenziell irreversiblen Schäden auftritt. Gefäßerkrankungen, wie beispielsweise die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), verlaufen meist schleichend und bleiben über längere Zeit asymptomatisch. Treten akute Ereignisse wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall auf, erfolgt dies häufig erst in einem Stadium, in dem irreversible Schäden bereits eingetreten sein können.
Menschen mit Typ 2 Diabetes haben ein 2–4x höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als gesunde Personen.
Zu den möglichen Folgen zählen:
Koronare Herzkrankheit
Schlaganfall
Herzschwäche
Durchblutungsstörungen in den Beinen
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Auch eine eingeschränkte Nierenfunktion kann in frühen Stadien lange Zeit kompensiert werden, bevor klinisch relevante Leistungseinbußen sichtbar werden. Die zunächst ausbleibenden Symptome sind jedoch eher als „trügerische Ruhe“ zu verstehen. Persistiert die renale Überlastung über Jahre, kann sich eine chronische Nierenerkrankung (CKD) entwickeln. Im Verlauf nimmt die glomeruläre Filtrationsrate kontinuierlich ab und kann im Endstadium in ein Nierenversagen übergehen. Etwa 40 % der Patient:innen mit Typ 2 Diabetes entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine diabetische Nephropathie [3]. Entsprechend ist eine engmaschige Überwachung der Nierenfunktion essenziell.
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Auf Herz und Nieren prüfen – um bei Bedarf rechtzeitig eingreifen zu können
Wie kann wirksam gegengesteuert werden, wenn der Verdacht auf das Entstehen diabetesassoziierter Folgeerkrankungen besteht? Die Ansatzpunkte sind klar und vielfach gut umsetzbar. Eine gesunde Lebensführung bildet die Basis, um zentrale Risikofaktoren bei Typ 2 Diabetes zu reduzieren [1]. Schon moderate Änderungen im Alltag – etwa Rauchverzicht, geringerer Alkoholkonsum, ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität – können die kardiometabolische Gesundheit nachhaltig verbessern. Ergänzend ermöglichen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, das individuelle Diabetesmanagement frühzeitig an veränderte klinische Situationen anzupassen.
Bei Patient:innen mit Typ 2 Diabetes und erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen kann zudem eine Therapie mit GLP-1 RA sinnvoll sein [1, 2].
Praxis-Tipp: GLP-1 RA frühzeitig einsetzen – zusätzlich zu Lifestyle-Interventionen und Metformin
GLP-1 RA sollten in der Regel dann zum Einsatz kommen, wenn eine Änderung des Lebensstils und eine Basistherapie mit Metformin nicht ausreichen, um den Blutzucker zu regulieren (oder wenn Metformin nicht vertragen wird) [1, 2].
Eine zusätzliche Behandlung mit GLP-1 RA wird dabei vor allem dann empfohlen, wenn Patient:innen mit Typ 2 Diabetes ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf oder Nierenerkrankungen aufweisen oder bereits an einer kardiovaskulären Erkrankung leiden [1, 2].
GLP-1 Grundlagen
GLP 1 (Glucagon-like Peptide 1) ist ein Hormon, das in den L Zellen des Darms produziert wird. Nach der Nahrungsaufnahme gelangt GLP 1 ins Blut, bindet an Rezeptoren der Bauchspeicheldrüse und stimuliert dort die Insulinsekretion. Gleichzeitig hemmt es die Glucagonfreisetzung durch die Leber, wodurch der Blutzuckerspiegel gesenkt wird. GLP 1 RA sind pharmakologische Präparate, die die Wirkung des körpereigenen GLP 1 nachahmen. Sie fördern die Insulinproduktion, hemmen die Glukagonsekretion, verlangsamen die Magenentleerung und verstärken das Sättigungsgefühl [2, 4]. Durch diese Mechanismen leisten GLP 1 Inhibitoren einen wertvollen Beitrag zur Therapie des Typ 2 Diabetes.
GLP-1 RA – der Schutzfaktor bei Typ 2 Diabetes
Neben ihren positiven Effekten auf Blutzucker und Körpergewicht konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass manche GLP‑1 RA in der Klasse der Inkretinmimetika auch kardiovaskuläre, renale, vaskuläre und neuroprotektive Vorteile bei Patient:innen mit Typ-2-Diabetes bieten können:
Herz: Manche GLP‑1 RA können das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulären Tod reduzieren [1, 2]. Zudem können sie den systolischen Blutdruck verbessern, während die begleitende Gewichtsabnahme zusätzlich das Herz-Kreislauf-System entlastet.
Niere: Für bestimmte GLP-1 RA konnte ein reduziertes Risiko für renale Komplikationen nachgewiesen werden [1, 2], was den Verlauf einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) positiv beeinflussen kann.
Gefäße: Blutzuckerkontrolle, Blutdruckregulation und Gefäßgesundheit stehen in engem Zusammenhang. Eine langfristig stabile glykämische Einstellung kann Gefäßschäden vorbeugen.
Weitere spannende Informationen rund um GLP-1 RA als Schutzfaktor bei Typ 2 Diabetes finden Sie hier.
Referenzen
1. Gallwitz B et al.: Diabetol Stoffwechs 2024; 19: 186-S202
2. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Typ 2 Diabetes – Version 3.0. 2023 AWMF-Register-Nr. nvl-001; unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-001l_S3_Typ-2-Diabetes_2024-12.pdf (Letzter Abruf: 24.09.2025)
3. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2025. Online verfügbar unter: https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/Gesundheitsbericht_2025_final.pdf (Letzter Abruf: 24.09.2025)
4. Collins L, Costello RA: Glucagon-Like Peptide-1 Receptor Agonists. [Update29. Februar 2024]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; Januar 2025
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