Die Zoonose lauerte auf dem Speicher

Tularämie nach Fledermauskontakt täuschte Lungenkrebs vor

Aus der Fachliteratur
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Stand: 
|Lesezeit: 3 Min
Eine Tularämie kann man sich auch auf dem Dachboden einfangen, z. B. wenn man im Rahmen von Renovierungsmaßnahmen mit (toten) Fledermäusen in Kontakt kommt.

Eine Raumforderung im Oberlappen, vergrößerte mediastinale Lymphknoten – die CT eines 63-Jährigen weckte unweigerlich den Verdacht auf ein Lungenkarzinom. Doch die entscheidende Spur führte auf einen Dachboden und zu einer überraschenden Diagnose.

Der Mann präsentierte sich mit hohem Fieber, Husten und Nachtschweiß, was zunächst an eine Infektion denken ließ, berichtet das Team um Dr. Lisa Larcher vom Stadtspital Zürich Triemli. Eine Antibiotika-Therapie mit Amoxicillin/Clavulansäure schlug jedoch nicht an, und die Thorax-CT machte die Sache komplizierter: Im rechten Oberlappen fand sich eine Raumforderung mit mediastinaler und hilärer Lymphknotenbeteiligung – radiologisch durchaus vereinbar mit einer pulmonalen Neoplasie.

Akuter Verlauf sprach gegen einen Tumor

Gegen einen Tumor sprach allerdings der ungewöhnlich akute Verlauf, schreibt die Arbeitsgruppe. Kurz zuvor hatte der Patient Renovierungsmaßnahmen in seinem Ferienhaus vorgenommen. Auf dem Dachboden sei er dabei mit mehreren toten Fledermäusen in Kontakt gekommen. Etwa zwei Tage später waren dann Fieber und produktiver Husten aufgetreten.

Damit rückte eine seltene Zoonose in den Fokus: die respiratorische Tularämie durch das Bakterium Francisella tularensis. Der Erreger kann unter anderem durch das Einatmen kontaminierten Staubs übertragen werden. Gerade bei Arbeiten in Gebäuden, in denen sich Wildtiere aufhalten, kann eine solche Exposition relevant sein. Die Erkrankung ist in Europa selten – jährlich gibt es rund 800 Fälle – sollte bei entsprechendem Kontakt aber berücksichtigt werden.

Doch damit war der Tumorverdacht noch nicht vom Tisch, weshalb der Mann zunächst weiter intensiv untersucht wurde. Bronchoskopie und EBUS-TBNA* wurden durchgeführt, um die mediastinalen Lymphknoten abzuklären, zusätzlich erfolgte thorakoskopisch die Biopsie eines Rundherds. Histologisch zeigte sich eine Entzündung, kein Hinweis auf Malignität.

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