Akute Schulterbeschwerden ohne Bildgebung und Skalpell lindern
Schulterschmerzen sind das dritthäufigste muskuloskelettale Problem, mit dem Menschen in die Hausarztpraxis kommen. Wenn schwerwiegende Ursachen ausgeschlossen sind, lassen sich die Beschwerden meist durch supportive, konservative Therapie in den Griff bekommen. Eine routinemäßige Bildgebung ist davor nicht erforderlich.
Schulterschmerzen entstehen aus einer komplexen Interaktion zwischen entzündlichen und degenerativen Prozessen sowie biomechanischen und psychosozialen Faktoren. Früher häufig benutzte Bezeichnungen wie Tendinopathie, Riss der Rotatorenmanschette, Impingement-Syndrom oder subakromiale Bursitis sind fragwürdig, weil sie sich auf eine bestimmte strukturelle Ursache beziehen. Man sollte deshalb besser von subakromialen Schmerzen sprechen, schreiben Physiotherapeutin Romi Haas, School of Public Health and Preventive Medicine, Monash University, Melbourne, et al. Denn meist entstehen solche Schmerzen in der subakromialen Region.
Eingeschränkte passive Beweglichkeit spricht für glenohumeral bedingte Schmerzen
Seltener ist das glenohumerale Gelenk selbst die Schmerzquelle, z. B. bei Arthrose oder adhäsiver Kapsulitis (Frozen Shoulder). Beides lässt sich klinisch daran unterscheiden, dass bei subakromialen Schmerzen die aktive Bewegung, vor allem über Kopf, Probleme macht, die passive Beweglichkeit aber nicht eingeschränkt ist. Glenohumoral verursachte Schmerzen fallen dagegen durch Steifheit und eingeschränkte passive Gelenkbeweglichkeit auf.
Klinisch abzugrenzen sind ausstrahlende neuropathische oder somatische Schmerzen radikulären oder viszeralen Ursprungs. Ausgeschlossen werden müssen auch maligne, infektiöse oder traumatische Ursachen, die einer sofortigen Intervention bedürfen. Hinweise darauf geben Deformierungen, systemische Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust oder lokale Zeichen wie Schwellung, Rötung oder Gelenkinstabilität. Nur in solchen Fällen ist auch eine Bildgebung mittels Röntgen und bei Bedarf MRT erforderlich.
Ansonsten empfiehlt keine Leitlinie zur Abklärung von Schulterschmerzen eine routinemäßige Bildgebung. Denn selbst wenn sich eine strukturelle Veränderung findet, steht noch lange nicht fest, ob diese überhaupt verantwortlich für die Symptome ist. Auch beschwerdefreie Schultern können in der Bildgebung auffällig sein. Dennoch wird sie in der Praxis immer noch viel zu häufig veranlasst, bemängelt das Autorenteam.
Bewegungsabläufe werden im Vergleich zur Gegenseite geprüft
Klinisch geprüft werden sollten aktive Abduktion, Flexion sowie Innen- und Außenrotation im betroffenen Gelenk und im Vergleich zum kontralateralen gesunden Gelenk. Durch ergänzende isometrische Tests lassen sich Kraft und Funktion der Rotatorenmanschette genauer erfassen.
Ist die aktive Beweglichkeit eingeschränkt, sollte auch die passive untersucht werden. Vorhandene neurologische Symptome machen eine gezielte neurologische Untersuchung von Muskeltonus, Reflexen und Sensibilität erforderlich.
Konservative Basismaßnahmen sind Aufklärung, Übungen und Analgetika
Unabhängig von der genauen Ursache können Schulterschmerzen meist auf die gleiche Weise behandelt werden. Zunächst müssen Betroffene über die günstige Prognose ihres Problems und darüber, wie sie die Schmerzen selbst lindern können, aufgeklärt werden.
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