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COVID-19 Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck als Gefahren

Autor: Angela Monecke

COVID-19: Hoher Blutdruck und -zucker sowie 
Übergewicht erhöhen das Sterblichkeitsrisiko. COVID-19: Hoher Blutdruck und -zucker sowie Übergewicht erhöhen das Sterblichkeitsrisiko. © iStock/TarikVision
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Inwieweit erhöhen Komorbiditäten wie Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck auch für jüngere Patient*innen das Risiko, an COVID-19 zu sterben? Diese Frage war bislang weitgehend ungeklärt. Eine aktuelle Studie*, die auf Daten des europäischen Fallregisters für Patient*innen mit SARS-CoV-2-Infektion (LEOSS1) beruht, zeigt nun: Fettleibigkeit, ein gestörter Glukose­stoffwechsel und Hochdruck sind wesentliche Faktoren, die auch bei jungen Erwachsenen und im mittleren Lebensalter das Mortalitätsrisiko bei COVID-19 steigern.

Dass ältere Menschen und vor allem Männer ein besonders hohes Risiko tragen, schwer an COVID-19 zu erkranken und daran zu sterben, ist bekannt.2 Auch Fettleibigkeit und erhöhte Glukosewerte sind potenzielle Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe.

Welchen Einfluss haben Komorbiditäten?

Welchen Effekt aber haben mehrere, kombiniert auftretende Vorerkrankungen auf den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion? Dies war in Deutschland bislang noch nicht ausreichend untersucht. Forschende, u.a. des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des IDM (Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), analysierten deshalb, ob Übergewicht, Diabetes und erhöhter Blutdruck, die Schwere einer COVID-19 beeinflussen und die Sterblichkeit erhöhen. Dafür werteten sie Daten von 3.163 Patient*innen mit SARS-CoV-2-Infektion aus dem europäischen Fallregister LEOSS1 aus.

LEOSS-Studie

LEOSS ist eine europäische nicht-interventionelle multizentrische Kohortenstudie. Das im März 2020 gestartete Register sammelt Daten, die dann zur gemeinsamen Analyse an die wissenschaftliche Gemeinschaft gehen. An dem Register sind u.a. auch die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) beteiligt. Das DZD nutzt das Register z.B. dazu, den Einfluss von Adipositas und gestörtem Stoffwechsel auf die Schwere einer COVID-19 zu untersuchen.

Das europäische Fallregister wurde auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) aufgelegt, in dem klinische Daten für Patient*innen mit SARS-CoV-2-Infektion gesammelt werden.

„Dabei zeigte sich, dass Fettleibigkeit, ein gestörter Blutzuckerstoffwechsel und ein Bluthochdruck einen additiven Effekt auf die COVID-19-bedingte Sterblichkeit haben – und dies vor allem bei vergleichsweise jüngeren Erkrankten im Alter zwischen 18 und 55 Jahren“, erklärt Dr. Norbert Stefan, Erstautor der Studie. 

Die Untersuchung ergab zudem, dass Menschen dieser Altersgruppe mit allen drei Vorerkrankungen ein ähnlich erhöhtes Sterberisiko haben, wie ältere Menschen (56 – 75 Jahre), die metabolisch gesund und nicht fettleibig waren. „Diese Erkenntnis hat immense Auswirkungen auf unseren Umgang mit der SARS-CoV-2-Infektion und den sogenannten Volkskrankheiten, denn bislang gingen viele Betroffene davon aus, dass ein jüngeres Alter weitgehend vor einer schweren Infektion mit COVID-19 schützt“, so Stefan.

„Es ist daher besonders wichtig, die medizinische Überwachung und Therapie von jüngeren COVID-19-Patient*innen zu intensivieren. Insbesondere dann, wenn entweder Übergewicht, ein Diabetes oder ein erhöhter Blutdruck vorliegen“, sagt Letzt-Autor der Studie Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV der Universität Tübingen, Leiter des IDM und Sprecher des DZD. Aufbauend auf ihren langjährigen Erkenntnissen zur Rolle von Übergewicht und gestörter Stoffwechsellage für die Entstehung von schwerwiegenden Erkrankungen hatten Stefan, Birkenfeld und Kollegen schon früh im Verlauf der COVID-19-Pandemie auf diese Risiken hingewiesen.3,4

Laut den beteiligten Organisationen wie DZD und DDG mache die COVID-19-Pandemie deutlich, wie wichtig politische Präventionsmaßnahmen seien, wie die Pläne zur Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes, das dem Vormarsch nicht-übertragbarer Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht entgegenwirken soll. Die Ergebnisse der LEOSS-Studie sollten deshalb hier als konkreter Anreiz gesehen werden.

Gesundheitsförderndes Verhalten ermöglichen

„Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die gesundheitsförderndes Verhalten möglich machen und die Verhältnisse in Bezug auf Bewegung und Ernährung verbessern“, sagt Prof. Dr. Andreas Fritsche, Vizepräsident der DDG. „Dazu gehören insbesondere gezielte individuelle Präventionsmaßnahmen für Hoch-Risikopopulationen, wie wir sie kürzlich in der Studie Prädiabetes Lebensstil Intervention (PLIS) gezeigt haben.5“.

Quellen:
1. LEOSS – Lean European Open Survey for SARS-CoV-2 Infected Patients. (https://leoss.net)
2. Journal of Health Monitoring,  S2/2021, Risikogruppen für schwere COVID-19-Verläufe (rki.de)
3. Stefan N, Birkenfeld AL, Schulze MB, Ludwig DS. Obesity and impaired metabolic health in patients with COVID-19. Nat Rev Endocrinol. 2020 Jul; 16(7): 341-342.
4. Stefan N, Birkenfeld AL, Schulze MB. Global pandemics interconnected - obesity, impaired metabolic health and COVID-19. Nat Rev Endocrinol. 2021 Mar; 17(3): 135-149.
5. Fritsche A et al. Different Effects of Lifestyle Intervention in High- and Low-Risk Prediabetes: Results of the Randomized Controlled Prediabetes Lifestyle Intervention Study (PLIS). Diabetes. 2021 Dec; 70(12): 2785-2795.