Alkoholscreeing in der Hausarztpraxis

Praxiscoaching verbessert Prävention bei Alkoholproblemen deutlich

Aus der Fachliteratur
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Nur wenige Hausärztinnen und Hausärzte sprechen ihre Patientinnen und Patienten gezielt auf deren Alkoholkonsum an.

Eine US-Studie zeigt: Mit gezielter Unterstützung gelingt Hausärztinnen und Hausärzten das Screening auf riskanten Alkoholkonsum deutlich häufiger – und die Kurzberatung wird zur gelebten Routine.

Nur wenige Hausärztinnen und Hausärzte sprechen ihre Patientinnen und Patienten gezielt auf deren Alkoholkonsum an. Dabei könnte insbesondere der Primärversorgung bei der Prävention alkoholbedingter Schäden eine Schlüsselrolle zukommen, schreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. ­Daniel ­Jonas von der Ohio State University.

Als größte Hindernisse für eine bessere Versorgung identifizierte die Autorengruppe fehlende formale Vorgaben für das Screening auf riskanten Alkoholkonsum und für Interventionen. Auch eine mangelnde Beratungskompetenz machten sie als Ursache aus.

In ihrer Studie „Stop Unhealthy Alcohol Use Now“ testeten Dr. ­Jonas und Team eine spezielle Praxismoderation: Über zwölf Monate hinweg erhielten 21 Hausarztpraxen mit insgesamt mehr als 54.000 Patientinnen und Patienten eine gezielte Beratung zum Qualitätsmanagement, Unterstützung bei der elektronischen Dokumentation sowie Schulungen zu Screening und einer manualisierten Kurzberatung bei schädlichem Alkoholgebrauch.

Screeningrate war von 17 % auf 58 % gestiegen

Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung der durchschnittlichen Screeningrate für Alkoholkonsum von Studienbeginn bis nach sechs Monaten erhoben. Diese war signifikant von rund 17 % auf 58 % gestiegen. Dabei fiel in 14 % der Fälle das Screening-Ergebnis positiv aus. Ein Drittel dieser Risikopersonen erhielt anschließend eine dokumentierte Kurzberatung – Zeitdruck und organisatorische Probleme verhinderten dem Autorenteam zufolge eine höhere Quote.

Die Verbesserungen in der Versorgung blieben über den gesamten Zeitraum von zwölf Monaten stabil. Allerdings zeigten sich bei der Umsetzung der Maßnahmen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Praxen.

Jonas DE et al. JAMA Netw Open 2026;9: e2553518; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.53518