Lebensgefährlicher Schnupfen: Rhinoviren können bei gesunden Erwachsenen eine Laryngotracheitis auslösen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Die Symptome seines Sohnes überführten die Übeltäter, welche für die Laryngotracheitis des Patienten verandwortlich waren: Rhinoviren. © fotolia/Robert Kneschke

Rhinovirus-Infektionen verlaufen jenseits des Kindes­alters in der Regel mild oder asymptomatisch. Allerdings kann auch bei Erwachsenen ein vermeintlich banaler Schnupfen schwere Folgen haben.

Respiratorische Komplikationen aufgrund einer Rhinovirusinfektion kommen im Erwachsenenalter eher selten vor. Für Raucher oder Asthma- bzw. COPD-Patienten gelten freilich andere Regeln, sie entwickeln während einer Erkältung häufiger ein Wheezing als Personen ohne diese Risikofaktoren. Doch sogar per se gesunde Erwachsene scheinen nicht gänzlich vor Komplikationen geschützt, wie Dr. Mirijam Müller vom Department Innere Medizin am Kantonsspital Graubünden in Chur und Kollegen am Beispiel eines 43-Jährigen demonstrieren.

Der Patient war durch eine schwere, vermutlich durch Rhinoviren ausgelöste Laryngotracheitis in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten. Nach der Notfallbehandlung gab er an, in der Nacht zuvor binnen weniger Minuten stärkste Dyspnoe, einen inspiratorischen Stridor sowie ein ausgeprägtes zervikales Engegefühl entwickelt zu haben. Durch die Inhalation mit Adrenalin und der Gabe von Methylprednisolon und Clemastin besserten sich Atemnot und Stridor rasch.

Sozial sorgt für saisonal

Mittlerweile sind mehr als 150 Rhinoviren bekannt. Die Erreger aus der Gruppe der Picornaviren treten das ganze Jahr über auf, häufen sich allerdings saisonal. Das könnte mehr am Sozialverhalten als am Klima liegen, deuten internationale Studien an. Vor allem zu Beginn der Schulzeit im Spätsommer steigen die Infektionszahlen.

Dreijähriger Sohn mit Husten und Fieber

In der Anamnese verneinte der Nichtraucher Allergien, ein Asthma bronchiale, pulmonale oder kardiale Vorerkrankungen. Lediglich sein dreijähriger Sohn habe in den vergangenen Tagen Husten und Fieber gehabt. Die venöse Blutgasanalyse zeigte eine respiratorische Alkalose und erhöhtes Laktat. Laborchemisch fielen leicht gestiegene Entzündungsparameter auf. Die transnasale Fiberendoskopie zeigte einen blanden Epipharynx sowie unauffälligen Zungengrund, wogegen sich der Endopharynx deutlich gerötet und gefäßinjiziert, jedoch ohne Ödem darstellte.

Im Röntgenbild deutete sich eine fokale sanduhrförmige Einengung des subglottischen Raumes an, die CT schloss zervikale oder mediastinale Raumforderungen jedoch aus. Im Nasopharyngealabstrich schließlich wiesen die Kollegen Rhinoviren nach. Anzeichen für weitere Erreger fanden sie nicht.

Die Kombination sämtlicher Symptome mit Anamnese und der Erkrankung des Sohnes ließ die Ärzte zur Diagnose kommen. Hinter der schweren Laryngotracheitis steckte eine Rhinovirusinfektion. Und auch wenn solch komplizierte Verläufe eher bei Kindern zu beob­achten sind, zeigt der Fall von Dr. Müller und Kollegen, dass man sie auch bei Erwachsenen nicht ausschließen sollte.

Quelle: Müller M et al. Swiss Med Forum 2018; 18: 452-454