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„Wir werden keine Herdenimmunität erreichen“ – ohne wirksame COVID-19-Therapien geht es nicht

Autor: Kathrin Strobel

„Wir müssen lernen, mit Corona zu leben“, sagt Professor Dr. Tobias Welte. „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben“, sagt Professor Dr. Tobias Welte. © iStock/next143
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Mit der Impfung allein wird man den Kampf gegen Corona nicht gewinnen. Was es braucht, sind wirksame Therapien.

Die Raten an gemeldeten SARS-CoV-2-Infektionen sind nun bereits seit einiger Zeit rückläufig. Das liegt einerseits an der Saisonalität: Im Sommer ist prinzipiell mit weniger Infektionen zu rechnen als im Winter. Andererseits tragen auch die Fortschritte im Impfprogramm zum Rückgang der Zahlen bei. „Aber: Wir werden keine Herdenimmunität erreichen“, stellte Professor Dr. Tobias Welte, Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover, klar. Erstens werde es auch in Zukunft zu viele Nicht-Geimpfte geben, zweitens könne man als offenes Land in der Mitte Europas nicht verhindern, dass das Virus immer wieder auch über die Grenze kommt. „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben.“

Logistikkonzept wird wichtig sein

Damit das gelingt, braucht es wirksame Therapien. Doch bislang konzentrierte sich die finanzielle Förderung sehr stark auf die Entwicklung von Impfstoffen. Die Auswahl an Behandlungsoptionen ist daher derzeit noch „recht übersichtlich“, kommentierte Professor Dr. Christian Ell, Wiesbaden. Im Grunde gebe es fast nichts. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählen aus seiner Sicht die Antikörpertherapien. Von diesen hält auch Prof. Welte Einiges: „Die wirken früh, die werden wir möglicherweise in der Postexpositionsprophylaxe nutzen können.“ Allerdings besteht bislang keine Zulassung, lediglich die Universitätskliniken verfügen über ein gewisses Kontingent. Da die meisten der Substanzen intravenös gegeben werden müssen, wird es zudem notwendig sein, zusätzlich ein Logistikkonzept zu entwickeln, erklärte Prof. Welte.

Inhalative Steroide ruhig weiter anwenden

Auch zur Frage, welche Patienten von der Gabe profitieren, äußerte er sich: „Ich sehe die Zielgruppe für Antikörper ganz klar bei Risikopatienten direkt nach Diagnosestellung und ich sehe sie da, wo keine Virusclearance von sich aus stattfindet.“

Übrigens: Dass inhalative Steroide in der Prophylaxe oder Therapie ein game changer sein könnten, glaubt der Experte nicht. Wer sowieso auf die Substanzen angewiesen ist, kann sie getrost weiter anwenden, erklärte er. Eine schädliche Wirkung sei nicht zu erwarten. Bei leicht Erkrankten, bei denen keine Steroidindikation besteht, würde er inhalative Steroide nicht einsetzen. 

Quelle: 23. COVID-19 Update: News – Diagnostik/Therapie – Update Vakzinierung vom 09.06.2021, streamed-up.com

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