Technologische Sehhoffnung Retina-Chip bringt zentrales Sehen zurück

Autor: Joachim Retzbach

Zentraler Sehverlust ist oft das Hauptproblem bei trockener AMD. Zentraler Sehverlust ist oft das Hauptproblem bei trockener AMD. © Vladimir Voronin - stock.adobe.com

Ein subretinales Implantat hat bei Patientinnen und Patienten mit trockener AMD zentrale Sehfunktionen deutlich verbessert. Das System nutzt Infrarotlicht, um verbliebene Bipolarzellen gezielt zu aktivieren.

Zentraler Sehverlust ist oft das Hauptproblem bei trockener AMD. Ein internationales Team um Prof. Dr. Frank Holz, Universität Bonn, hat nun erfolgreich ein subretinales Implantat an 32 Betroffenen evaluiert. Eingeschlossen waren Personen ≥ 60 Jahre mit beidseitiger geografischer Atrophie. Im behandelten Auge musste die Sehschärfe noch bei 1,2 logMAR (Snellen ca. 20/320) oder besser liegen.

Das System nutzt eine spezielle Brille, die das Umgebungsbild als Infrarotlicht direkt auf das Implantat projiziert. Dieses setzt elektrische Signale frei, welche die die noch intakten nachgeschalteten Bipolarzellen reizen. Das natürliche periphere Sehen funktioniert davon unabhängig weiter.

Die zentrale Sehfunktion nahm zu: Nach zwölf Monaten zeigten 81 % der Teilnehmenden eine Verbesserung um ≥ 10 ETDRS-Buchstaben. Nebenwirkungen traten vor allem in den ersten zwei Monaten nach der OP auf, keine war allein gerätebedingt. Vier der Komplikationen waren schwerwiegend (u. a. vollschichtige Makulaforamina). 

Quelle: Holz FG et al. N Engl J Med 2025; doi: 10.1056/NEJMoa2501396