Bauernhof-Effekt entzaubert

Neun Bakterien senken Asthmarisiko bei Kindern

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
|
Aktualisiert am:
|Lesezeit: 2 Min
Ein großer Teil des „Bauernhof-Effekts“ lässt sich auf neun grampositive Bakterien zurückführen, die Forschende identifiziert haben.

Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, bekommen seltener Asthma, Heuschnupfen und Allergien. Nun wird klarer, warum: Offenbar sind es bestimmte Bakterien aus der Stallumgebung, die das Immunsystem vor überschießenden Entzündungsreaktionen schützen.

Forschende haben neun grampositive Umweltbakterien identifiziert, die einen großen Teil des sogenannten Bauernhof-Effekts erklären könnten. Für die Querschnittanalyse untersuchte das Team Matratzenstaub von 1.018 Schulkindern aus zwei deutschen Populationen der GABRIELA-Studie. Die Forschenden sequenzierten das bakterielle 16S-rRNA-Gen, analysierten Stoffwechselwege und bestimmten Metaboliten per Massenspektrometrie. Zusätzlich werteten sie Staubproben aus Kuhställen sowie Daten unabhängiger Populationen aus Frankreich und Finnland aus.

Die Ergebnisse ließen sich in unabhängigen Populationen replizieren

Ein zusammengesetzter Score der neun Bakterien erklärte in einer Mediationsanalyse etwa zwei Drittel des inversen Zusammenhangs zwischen Bauernhofexposition und Asthma – und etwa die Hälfte des Effekts auf Heuschnupfen und Neurodermitis. Der Effekt auf Asthma hing nicht von gramnegativen, ebenfalls mit Bauernhöfen assoziierten Bakterien ab. Die Ergebnisse ließen sich in den unabhängigen Populationen replizieren.

Metaboliten vermitteln den Schutzeffekt

Bioinformatische Analysen führten zu neun Stoffwechselwegen. Die zugehörigen Metaboliten – darunter Kynurenin, Xanthin, α-Linolensäure und Stearidonsäure – wiesen die Forschenden im Stallstaub nach. Sie binden an den Arylkohlenwasserstoffrezeptor beziehungsweise den Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor-γ. Varianten der entsprechenden Rezeptorgene veränderten den Zusammenhang zwischen Bakterien-Score und Asthma. Pilze und Bakteriophagen traten zwar gemeinsam mit den Bakterien auf, vermittelten den Schutz aber nicht.

Damit zeichnet sich eine biologische Kette von der Kuh über Stallbakterien und deren Stoffwechselprodukte bis zu menschlichen Rezeptoren ab. Die Befunde könnten helfen, den Bauernhof-Effekt eines Tages im Labor nachzuahmen – ohne dass Kinder dafür im Kuhstall spielen müssen.

1. Pagani J et al. NEJM Evid 2026; 5: EVIDoa2500271; doi: 10.1056/EVIDoa2500271

2. Pressemitteilung LMU Klinikum

Das könnte Sie auch interessieren