Abwasser als Corona-Frühwarnsystem

Autor: Dr. Judith Lorenz

Sowohl in den flüssigen als auch in den festen Abwasseranteilen konnten Forscher spezifische Virus-RNA nachweisen. Sowohl in den flüssigen als auch in den festen Abwasseranteilen konnten Forscher spezifische Virus-RNA nachweisen. © iStock/ArtShotPhoto

Wenn SARS-CoV-2-Infizierte das Virus über den Stuhl ausscheiden, gelangt es ins Abwasser. Das betrachten die Einen als Problem – die Anderen machen sich diesen Umstand zunutze.

SARS-COV-2 verbreitet sich primär via Tröpfcheninfektion, wird allerdings zum Teil auch in nicht unerheblichen Mengen über den Stuhl ausgeschieden. Ein internationales Forscherteam um Anne Bogler vom Zuckerberg Institute for Water Research der Ben-Gurion Universität im israelischen Sede Boker sieht hier eine mögliche gesundheitliche Bedrohung: Gelangen unzureichend aufbereitete Abwässer beispielsweise in Badeseen oder Flüsse, ist ihrer Einschätzung nach eine Übertragung nicht auszuschließen.

Es müsse dringend geklärt werden, wie lange die Viren in den verschiedenen Wasserreservoirs infektiös bleiben und mithilfe welcher Aufbereitungstechnologien das Übertragungsrisiko minimiert werden kann, meinen die Forscher. Sie fordern ferner ein Überwachungssystem zur Quantifizierung der Abwasserbelastung. Dieses Monitoring hätte einen weiteren Vorteil: Es könnte als Frühwarnsystem für lokale Ausbrüche dienen.

Abwasserproben aus neun Klärwerken untersucht

Auch deutsche Wissenschaftler um Dr. Sandra Westhaus vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Frankfurt sehen darin einen vielversprechenden epidemiologischen Ansatz: In Zusammenarbeit mit Forscherkollegen der RWTH Aachen haben sie während der ersten Infektionswelle im April dieses Jahres Abwasserproben aus neun verschiedenen Klärwerken in Nordrhein-Westfalen untersucht.

Sowohl in den flüssigen als auch in den festen Abwasseranteilen konnten sie spezifische Virus-RNA nachweisen. Die Belastung des Abwassers korrelierte dabei mit der Zahl der COVID-19-Fälle im jeweiligen Einzugsgebiet. Der Versuch, Zellkulturen mit dem Virusmaterial aus den Abwasserproben zu infizieren, gelang den Forschern allerdings nicht. 

Quellen:
1. Bogler A et al. Nat Sustain 2020; DOI: 10.1038/s41893-020-00605-2
2. Westhaus S et al. Sci Total Environ 2020; 751: 141750; DOI: 10.1016/j.scitotenv.2020.141750