Dicke Mütter – dicke Kinder? Adipositasprävention beginnt schon vor der Schwangerschaft

Autor: Dr. Judith Lorenz

Im Kindesalter liegt per Definition eine Adipositas vor, wenn der BMI die alters- und geschlechtsspezifische 95. Perzentile erreicht oder übertrifft. Im Kindesalter liegt per Definition eine Adipositas vor, wenn der BMI die alters- und geschlechtsspezifische 95. Perzentile erreicht oder übertrifft. © AntonioDiaz - stock.adobe.com

Im Kindesalter liegt per Definition eine Adipositas vor, wenn der BMI die alters- und geschlechtsspezifische 95. Perzentile erreicht oder übertrifft, erläutert Prof. Dr. Chang Liu von der Abteilung für Psychologie der Washington State University in Pullman. 

Ein hoher BMI im Kindesalter gilt als Risikofaktor für eine Adipositas im Jugend- und Erwachsenenalter. Langfristig sind damit zahlreiche metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen vorprogrammiert. Anhand von Daten der ECHO-(Environmental-influences-on-Child-Health-Outcomes-)Studie ging Prof. Liu gemeinsam mit weiteren Forschenden der Frage nach, welche potenziell modifizierbaren Faktoren den BMI-Verlauf im Kindesalter beeinflussen.

Das Analysekollektiv umfasste 9.483 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (48,1 % Mädchen), die zwischen 1997 und 2019 zur Welt gekommen und bei denen im Alter zwischen einem und neun Jahren mindestens vier BMI-Messungen vorgenommen worden waren. Bei der Mehrzahl der Kinder (89,4 %) nahm der BMI in diesem Zeitraum einen typischen Verlauf: Er lag mit einem Jahr etwa auf der 50. Perzentile und nahm bis zum Alter von sechs Jahren zunächst linear ab, um anschließend bis zum Alter von neun Jahren linear bis zur 67. (Mädchen) bzw. 71. Perzentile (Jungen) anzusteigen. Die übrigen 1.006 Kinder (10,6 %) wiesen dagegen einen atypischen Verlauf auf. Ihr BMI lag mit einem Jahr bereits an der 85. (Mädchen) bzw. 80. Perzentile (Jungen), blieb bis zum Alter von dreieinhalb Jahren stabil und nahm anschließend rasch zu. Im Alter von neun Jahren wiesen diese Kinder einen BMI oberhalb der 99. Perzentile auf. Besonders stark adipositasgefährdet waren dabei Kinder afroamerikanischer, hispanischer und lateinamerikanischer Abstammung, berichten die Forschenden. 

Folgende Risikofaktoren prädisponierten ihren Berechnungen zufolge für eine ungünstige BMI-Entwicklung: Rauchen während der Schwangerschaft, ein hoher präkonzeptioneller BMI der Mutter, eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sowie ein hohes kindliches Geburtsgewicht. Die Weichen für eine kindliche Fettleibigkeit werden also bereits vor der Konzeption gestellt. Auch die Schwangerschaft ist offenbar ein wichtiges Risikozeitfenster.

Es bieten sich potenzielle Ansatzpunkte zur Prävention der kindlichen Adipositas, unterstreicht das Autorenteam abschließend. Entsprechende Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen sollten optimalerweise bereits vor der Planung einer Schwangerschaft angesprochen werden, meinen sie. Weiterhin empfehlen sie eine engmaschige Überwachung von Kindern mit ungünstigem Risikoprofil sowie gezielte Ernährungs- und Bewegungsinterventionen für betroffene Familien.

Quelle: Liu C et al. JAMA Netw Open 2025; 8: e2511835; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.11835