PD Dr. Georg Evers, Universitätsklinikum Münster, gibt einen Überblick Pneumoonkologie: Das war 2025

Autor: Dr. Judith Besseling

Das Jahr 2025 endet – Zeit, auf wichtige Fortschritte und Entwicklungen in der Pneumoonkologie zurückzublicken. Das Jahr 2025 endet – Zeit, auf wichtige Fortschritte und Entwicklungen in der Pneumoonkologie zurückzublicken. © Alis – stock.adobe.com

Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Grund genug, um zurückzuschauen auf das, was sich in der Pneumoonkologie bewegt hat. So geschehen im Seminar Expanda Onkologie. Kleiner Spoiler: es ist nicht wenig. 

Dr. Evers, werfen wir einen Blick auf das nicht metastasierte NSCLC im Stadium II–IIIA nach Chemotherapie. Wie bewerten Sie die aktuellen Daten der IMpower010-Studie?

Für diese Studie liegen nun Fünf-Jahres-Daten vor. Adjuvantes Atezolizumab führt nach vorheriger Chemotherapie in diesem Setting zu einem anhaltenden Überlebensvorteil bei Personen mit einer PD-L1-Expression ≥ 1 % und besonders bei über 50 %. Die initialen Zulassungsdaten wurden also bestätigt. 

Für Europa war vor allem der zulassungsrelevante Nachweis der Wirksamkeit in der hohen PD-L1-Expressionspopulation (≥ 50 %) interessant. Und es hat sich relativ eindrucksvoll gezeigt, dass ein Gesamtüberleben nach fünf Jahren von über 80 % in der Subgruppe der Patienten mit hoher PD-L1-Expression erreicht wird. Somit stellt das Regime weiterhin eine Option im adjuvanten Setting dar.

In der Keynote-671-Studie wird eine neoadjuvante plus adjuvante Therapie getestet, also perioperatives Pembrolizumab. Und das unabhängig vom PD-L1-Status. Ist dies bereits ein Standard für das resektable NSCLC und wird das Erreichen der pCR schon zur Stratifizierung in der adjuvanten Therapie genutzt?

Die zuletzt gezeigten 5-Jahres Überlebensdaten bestätigen den langfristigen Benefit dieses perioperativen Behandlungsregimes. Wir diskutieren mit den Patient:innen, dass nach Erreichen einer pathologischen Komplettremission nicht mehr zwangsläufig eine adjuvante Behandlung folgen muss. Bisher ist die Fragestellung aber nicht in randomisierten Studien geprüft worden.  

Wir wechseln zum mestatasierten Stadium, EGFR-mutiert: In der Studie FLAURA-2 wird Osimertinib plus Chemotherapie geprüft. Für wen kommt diese Kombination in der Erstlinie infrage?

Aufgrund der  vorhandenen Überlebensdaten sollte mit llen hierfür geeigneten Patient:innen über diese Option diskutiert werden, da es zu einer deutlichen Verlängerung im Gesamtüberleben kommt.  Im Vergleich zum „klassischen“ NSCLC-Kollektiv sind bei Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC relevante Begleiterkrankungen, die gegen eine zusätzliche Chemotherapie sprechen, allgemein weniger verbreitet. Damit sollte die Indikation zur Chemotherapie relativ großzügig gestellt werden können.

Eine weitere Kombinationstherapie mit signifikantem Überlebensvorteil ist Amivantamab plus Lazertinib, die in MARIPOSA gegen Osimertinib mono geprüft wird. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für die eine oder andere Option?

Die bisherigen Daten legen nahe, dass der Überlebensvorteil des FLAURA- und des MARIPOSA-Regimes ähnlich sind. Bei MARIPOSA stehen aber andere Nebenwirkungen im Vordergrund. Letztendlich ist auch die Frage, in welcher Sequenz man Amivantamab sieht. Schon in der Erstlinie oder erst im Progress? Die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen sollten unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Nebenwirkungsspektren mit den Patient:innen besprochen werden.

In OptiTROP-Lung04 wird Sacituzumab-Tirumotecan nach TKI-Versagen überprüft. Wie bewerten Sie diese Studie, auch im Vergleich zu anderen Alternativen in dieser Situation?

Unser Standard beim TKI-Versagen ist nach erneuter Resistenztestung und im Falle fehlender zielgerichteter Behandlungsoptionen das MARIPOSA-2-Regime, das bisher nur einen PFS-Vorteil und noch keinen OS-Verteil gezeigt hat.  OptiTROP-Lung04 hat schon in einer sehr frühen Interimsanalyse einen signifikanten Overall Survival Benefit belegt.  Da es sich um eine rein chinesische Studie handelt, rechne ich vorerst nicht mit einer EMA-Zulassung.

Werfen wir einen Blick auf den Kleinzeller. Nach über 20 Jahren ist Durvalumab der erste in Phase 3 positiv getestete Wirkstoff beim Limited Stage. Inwieweit ist es nun ausnahmslos der Standard?

Durvalumab  nach erfolgter Radiochemotherapie ist auf jeden Fall ein neuer Standard, weil es mit einem Overall Survival Benefit einhergeht und eine Zulassung vorliegt.

In IMforte wird Lurbenectidin plus Atezolizumab als Erhaltungstherapie für das Extensive Stage geprüft. Es gibt einen PFS- und OS-Vorteil versus Atezolizumab alleine. Bei welchen Patient:innen ziehen Sie diese Erhaltung in Betracht?

Bei allen, die dafür fit genug sind und die zu erwartenden Toxizitäten, insbesondere Hämatoxizität, tolerieren. Bisher ist die Substanz in dieser Indikation noch nicht in Europa zugelassen, kann aber mittlerweile über ein Härtefallprogramm beantragt werden.

Ein weiterer Antikörper ohne Zulassung ist Tarlatamab. In DeLLphi-304 kam es als Zweitlinie verabreicht zu einem beeindruckenden Überlebensvorteil. Ist es trotz fehlender Zulassung schon Standard?

Ich würde es als „practice changing“ einordnen. Vermutlich wird es in 2026 auch zur Zulassung kommen und dann der neue Zweitlinienstandard werden. Es gab über Jahre hinweg keine Verbesserung in der Zweitlinie. Unter diesem Gesichtspunkt wäre die Zulassung eine wirklich besondere Neuerung. Die Substanz ist mittlerweile ebenfalls über ein Härtefallprogramm als Zweitlinienoption zugänglich. Die Entwicklung beim metastasierten SCLC bleibt weiterhin spannend, da Tarlatamab ebenfalls in der Erstlinie geprüft wird. Vielversprechende Daten aus frühen Erstlinienstudien wurden auf den zurückliegenden Jahreskongressen in 2025 bereits gezeigt.

Interview: Jochen Schlabing