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Karzinome Warnsignal akuter Harnverhalt

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Auch ein Blasenkarzinom kann zum akuten Harnverhalt führen. Auch ein Blasenkarzinom kann zum akuten Harnverhalt führen. © Immanuel Albertinen Diakonie/sonographiebilder.de
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Ein akuter Harnverhalt kann auf eine bislang unentdeckte Krebserkrankung hinweisen. Daran sollte man denken, wenn (ältere) Patienten über entsprechende Beschwerden klagen.

Ein akuter Harnverhalt ist bei Patienten ab 50 Jahren nicht selten das erste Zeichen für eine zuvor unbekannte Krebserkrankung. Das gilt keineswegs nur für das Prostata­karzinom, wie dänische Wissenschaftler zeigen konnten. Für ihre populationsbasierte Kohortenstudie nutzten sie die Daten des nationalen Patientenregisters. In die Untersuchung eingeschlossen wurden sämtliche Patienten, die in den Jahren 1995–2017 wegen einer plötzlich aufgetretenen Urinretention erstmals ambulant oder stationär in einem dänischen Krankenhaus behandelt wurden – insgesamt etwa 76.000 Personen. Das Exzessrisiko wurde jeweils pro tausend Patientenjahre erfasst.

Die stärkste Assoziation bestand wie erwartet zum Prostatakarzinom: In den ersten drei Monaten der Nachbeobachtungszeit wurden pro 1.000 Personenjahre 218 Tumoren mehr detektiert als in der Allgemeinbevölkerung. Im Intervall zwischen drei und zwölf Monaten lag die Differenz nur noch bei 21 Fällen. Für Harnwegskarzinome, darunter vor allem Blasenkrebs, ergab sich für die ersten drei Monate ein Zuwachs von 56 Diagnosen. Beim Genitalkarzinom der Frau (Ovar, Endometrium etc.) waren es im ersten Vierteljahr 24 Patientinnen mehr, beim kolorektalen Malignom zwölf und bei den neurologischen Karzinomen zwei zusätzliche Diagnosen, schreiben Maria­ Bengtsen­ von der Universität Aarhus und Kollegen.

Quelle: Bengtsen MB et al. BMJ 2021; 375: n2305; DOI: 10.1136/bmj.n2305

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