Notfallvorsorge im Alltag

Drei Patientenangebote, die auf den Ernstfall vorbereiten

Bericht
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Für den Notfall gerüstet: Hausnotruf, digitales Notfallregister und Notfalldose sichern Patientinnen und Patienten im Ernstfall besser ab.

Wenn im Ernstfall jede Minute zählt, können Einsatzkräfte nur dann schnell helfen, wenn sie rasch alarmiert werden und die gesundheitlichen Einschränkungen der Betroffenen kennen. Der Hausnotruf, das digitale Notfallregister und die Notfalldose sind dafür eine gute Unterstützung. Bei der Verbreitung der Angebote können Praxen eine wichtige Rolle spielen.

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Eine bettlägerige Seniorin im 15. Stock eines Hochhauses, ein Mann mit Heimbeatmung oder eine blinde Patientin, die allein lebt – von derartigen Begleitumständen wissen Einsatzkräfte in der Regel nichts, wenn sie zu einem Notfall anrücken müssen. Damit bereits vorher klar ist, welche Personen am Einsatzort auf besondere Unterstützung angewiesen sind, gibt es das Notfallregister. In diesem können sich sowohl Einzelpersonen mit gesundheitlichen Einschränkungen als auch Einrichtungen wie Pflegeheime oder Dialysezentren kostenlos registrieren (unter notfallregister.eu) und Patientendaten sowie Notfallkontakte hinterlegen.

Notfallregister informiert Rettungskräfte

Im Ernstfall rufen registrierte und verifizierte Leitstellen, beispielsweise der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes, die Daten adressbezogen ab. Einsatzkräfte wissen so bereits frühzeitig: Handelt es sich um eine Einzelperson mit Perfusor oder um eine Demenz-Wohngruppe mit Weglauftendenzen? Hat eine Pflegeeinrichtung ein Notstromaggregat – und wie lässt sich der Träger auch um zwei Uhr nachts erreichen?

Hinter dem Register steht der Verein Notfallregister e. V., der von Haupt- und Ehrenamtlichen aus Katastrophenschutz, Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Verwaltung im Oktober 2022 gegründet wurde. Während der damaligen Energiemangellage wurde deutlich, dass kein Register existierte, das Menschen in häuslicher Pflege systematisch erfasste, erklärt ­Philipp ­Cachée aus dem Vereinsvorstand.

Im Patientengespräch über das Register aufklären

Ein solches Notfallregister kann seinen Zweck allerdings nur erfüllen, wenn vulnerable Patientinnen und Patienten dort auch tatsächlich erfasst sind. Für Cachée ist daher vor allem eines wichtig: Aufklärung. Und dabei können ihm zufolge Hausärztinnen und Hausärzte eine entscheidende Rolle spielen. Auch wenn der Zeitdruck im Versorgungsalltag groß sei, lautet sein Appell, im Patientengespräch über das Register aufzuklären. Nicht jeder Mensch sei dabei gleichermaßen informationsbedürftig. Doch gerade Personen, die unmittelbar von medizinischen Geräten abhängen, sollte man aktiv auf das Register hinweisen und wenn nötig auch bei der Registrierung unterstützen, betont er.

Die Registrierung dauert nur zehn Minuten und muss nicht zwingend von den Betroffenen selbst vorgenommen werden. Auch Dritte wie Angehörige, die häusliche Pflegekraft oder das Praxispersonal können diese durchführen, sollten die Patientinnen und Patienten dazu nicht in der Lage sein.

Wichtig dabei: „Eine Registrierung im System löst keine Sonderbehandlung aus. Es erhält niemand ein personenbezogenes Stromaggregat, und niemand wird bevorzugt behandelt“, hebt Cachée hervor. Das Register biete eine Informationsbasis für Rettungskräfte – wie der Einsatz abgearbeitet werde, entscheide die Einsatzleitung individuell.

Die Daten werden zudem ausschließlich adressbezogen abgefragt – eine namentliche Suche nach einzelnen Personen ist bewusst nicht möglich, um Missbrauch zu verhindern. Der Zugang zum Abfragesystem ist mit einer Zweifaktorauthentifizierung nach Bankenstandard gesichert.

In den Ballungszentren ist noch Luft nach oben

Seit dem Start sind Registrierungen aus allen 16 deutschen Bundesländern sowie aus sieben österreichischen eingegangen. Hierzulande sind über 250 Einrichtungen mit insgesamt mehr als 12.130 Plätzen eingetragen, dazu kommen knapp 2.900 Einzelpersonen. Im Frühjahr 2026 zählte das System zudem fast 200 Abfragestellen. Die meisten Registrierungen verzeichnen Niedersachsen, Bayern, Berlin und Schleswig-Holstein. Nachholbedarf sieht Cachée vor allem in den Ballungszentren.

Obwohl das Bundesinnenministerium die Nutzung des Registers durch die Kommunen bereits im November 2024 empfohlen hat, finanziert es sich bislang ausschließlich aus Privatmitteln und Spenden. Eine übergeordnete Finanzierungsverantwortung lasse sich schwer verorten. Da der Katastrophenschutz Ländersache ist, fühle sich keine Stelle zuständig, kritisiert Cachée. Der Verein würde das System nach eigenen Angaben kostenfrei an die öffentliche Hand übergeben.

Über das Register hinaus hat ­Cachée noch weitere konkrete Empfehlungen für den Praxisalltag, um Patientinnen und Patienten für den Notfall besser vorzubereiten: So plädiert er dafür, vulnerablen Gruppen eine Medikamentenreserve zu verordnen. Damit sind Patientinnen und Patienten auch dann versorgt, wenn Apotheken geschlossen haben, das E-Rezept-System ausfällt oder die Praxis nicht erreichbar ist. Bei Personen mit Heimbeatmung rät er zudem, ein Rezept für eine zusätzliche Notfallsauerstoffflasche auszustellen. Allerdings zahlen Krankenkassen in vielen Fällen nur einen Akku, merkt er einschränkend an.

Zwischen Marmelade und sauren Gurken

Einen Impfpass, einen Notfallausweis, einen aktuellen Medikamentenplan – viele Menschen haben diese Unterlagen zu Hause. Doch wo genau? Im Ernstfall bleibt Rettungskräften kaum Zeit zu suchen. Und Betroffene vergessen in der Aufregung womöglich wichtige Angaben zum Gesundheitszustand oder sind gar nicht mehr in der Lage, Auskunft zu geben.Es kann sich daher lohnen, Patientinnen und Patienten die Notfalldose zu empfehlen (s. Abbildung): einen kleinen weiß-grünen Behälter, der in der Kühlschranktür deponiert wird und einen Notfallbogen mit allen wichtigen Gesundheitsinformationen enthält. Ein Aufkleber an der Wohnungstür signalisiert Rettungskräften, dass sich die Dose im Kühlschrank finden lässt. Erhältlich ist sie in Apotheken oder online über notfalldose.de.

Mehr Sicherheit im Alltag für gesundheitlich Eingeschränkte

Ergänzend zum Register lassen sich noch weitere niedrigschwellige Instrumente empfehlen, die vulnerable Gruppen im Notfall absichern: Mit der Notfalldose in der Kühlschranktür (s. oberer Kasten) kann man alle relevanten Gesundheitsinformationen leicht auffindbar für Rettungskräfte hinterlegen. Und der Hausnotrufknopf ermöglicht Menschen, die trotz gesundheitlicher Einschränkungen eigenständig leben wollen, mehr Sicherheit im Alltag (s. unterer Kasten).

Hilfe auf Knopfdruck

Der Hausnotruf ist ein seit Jahrzehnten etabliertes und bei vielen bereits bekanntes System. Für Patientinnen und Patienten mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Sturzgefahr, die eigenständig zu Hause leben, kann der Notfallknopf eine sinnvolle Empfehlung sein. Das Gerät wird als Armband oder Halskette getragen. Im Notfall genügt ein Knopfdruck: Ein Alarm wird automatisch ausgelöst und ein Sprechkontakt mit einer professionellen Notrufzentrale hergestellt, z. B. bei den Johannitern oder den Maltesern. Neben der klassischen Hausnotrufstation mit Handsender für zu Hause gibt es zunehmend auch Mobilgeräte mit GPS-Ortung und Freisprechanlage, die Patientinnen und Patienten auch bei Ausflügen absichern. Ab Pflegegrad 1 übernimmt die Pflegekasse die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen.

Foto von Nina Arndt

Nina Arndt

Redakteurin Medical Tribune
Nina Arndt ist seit Oktober 2023 für die Medical Tribune tätig. Zunächst als Volontärin, mittlerweile als Redakteurin arbeitet sie im Bereich Print, Online und Social Media. Sie studierte Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin.