Für Prävention ist es nie zu früh – und nie zu spät
Ein erheblicher Teil des Risikos, bestimmte neurologische Erkrankungen zu entwickeln, lässt sich beeinflussen. Das gilt z. B. für Schlaganfall, Demenz und Parkinson. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie fordert, Prävention endlich den Stellenwert einzuräumen, den die Datenlage verlangt.
Jeder zweite Mensch ist von einer neurologischen Krankheit betroffen. Viele dieser Krankheiten sind mit großem persönlichem Leid verbunden, und entsprechend groß ist die Angst davor. Zugleich verursachen neurologische Erkrankungen in Deutschland die höchsten Krankheitskosten: 64,86 Mrd. Euro pro Jahr.
Umso mehr überrascht es, dass Deutschland im aktuellen Public Health Index unter 18 untersuchten Staaten in Nord- und Zentraleuropa nur Rang 17 belegt. Dabei zeigt die Studienlage längst, dass sich viele neurologische Erkrankungen beeinflussen lassen. Prävention lässt sich dabei in drei Stufen denken. Die Primärprävention soll das Erkrankungsrisiko durch einen gesunden Lebensstil senken. „Das Potenzial der Primärprävention ist unsagbar groß“, betonte Prof. Dr. Daniela Berg, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Die Sekundärprävention erkennt Erkrankungen frühzeitig und behandelt sie rechtzeitig, um ein Fortschreiten zu verhindern. Die Tertiärprävention begrenzt Folgen und Komplikationen, erhält Funktionen und verbessert die Lebensqualität. Ob man gesund leben kann, hängt zudem von Bildung, Ernährung, Bewegungsmöglichkeiten und dem Zugang zur Gesundheitsversorgung ab. Prävention sei damit auch eine gesellschafts- und wirtschaftspolitische Aufgabe.
Schlaganfall: Der Großteil des Risikos ist beeinflussbar
Kaum eine neurologische Erkrankung bietet so gut belegte Präventionsmöglichkeiten wie der Schlaganfall. In der internationalen INTERSTROKE-Studie mit rund 27.000 Teilnehmenden aus 32 Ländern waren zehn beeinflussbare Risikofaktoren mit etwa 90 % des bevölkerungsbezogenen Schlaganfallrisikos assoziiert. Nach einem ersten Schlaganfall spielt die Sekundärprävention eine entscheidende Rolle. Laut einer deutschen Krankenkassendatenanalyse erleiden 7,4 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres einen weiteren Schlaganfall, innerhalb von fünf Jahren sind es 19,4 %. Bei Vorhofflimmern senkt eine orale Antikoagulation das Risiko deutlich: In einer randomisierten Studie von 1993 sank die jährliche Schlaganfallrate von 12 % auf 4 %, eine relative Risikoreduktion um 66 %.
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