Das kardiorenal-metabolische Syndrom stadiengerecht behandeln
Adipositas, Diabetes und chronische Nierenerkrankung treten oft zusammen auf. Für die Betroffenen kann das fatale Folgen haben. Eine neue US-Leitlinie zeigt, wie sich gegensteuern lässt.
Drei Erkrankungen, ein Teufelskreis: Kommen Adipositas, Typ-2-Diabetes und chronische Nierenerkrankung (chronic kidney disease, CKD) zusammen, mündet das regelmäßig im kardiorenal-metabolischen Syndrom (KRMS). Wird nicht rechtzeitig und erfolgreich gegengesteuert, kommt es zwangsläufig zu schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit erhöhter Mortalität.
Unter Federführung von Dr. Chiadi Ndumele von der Johns Hopkins University in Baltimore haben ACC*, AHA** sowie weitere Fachgesellschaften eine umfassende klinische Praxisleitlinie zum Umgang mit diesem Krankheitsbild veröffentlicht. Das Regelwerk richtet sich an verschiedene Fachdisziplinen, darunter ausdrücklich auch Hausärztinnen und Hausärzte.
Vier Stadien, ein Kontinuum
Beim kardiorenal-metabolischen Syndrom (KRMS) werden vier Stadien unterschieden:
Stadium 1: Es liegen Übergewicht, Adipositas, dysfunktionales Fettgewebe oder Prädiabetes ohne weitere Risikofaktoren vor.
Stadium 2: Es kommen metabolische Risikofaktoren wie Hypertriglyzeridämie, Hypertonie, metabolisches Syndrom oder Typ-2-Diabetes hinzu, eventuell auch eine chronische Nierenerkrankung mit moderatem bis hohem Risiko.
Stadium 3: Kennzeichen dieses Stadiums sind eine subklinische atherosklerotische CVD oder Herzinsuffizienz bei Personen mit Adipositas, metabolischen Risikofaktoren oder CKD, ein Zehn-Jahres-CVD-Risiko von 20 % oder mehr gemäß dem PREVENT-Risikorechner oder ein sehr hohes CKD-Risiko bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren für KRMS.
Stadium 4: Dieses Stadium ist durch klinisch manifeste kardiovaskuläre Erkrankungen wie koronare Herzerkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder Vorhofflimmern und Vorliegen weiterer KRMS-Risikofaktoren charakterisiert.
Die Leitlinie empfiehlt, bei allen Erwachsenen routinemäßig metabolische Risikofaktoren zu erfassen und regelmäßig die Nierenfunktion zu bestimmen. Zur Untersuchung gehören die Ermittlung von BMI und Taillenumfang (mindestens jährlich), das Erfassen von Blutfett- und Blutglukosespiegeln sowie der eGFR (je nach Stadium alle ein bis fünf Jahre), ab Stadium 2 zusätzlich der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR; mindestens einmal jährlich).
Lebensstiländerung zuerst, Medikamente bei Bedarf
Zur Risikoquantifizierung dient der PREVENT***-Risikorechner, mit dem sich das Zehn- und das Dreißig-Jahres-Risiko für atherosklerotische CVD, Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Gesamtereignisse berechnen lässt. Auch soziale Determinanten der Gesundheit sollen routinemäßig mit validierten Screening-Instrumenten erfasst werden, da sie das KRMS-Risiko maßgeblich beeinflussen.
Da das kardiorenal-metabolische Syndrom typischerweise mit Übergewicht beginnt, steht bereits im Stadium 1 die konsequente Lebensstiländerung im Vordergrund. Wird damit keine ausreichende Gewichtsreduktion erzielt, können Adipositasmedikamente oder eine metabolisch-bariatrische Operation erwogen werden.
Bei CKD hat der Nierenschutz Priorität
Bei Typ-2-Diabetes mit bestehender CVD oder erhöhtem CVD-Risiko empfiehlt die Leitlinie – ergänzend zu Lebensstilmaßnahmen und Gewichtsmanagement – den leitliniengerechten Einsatz kardioprotektiver Antidiabetika: GLP1-basierte Therapien, SGLT2-Inhibitoren oder beides. Die Substanzwahl richtet sich nach den Begleiterkrankungen.
Bei CKD in Kombination mit Typ-2-Diabetes oder Albuminurie gelten RAS-Inhibitoren und SGLT2-Inhibitoren als Erstlinientherapie. Besteht die Albuminurie trotz dieser Therapie fort, soll ein nichtsteroidaler Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist oder eine GLP1-basierte Therapie ergänzt werden. Unabhängig vom KRMS-Stadium sind Blutdruck und Blutfette nach den Leitlinien der jeweiligen Fachgesellschaften zu managen.
Interdisziplinäre Koordination als Schlüssel zum Erfolg
Angesichts der Komplexität des KRMS empfiehlt die Leitlinie, für Patientinnen und Patienten in den Stadien 2 bis 4, die mindestens zwei der Erkrankungen Diabetes, CKD und CVD aufweisen, interdisziplinäre Behandlungsteams mit einer benannten Koordinationsperson zusammenzustellen. Diese soll die Umsetzung der leitliniengerechten Therapien sicherstellen sowie die Medikation und die Kommunikation zwischen den beteiligten Fachdisziplinen koordinieren.
* American College of Cardiology
** American Heart Association
*** Predicting Risk of Cardiovascular Disease Events
Ndumele CE et al. Circulation 2026; doi: 10.1161/CIR.0000000000001453