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COVID-19: Einfluss der Pandemie auf Krebs und Früherkennung

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Trotz Pandemie muss die Versorgung Krebskranker ermöglicht werden. Trotz Pandemie muss die Versorgung Krebskranker ermöglicht werden. © iStock/KatarzynaBialasiewicz
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„Mehr Wissenschaft – Mehr Hoffnung“, so war die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in diesem Jahr überschrieben. Es war die erste virtuelle Veranstaltung, für die dennoch 4000 Teilnehmer angemeldet waren.

 „Wir sind davon überzeugt, dass sich die hohe Qualität der Fortbildungen und wissenschaftlichen Vorträge auch virtuell umsetzen lässt“, betonte Kongresspräsident Professor Dr. Markus Manz im Vorfeld der Veranstaltung. Es böten sich „viele Chancen, die ausgesprochen große Dynamik bei der Diagnostik und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen abzubilden, einem breiten Publikum aus Expertinnen und Experten der Medizin, anderen therapeutischen Disziplinen, der Pflege aber auch aus der Gesundheitspolitik zugänglich zu machen und den kritischen Diskurs zu ermöglichen“.

Unsere Patienten waren schon vor der Pandemie achtsam

Thematisiert wurde in der dreitätigen Veranstaltung auch die Coronapandemie und deren Einfluss auf Krebserkrankungen bzw. auf Früherkennung und Therapie. COVID-19 müsse als ein neues zu berücksichtigendes und zu integrierendes Element verstanden werden, resümierte Professor Dr. Lorenz Trümper, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen.

„Wir sind immer wieder mit der Herausforderung konfrontiert, dass unsere Patientinnen und Patienten beispielsweise neben einer Leukämie oder einem soliden Tumor auch noch an anderen Erkrankungen wie Hepatitis oder HIV leiden“, erklärte Prof. Trümper. Die Integration von Komorbiditäten in die Krebstherapie sei also nichts Neues, „nur handelt es sich bei SARS-CoV-2 um einen relativ neuen Erreger, dessen teilweise dramatische Wirkungen auf den menschlichen Körper noch nicht vollständig verstanden sind“.

Herausforderungen für Onkologen und ihre Patienten seien in erster Linie der Schutz vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2, die Durchführung von onkologischen Therapien auch unter Pandemiebedingungen sowie die Weiterführung von Therapien trotz einer gegebenenfalls vorhandenen Infektion mit dem neuartigen Virus. Empfohlene Schutzmaßnahmen wie die AHA-Regel würden selbstverständlich auch für Krebspatienten gelten. Allerdings gelte, dass „unsere Patienten schon vor der Pandemie besonders achtsam waren.“

Prof. Trümper nannte ein erhöhtes COVID-19-Risiko für Patienten mit

  • geschwächtem Immunsystem, z.B. durch Leukämien,
  • Malignem Lymphom mit aktiver Erkrankung,
  • einer niedrigen Zahl weißer Blutkörperchen,
  • niedrigen Immunglobulinwerten,
  • einer langdauernden Unterdrückung des Immunsystems, z.B. durch Steroide oder allogene Stammzelltransplantation sowie anderer zellulärer Therapien.

Viele andere Krebspatienten mit chronischer und gut beherrschbarer Erkrankung oder nach einer erfolgreichen Erstbehandlung hätten kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit SARS-CoV-2. Und bei älteren Patienten bestimmten weitere Erkrankungen das Sterberisiko wahrscheinlich mehr als eine Krebserkrankung. Der DGHO-Vertreter mahnte, die Angst vor einer Infektion dürfe die Bekämpfung einer Krebserkrankung nicht beeinträchtigen. Von der Gesundheitspolitik forderte er, die gesamte Versorgungskette – von Diagnostik bis zur Rehabilitation – sicherzustellen.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht

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