Wenn alte Nasen tropfen

Rhinitis verläuft bei Senioren oft anders

Aus der Fachliteratur
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Bei Älteren kann es schwierig sein, einen einfachen Schnupfen von einer allergischen Rhinitis zu unterscheiden.

Eine allergische Rhinitis wird bei älteren Menschen oft spät oder gar nicht erkannt. Denn häufig bestehen gleichzeitig alters- oder medikamentenbedingte Veränderungen der Nase. Dadurch wandelt sich die Symptomatik.

Der natürliche Alterungsprozess betrifft auch Anatomie und Physiologie der Nase. Trockene Schleimhäute, ein Gefühl der verstopften Nase oder eine Rhinorrhö können die Folge sein, schreiben Prof. Dr. Jean Bousquet, Institut für Allergieforschung, Charité – Universitätsmedizin, Berlin, und seine Arbeitsgruppe. Mögliche Ursachen sind:

  • eine Atrophie des Nasenepithels und der Becherzellen

  • herabgesetzte mukoziliäre Clearance

  • erhöhte parasympathische Aktivität mit Rhinorrhö

  • Veränderungen des Knorpels mit Verengung der Nasenhöhlen

  • Immunseneszenz (geringere Antikörperproduktion)

Was unterscheidet allergische von nichtallergischen Formen?

Davon abzugrenzen ist die allergische Rhinitis (AR), die sich durch Niesen, juckende Nase, Verstopfungsgefühl und Rhinorrhoe auszeichnet. Oft ist die AR schon länger bekannt, kann aber auch erstmals im Alter über 60 Jahren in Erscheinung treten. Bei manchen dieser älteren Patientinnen und Patienten zeigen sich im nasalen Provokationstest typische Symptome, ohne dass sich in Prick- oder Serumtests spezifisches IgE nachweisen lässt. Während bei jüngeren Personen mit AR Niesen und Jucken im Vordergrund stehen, dominieren bei Älteren nasale Obstruktion, Hyposmie, isolierte Rhinorrhö, Räusperzwang oder chronischer Husten sowie atypische Symptome (Photophobie, brennende oder trockene Augen).

Eine allergische Rhinitis sowie Symptome durch Altersveränderungen können gleichzeitig auftreten, was die Diagnose erschwert. Außerdem gibt es noch den Komplex der sogenannten nonallergischen Rhinitis (NAR) mit einer symptomatischen Entzündung der Nasenschleimhaut ohne Infektion und ohne IgE-Nachweis. Dazu gehören:

  • die vasomotorische Rhinitis (ausgelöst z. B. durch kalte Luft, intensive Düfte oder Rauch)

  • die senile Rhinitis durch Mukosaschäden

  • die Rhinitis sicca

  • die medikamenteninduzierte Rhinitis (z. B. durch NSAR, Betablocker und ACE-Hemmer, Phosphodiesterasehemmer oder Übergebrauch von abschwellenden Nasentropfen)

Bei älteren Menschen mit nasalen Symptomen sollte man im Rahmen der Diagnostik zunächst nach Warnzeichen suchen. Dazu gehören einseitige Symptome, Nasenbluten, Gesichtsschmerzen und persistierende Obstruktion. In diesen Fällen gehört der Patient oder die Patientin in fachärztliche Behandlung. Durch gezielte Fragen lässt sich schon mithilfe der Anamnese klären, ob eher eine AR oder eine NAR vorliegt (vgl. Tabelle). Falls erforderlich, sollte eine fachärztliche rhinologische Untersuchung stattfinden. Es folgen Allergietests.

Wie lässt sich Rhinitis bei Senioren sicher behandeln?

Will man eine AR bei Älteren behandeln, sollte man mögliche Nebenwirkungen bedenken. Orale Antihistaminika der ersten Generation sind weniger gut geeignet wegen ihres sedierenden Effekts, der die Sturzgefahr erhöht. Insbesondere bei Glaukom oder Prostatahyperplasie sollte man diese Substanzen meiden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Anticholinergika drohen zudem Verwirrtheitszustände. Intranasale Kortikosteroide sind generell sicher und effektiv, sollten aber in der niedrigstmöglichen Dosis angewandt werden, weil sie zu Nasenbluten, Verkrustungen und trockenen Schleimhäuten führen können. Zu empfehlen ist die gleichzeitige Gabe von Kochsalz. Selbstmedikation spielt eine große Rolle im Alter. Damit es durch OTC-Medikamente nicht zu Verwirrungen und fehlerhafter Einnahme der verordneten Pharmaka kommt, gilt für die Rhinitis: Die einfachste Strategie ist die beste.

Typische Merkmale allergischer und nichtallergischer Rhinitis

Kriterium

Allergische Rhinitis

Nicht-allergische Rhinitis

Beginn

oft schon in jungen Jahren

häufiger bei (älteren) Erwachsenen

Niesen

häufig (bei Älteren manchmal reduziert)

weniger häufig

Nasenjucken

typisch (bei Älteren manchmal nur mild)

selten

Rhinorrhö

klar, wässrig

oft wässrig, manchmal dickflüssiger; oft das einzige Symptom im Alter

nasale Obstruktion

vorhanden

oft das Hauptsymptom

Augensymptome

häufig

selten

Asthma

oft vorhanden

selten

nasale Mukosa

blass, bläulich, ödematös

normal oder ödematös

getriggert durch Medikamente

selten

häufiger

Ansprechen auf orale Antihistaminika

gut

begrenzt

Ansprechen auf intranasale Steroide

gut

unterschiedlich, selten hilfreich

Die Autorinnen und Autoren machen sich stark für den Einsatz von künstlicher Intelligenz, um eine maßgeschneiderte Behandlung zu erzielen. Eine Smartphone-App (MASK-air) wurde in einer Pilotstudie gut akzeptiert und konnte bei älteren Patientinnen und Patienten erfolgreich eingesetzt werden, sogar bei bis zu 85-Jährigen. In Italien und Portugal gibt es inzwischen digitale Schulungen für ältere Menschen mit Rhinitis und Asthma, in denen der Umgang mit digitalen Medien trainiert wird.

Bousquet J et al. J Allergy Clin Immunol Pract 2026; doi: 10.1016/j.jaip.2026.06.009

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert ist approbierte Ärztin mit Berufserfahrung im Medizinbereich (Kinderklinik und Praxen niedergelassener Pädiater und Allgemeinärztinnen/Allgemeinärzte). Seit 2024 als freie Autorin tätig.

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