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Krebstherapie Auch im Alter kurativ gegen Krebs

DGIM 2024 Autor: Friederike Klein

Auch in hohem Alter gibt es gute  Chance auf Heilung und krankheitsfreies Überleben. Auch in hohem Alter gibt es gute Chance auf Heilung und krankheitsfreies Überleben. © farbkombinat – stock.adobe.com
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Ein hohes Alter des Patienten ist kein Grund, bei einer Krebserkrankung auf eine potenzielle kurative Therapie zu verzichten. Entscheidend sind vielmehr die Behandlungsmöglichkeiten, deren Verträglichkeit und der Wunsch des Betroffenen.  

Voraussetzung für das Erwägen eines kurativen Vorgehens ist, dass es sich grundsätzlich um eine heilbare Erkrankung und ein heilbares Stadium handelt. Das gilt heute sogar in einigen Fällen für oligometastasierte Krebserkrankungen. Allerdings sind die Maßnahmen, die für eine kurative Therapie bei einer oligometastasierten Erkrankung notwendig sind, immens, betonte PD Dr. Valentin Goede von der Abteilung für Onkologische Geriatrie am St. Marien-Hospital Köln. 

Entscheidungsrelevant für eine kurative Therapie ist zudem eine ausreichend lange Restlebenserwartung unter Berücksichtigung der Komorbiditäten (mindestens sechs bis zwölf Monate). Für die Abschätzung der Lebenserwartung gibt es verschiedene Scores, die aber im Alltag nicht wirklich helfen, sagte Dr. Goede. Voraussetzung ist auch, dass der Patient für die geplanten Therapiemaßnahmen ausreichend physisch und mental belastbar ist.  

Die geplanten Behandlungen sollten kein überbordendes Unverträglichkeits- und Schadenspotenzial, aber eine gewisse Heilungschance aufweisen. Weniger aufwändige Therapien, beispielsweise eine brusterhaltende OP und anschließende Radiatio beim Mammakarzinom, sind bei älteren Patienten oft besser geeignet als komplexe Behandlungen mit großem Aufwand (vergl. Tabelle). 

Beispiel für kurativ intendierte onkologische Therapien
Tumorentität
 

Therapiemodalität

 Kleinerer AufwandGrößerer Aufwand
Prostatakarzinom
 
intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)radikale Prostatektomie plus Bestrahlung/Androgenentzugstherapie
Nicht-kleinzelliger LungenkrebsSegmentresektion, Stereotaktische Strahlentherapie
 
Pneumektomie, definitive Radiochemotherapie, Metastasenchirurgie
Mammakarzinom
 
brusterhaltende Therapie (mit oder ohne Bestrahlung und endokrine Therapie)neoadjuvante (Chemo-)Therapie, axilläre Lymphadenektomie, adjuvante Chemotherapie i.v.
Kolorektales Karzinomlaparoskopische Hemikolektomieneoadjuvante Chemotherapie, Metastasenchirurgie, adjuvante Chemotherapie i.v.
Akute myeloische Leukämie
 
intensive Chemotherapie i.v., allogene Stammzelltransplantation
Diffus-großzelliges B-Zell-LymphomMini-R-CHOPImmunchemotherapie plus Bestrahlung, autologe oder allogene Stammzelltransplantation

Quelle: nach Vortrag Dr. Goede

Evidenz aus randomisiert-kontrollierten Studien zur Frage kurative oder palliative Therapie bei älteren Patienten mit Krebs gibt es nicht, betonte Dr. Goede. Ein Subgruppenvergleich verschiedener Altersgruppen in Studien zeigt beispielsweise beim kolorektalen Karzinom, dass ältere Patienten zwar ein etwas höheres Mortalitätsrisiko bei der Resektion haben als jüngere, das krankheitsfreie Überleben und die Chance auf Heilung aber bis ins höhere Alter vergleichbar sind. Selbst bei der allogenen Stammzelltransplantation ist das rezidivfreie Überleben in der siebten Lebensdekade nicht signifikant schlechter als bei jüngeren Patienten. Die nicht rezidivabhängige Mortalität ist durch die intensive Therapie allerdings deutlich erhöht

Letztlich entscheidend ist der Patientenwunsch nach Heilung und nach der dazugehörigen Therapie mit ihren Strapazen. Studien zur Behandlungspräferenz älterer Patienten mit Krebs gibt es kaum. Dass in der Praxis viele ältere Patienten eine kurativ intendierte Krebstherapie erhalten, stellte Dr. Goede in seiner eigenen geriatrischen Patientenpopulation fest. Trotz eines medianen Alters von 79 Jahren und oft erheblicher Komorbidität waren 152 von 242 akut geriatrischen Patienten zuvor in einem anderen Krankenhaus wegen ihrer Krebserkrankung kurativ behandelt worden, vor allem mit einer kurativen OP, 23 % aber auch mit einer kurativ intendierten Chemotherapie. 45 % sollten nach der geriatrischen Akutbehandlung weiter ambulant eine Tumortherapie erhalten. Die geriatrische Versorgung führte bei 63 % der Patienten zu einem funktionellen Ansprechen und bei 68 % zum Erreichen der ambulanten Therapiefähigkeit. Die Akutgeriatrie mit Frührehabilitation könne durchaus einen Beitrag für eine erfolgreiche, auch anspruchsvolle kurative Tumortherapie im Alter leisten, ist Dr. Goede überzeugt. 

Quelle: Kongressbericht