Drogen als Lustverstärker

Chemsex: Zwischen Lust und Lebensgefahr

Aus der Fachliteratur
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Beim Chemsex kommen die unterschiedlichsten psychoaktiven Substanzen zum Einsatz. Der Mehrfachkonsum verschiedener Drogen ist besonders gefährlich.

Drogen wie Kokain, Crystal Meth oder Ecstasy können den Sex intensivieren, Hemmungen und Versagensängste abbauen sowie die sexuelle Performance steigern. Dieser sogenannte Chemsex ist per se nicht pathologisch, birgt jedoch gewisse Risiken.

Inhaltsverzeichnis

Insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), konsumieren ganz bestimmte Substanzen, um ihr sexuelles Erleben zu intensivieren, zu verlängern oder zu erleichtern. Dieser sogenannte Chemsex ist aber keineswegs auf die Gruppe der MSM beschränkt, schreiben Dr. Ahmed Zaher vom Bürgerhospital Frankfurt und seine Kolleginnen und Kollegen.

Bei der Verbreitung der Substanzen spielen digitale Medien eine wichtige Rolle. In manchen Dating-Apps wird der Konsum als gängige Praxis propagiert, wobei Emojis für die verschiedenen Substanzen benutzt werden. Ein Schneekristall etwa steht für Kokain, der Diamant symbolisiert Crystal Meth, ein Bonbon verweist auf Ecstasy.

Bei maßvollem Konsum sind negative gesundheitliche oder soziale Konsequenzen eher selten, so Dr. Zaher et al. Doch nicht jeder hält sich an die Sicherheitsregeln, die z. B. innerhalb der MSM-Gruppen propagiert werden. Dazu gehören Dosierungsgrenzen, das Vermeiden von Mischkonsum, zeitlich begrenzte Sessions und der Gebrauch ausschließlich in einer vertrauensvollen Umgebung. Zudem sind einige Substanzen schlichtweg gefährlicher als andere.

Flüchtiges High mit tödlichem Risiko

Bei den sogenannten Poppers handelt es sich um Alkylnitrite. Diese flüchtigen Flüssigkeiten werden inhaliert („gesnifft“) und wirken innerhalb von Sekunden, beschreibt das Autorenteam. Der Effekt hält nur eine bis zwei Minuten lang an. Es kommt zu Blutdruckabfall mit Wärmegefühl, Flush, Schwindel und Entspannung der glatten Muskulatur, insbesondere der Anal- und Vaginalmuskulatur. Beliebt sind Poppers insbesondere bei MSM, die Analsex praktizieren.

Wird der Inhalt der kleinen Fläschchen versehentlich geschluckt statt inhaliert, kann dies tödlich enden. Kritisch ist auch die gleichzeitige Einnahme von PDE5-Hemmern wie Sildenafil, weil dann der Blutdruck massiv abfallen kann. Bei exzessivem Konsum drohen Schleimhautreizungen, Sehstörungen und periorale Ekzeme. Poppers dürfen nicht als Arzneimittel verkauft werden, sind aber legal als Raumduft oder Reinigungsmittel erhältlich.

Sogar bei liberalen Clubs auf dem Index

Gamma-Hydroxybutyrat (GHB) und Gamma-Butyrolacton (GBL) werden auch als „G“ oder Liquid Ecstasy bezeichnet. Es besteht aber keine Verwandtschaft zum Ecstasy-Wirkstoff MDMA*.

GHB und GBL wirken enthemmend und euphorisierend, die „therapeutische“ Breite ist aber gering: Schon kleinste Überdosierungen können zu Atemdepression und Koma führen, weshalb sogar die ansonsten liberale Berliner Clubcommission (Anmerk. der Red.: ein Netzwerk der Berliner Clubkultur) den Gebrauch in sämtlichen Clubs der Stadt untersagt.

GHB wird medizinisch zur Behandlung bei Narkolepsie eingesetzt und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, während die Vorläufersubstanz GBL legal als Industriereiniger vertrieben wird. Beides wirkt primär als GABA-Analoga dämpfend auf das ZNS. GHB wird oral eingenommen und wirkt nach 20 bis 40 Minuten; der Effekt hält bis zu vier Stunden an. Regelmäßiger Konsum kann zu psychischer und physischer Abhängigkeit mit Toleranzentwicklung führen.

Schnelle Euphorie und psychotische Episoden

Methamphetamin, auch Crystal Meth oder kurz Meth genannt, wird meist geraucht oder auch in Wasser aufgelöst i. v. injiziert („slamming“). Die letztgenannte Applikation wirkt schneller und intensiver, ist aber auch riskanter. Es drohen Abszesse, Nekrosen oder Infektionen mit HIV oder Hepatitis C bei unsauberen Nadeln.

Methamphetamin steigert subjektiv die Leistungsfähigkeit und euphorisiert. Die andere Seite der Medaille sind kardiovaskuläre Risiken, psychotische Episoden und Neurotoxizität. Die Substanz unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.

Halluzinationen, Desorientierung, sexuelle Gewalt

Als NMDA**-Rezeptorantagonist ruft Ketamin Halluzinationen und dissoziative Effekte hervor. Im Gegensatz zur i. v. Gabe in der Notfallmedizin wird es als Droge in Pulverform geschnupft oder in flüssiger Form geschluckt. Aufgrund von Desorientierung kann es nach dem Gebrauch zu Unfällen kommen oder auch zu körperlichen und sexuellen Übergriffen, weil die Konsumentinnen und Konsumenten oft wehrlos sind. Langfristig drohen Blasenstörungen und irreversible kognitive Einschränkungen.

Kokain wird entweder als wasserlösliches Pulver meist intranasal konsumiert oder als kristallines Crack geraucht. Es wirkt nach fünf bis zehn Minuten bzw. innerhalb weniger Sekunden und führt zu Euphorie, gesteigerter Erregbarkeit und erhöhter Aktivität. Allerdings beschreiben manche Nutzerinnen und Nutzer auch gegenteilige Effekte bei chronischem Konsum. Das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzinsuffizienz erhöht sich. Außerdem sind psychotische Symptome bei chronischer Einnahme möglich. Kokain unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.

Sorgt für Lust und Last fürs Herz

Das heute in Tablettenform gehandelte Ecstasy enthält meist Mischungen aus MDMA und D-Amphetaminen („Speed“). Es euphorisiert und ruft ein Gefühl emotionaler Verbundenheit hervor. Gleichzeitig erhöht es die Körpertemperatur, was zu Hyperthermie oder Dehydratation führen kann. Es wird oral eingenommen und wirkt nach 30 bis 60 Minuten. Pures MDMA wird gelegentlich geschnupft.

Gefahren drohen aufgrund der Effekte auf das Kreislaufsystem und durch Übergriffe auf die nach Wirkeintritt meist wehrlosen Konsumentinnen und Konsumenten. MDMA unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.

Chemsex kann erhebliche Gefahren bergen, beschreibt das Autorenteam: von sexuell übertragbaren Infektionen durch riskantes Sexualverhalten oder den Gebrauch unsauberer Nadeln über psychische Erkrankungen und Substanzabhängigkeit bis hin zu lebensbedrohlichen Intoxikationen. Insbesondere der Mehrfachkonsum und die Kombination mit Medikamenten erfordern die ärztliche Aufmerksamkeit und Aufklärung.

* Methylendioxymethylamphetamin
** N-Methyl-D-Aspartat

Zaher A et al. Hessisches Ärzteblatt 2026; 87: 414-422

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert ist approbierte Ärztin mit Berufserfahrung im Medizinbereich (Kinderklinik und Praxen niedergelassener Pädiater und Allgemeinärztinnen/Allgemeinärzte). Seit 2024 als freie Autorin tätig.

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