Diagnostik bei Verdacht auf Coxarthrose

Die Coxarthrose ist keine radiologische Diagnose

Aus der Fachliteratur
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Radiologisch sind deutliche Coxarthrosezeichen sichtbar, doch ohne passende Klinik wird die Diagnose nicht gestellt.

Klare Arthrosezeichen im Röntgenbild ohne passende klinische Symptome genügen nicht, um eine Coxarthrose zu konstatieren. Umgekehrt kann bereits ein schwerer Verschleiß mit entsprechenden Beschwerden vorliegen, wenn sich radiologisch (noch) nichts davon erkennen lässt. Für die Diagnose ist daher der klinische Blick unverzichtbar.

Die meisten Coxarthrosen sind primärer Natur und entwickeln sich z. B. idiopathisch oder aufgrund von Knorpelschäden durch repetitiven mechanischen Stress. Sekundäre Hüftgelenkarthrosen infolge einer Dysplasie, eines Traumas, einer Osteonekrose oder Synovialitis kommen dagegen relativ selten vor, schreiben Dr. Amir Human Hoveidaei vom Sinai Hospital of Baltimore und sein Team. 

Zu den klinischen Zeichen der Erkrankung gehören meist unilaterale Schmerzen in der Hüfte oder Leistengegend, die sich bei Belastung, z. B. beim Treppensteigen, verschlimmern. Man sollte Betroffene fragen, wo sie die Schmerzen lokalisieren. Hochspezifisch, aber wenig sensitiv für die Coxarthrose, sind medialseitige Oberschenkelschmerzen.

Eine hohe Sensitivität für den Verschleiß im Hüftgelenk haben dagegen Schmerzen, die durch Gehen induziert werden und im Sitzen nachlassen. Ihre Abwesenheit macht eine Coxarthrose relativ unwahrscheinlich. Als typisch gilt auch eine langsame Zunahme der Beschwerden über Monate bis Jahre, anders als z. B. bei infektiösen Arthritiden mit einem ziemlich plötzlichen Schmerzbeginn. 

Ein weiteres zentrales klinisches Zeichen ist die verminderte Beweglichkeit des Hüftgelenks. Einschränkungen bestehen vor allem bei Adduktion, Innenrotation und Extension, kaum dagegen bei Flexion. Manchmal berichten Betroffene auch über eine weniger als 60 Minuten dauernde Steifigkeit am Morgen oder nach längerer Inaktivität. 

Anamnese und Untersuchung erfassen Hüftarthrosebeschwerden so gut wie spezielle Scores

Persistierende moderate bis schwere Schmerzen, die Unfähigkeit, längere Strecken zu gehen oder Treppen zu steigen, und der Verlust von Unabhängigkeit, weil z. B. beim Aufstehen aus einem Stuhl oder Ankleiden Hilfe benötigt wird, können die Lebensqualität empfindlich einschränken. Um Schmerzen, Steifigkeit, funktionelle Einschränkungen und die Lebensqualität zu erfassen, gibt es verschiedene standardisierte Scores. Aber in der Praxis kommt man nach Ansicht des Autorenteams wahrscheinlich mit der subjektiven Einschätzung der Betroffenen und der klinischen Untersuchung mindestens ebenso gut zurecht. 

Im Prinzip kann die Coxarthrose bei Menschen über 45 Jahren ohne Röntgenbild diagnostiziert werden, wenn die klinischen Kriterien zutreffen. Die Radiologie sollte man jedoch hinzuziehen bei atypischen Symptomen, die eventuell auf alternative Ursachen hinweisen. Dazu gehören:

  • länger anhaltende Morgensteifigkeit

  • rasche Progression

  • sichtbare Deformitäten

  • kürzlich erlittenes Trauma

  • Zeichen für eine Infektion oder Malignität

Für die Arthrose sprechen im Röntgenbild eine Verengung des Gelenkspalts und die Bildung von Osteophyten.

Konservative Maßnahmen sind bei Coxarthrose die erste Wahl

Schmerzen lindern, die Gelenkfunktion verbessern und die Progression bremsen sind die wichtigsten Therapieziele. Im frühen Stadium lässt sich vieles davon mit konservativen Maßnahmen erreichen. Betroffene sollten zu wenig belastenden aeroben Aktivitäten im Rahmen ihrer Schmerztoleranz ermutigt werden, z. B. Gehen, Radfahren oder Schwimmen über mindestens 45 Minuten pro Woche, das ideale Ziel wären 150 Minuten pro Woche. Ein ergänzendes kräftigendes Training der Hüftmuskulatur ist ratsam.

Die Patientinnen und Patienten müssen allerdings wissen, dass die Schmerzen zu Beginn der Aktivität vorübergehend zunehmen können. Intensive Belastungen wie Treppensteigen, lange Wanderungen oder längeres Stehen gilt es zu vermeiden.

Bei Übergewicht sollte man das Thema Gewichtsreduktion ansprechen, wenn die Betroffenen damit einverstanden sind. Jedes Kilo weniger nützt dem beschädigten Gelenk, aber es bringt für Schmerzen und Funktion mehr, wenn das Gewicht um 10 % statt nur um 5 % sinkt. Eine stark eingeschränkte Gehfähigkeit, Gelenkinstabilität oder starke Schmerzen können eine Gehhilfe sinnvoll machen. Für die richtige Auswahl empfiehlt es sich, einen Orthopädietechniker hinzuzuziehen. 

. Nach spätestens drei Monaten sollte die Notwendigkeit überprüft werden. Am effektivsten scheinen Diclofenac und Etoricoxib zu sein, topische NSAR dringen nicht ausreichend tief ein. Wenn orale NSAR kontraindiziert sind, nicht wirken oder nicht toleriert werden, kommt ein Versuch mit Paracetamol infrage, das den NSAR jedoch in der Wirksamkeit unterlegen ist. Auch schwache Opioide können als Alternative erwogen werden. Weder Chondroprotektiva (Glucosamin, Chondroitin) noch Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin D haben einen Effekt und werden deshalb nicht empfohlen. 

Wenn die genannten Maßnahmen nicht erfolgreich genug sind, sollte man Betroffene in die Orthopädiepraxis überweisen. Vielleicht lässt sich dort mit intraartikulären Steroidinjektionen noch etwas erreichen. Ansonsten muss ein Gelenkersatz geplant werden.

Hoveidaei AH et al. BMJ 2026; 394: e258168; doi: 10.1136/bmj-2026-258168

Dr. Angelika Bischoff

Freie Autorin
Dr. Angelika Bischoff ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

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