Milchzahn in der Lunge Aspirierte Fremdkörper lassen sich manchmal schwer entfernen
Ein ausgefallener Milchzahn, den ein Kind beim Lachen aspiriert hatte, landete tief im mittleren Bronchus der rechten Lunge.
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Bereits neun Wochen lang machte einem neunjährigen Mädchen ein anhaltender Husten zu schaffen, als die Eltern es im Tygerberg-Krankenhaus der Stellenbosch-Universität in Kapstadt vorstellten. Asthma oder wiederholte Infektionen waren nicht bekannt, eine Tuberkuloseexposition bestand nicht. Die Untersuchung der Lunge fiel unauffällig aus, schreibt ein Kinderärzteteam um Prof. Dr. Pierre Goussard. Bei der Suche nach möglichen Ursachen entdeckten sie auf dem Röntgenbild im mittleren Bronchus der rechten Lunge einen Fremdkörper – mit der Form eines Zahns. Der Mittellappen war normal belüftet. Das hintere Basalsegment des Unterlappens wies fleckige Trübungen auf. Nachdem das Kind auf Nachfragen von einer möglichen Aspiration eines Milchzahns beim Lachen berichtet hatte, stand die Diagnose fest.
Um den Zahn hatte sich Granulationsgewebe gebildet
Zunächst versuchte man, mithilfe eines starren Bronchoskops das Zähnchen zu greifen. Dies gelang nicht, da sich inzwischen Granulationsgewebe gebildet hatte und die Oberfläche des Zahns sehr glatt war. Die Prozedur verschlimmerte sogar die Situation, weil der Milchzahn durch die Manipulationen noch tiefer in den Bronchus rutschte. Nach 45 Minuten gab man sich zunächst geschlagen.
Es folgte fünf Tage später ein erneuter Versuch mit einem flexiblen Bronchoskop und einer Videoskopie über eine Larynxmaske. Zudem wurde ein Polyp auf dem rechten Stimmband sichtbar, der wahrscheinlich durch die starre Bronchoskopie entstanden war. Die Zange rutschte immer wieder ab und ließ sich nicht um das eingekeilte Objekt schließen. Ein kleiner Ballon sollte den Zahn weiter nach oben befördern, verrutschte aber ständig. Schließlich gelang es nach 50 Minuten, den festgebissenen Zahn in ein Fremdkörperkörbchen zu bugsieren und nach draußen zu befördern. Den Stimmbandpolypen entfernte man ebenfalls.
Das Mädchen verbrachte noch eine Nacht auf der pädiatrischen Intensivstation und konnte dann entlassen werden. Eine Woche später zeigte sich bronchoskopisch eine noch immer geschwollene Schleimhaut des betroffenen Segmentbronchus, ansonsten gab es keine auffälligen Befunde mehr. Am Stimmband war kein neuer Polyp entstanden. Auch das Röntgenbild war unauffällig und dem Kind ging es gut.
Der beschriebene Fall zeigt, wie herausfordernd es ist, aspirierte Zähne zu extrahieren. Form und Oberfläche machen es nahezu unmöglich, sie mit einer Zange zu fassen. Außerdem muss man – insbesondere bei Molaren – aufpassen, dass die Wurzeln beim Herausziehen die Atemwege nicht beschädigen, schreibt das Autorenteam. In einem anderen publizierten Fall hatte sich auf diese Weise ein Pneumomediastinum gebildet. Meist kommt es zu Aspiration eines Zahns während Intubationen, Operationen, Zahnextraktionen oder bei Kindern mit neurologischen Störungen. Bei gesunden Kindern wie im beschriebenen Fall sind diese Ereignisse dagegen sehr selten. Man sollte unbedingt ein flexibles Bronchoskop und ein Körbchen benutzen, unter direkter Sicht und mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen arbeiten, empfiehlt das Autorenteam.
Quelle: Goussard P et al. Thorax 2025; doi: 10.1136/thorax-2025-223221