Wie ein Hausarzt die ePA im Alltag erlebt
Dr. Peter Münster nutzt die ePA schon mehr als ein Jahr. Denn der Hausarzt aus Münster war von Beginn an als Tester dabei. Sein Credo im Podcast O-Ton Allgemeinmedizin lautet: Wenn überhaupt, ist unser Gesundheitswesen nur digital zu retten.
Die ePA-Funktion, die in Dr. Münsters Praxisalltag die stärkste Wirkung zeigt, ist die elektronische Medikationsliste. „Wir können jetzt sehen, wann ein Medikament verordnet wurde – und ob es überhaupt abgeholt wurde“, sagt er. Das hat in seiner Praxis bereits Konsequenzen gehabt. Ein Patient, der wegen anhaltender Bronchitis vorwurfsvoll in die Praxis zurückkam, hatte schlicht sein Antibiotikumrezept nie eingelöst. Ein Blick in die ePA beendete die Diskussion sofort. „Das Gespräch nahm einen gänzlich anderen Verlauf“, erinnert sich Dr. Münster.
Krankenhäuser brauchen einen längeren Anlauf
Besonders aktiv beim Einstellen von Dokumenten sind laut Dr. Münster gynäkologische und radiologische Einrichtungen. Auch Kolleginnen und Kollegen aus den Gebieten HNO und Urologie hätten den Prozess gut im Griff. Und die Hausärztinnen und Hausärzte selbst seien engagiert. Lücken klafften anderswo: „Was uns absolut noch fehlt, ist der Input durch die Krankenhäuser.“ Bis auf wenige Ausnahmen sei in seiner Umgebung kaum eine Klinik in der Lage, Befunde einzustellen – ein Zustand, den der Arzt moniert: „Der Patient darf nicht länger der Briefträger für den Entlassungsbrief sein.“
Die Versicherten verhalten sich bei der ePA zurückhaltend. Dr. Münster veranschlagt das Interesse bei seiner Klientel im „niedrigen einstelligen Prozentbereich“. Ausnahmen bilden chronisch Kranke – etwa Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen oder onkologischen Diagnosen. Sie achten darauf, dass ihre Befunde vollständig hinterlegt werden.
Dr. Münster wartet auf die von der Gematik angekündigte Volltextsuche. „Je voller die Akten werden, desto schwieriger wird es, das Richtige zu finden.“ Sein Praxisverwaltungssystem hilft ihm zwar, z. B. auf einen Blick neue Dateien von bereits geöffneten zu unterscheiden. Doch nicht immer sind die Benennungen (Metadaten) selbsterklärend.
Digitales BtM-Rezept bleibt auf der To-do-Liste
Ebenso dringend empfindet er die Einbindung von Betäubungsmittelrezepten in die ePA. BtM lassen sich bislang nicht per elektronischem Rezept verordnen, da noch keine revisions- und rechtsfeste Lösung existiert, um den papiergebundenen Vorgang digital zu ersetzen. „Gerade bei BtM ist es besonders kritisch, wenn man nicht weiß, was woanders verordnet wurde. Wir Ärzte werden mit Sanktionen belegt, wenn wir Fristen nicht einhalten – während die Behörden in ihrem eigenen Tempo weitermachen.“
Auch die Automatisierung des Labordaten-Uploads hält Dr. Münster für unerlässlich. Da Laborgemeinschaften keinen direkten ePA-Zugriff haben, muss die Praxis die Ergebnisse in die Akten einstellen. „Bei 50 Laborbefunden täglich und drei bis vier Klicks pro Dokument ist das ein einigermaßen großer Aufwand.“
Was kann der digitalaffine Hausarzt Kolleginnen und Kollegen raten? Zum Beispiel, sich bei der WhatsApp-Infogruppe der Gematik anzumelden. „Wenn mal was nicht läuft, muss man nicht erst den Fehler bei sich suchen und den Server neu starten. Oft liegt es an einer bundesweiten Störung oder an einem bestimmten Krankenkassen-Provider.“
Zufriedenheit mit der ePA hängt von der Arztsoftware ab
Die Zufriedenheit des Praxisteams mit der ePA hängt stark von der Unterstützung durch das Praxisverwaltungssystem ab, hat eine KBV-Umfrage ergeben. Dr. Münster weiß aus Erfahrung: Wer einen Hersteller hat, der neue Anwendungen mitentwickelt und Nutzerwünsche früh berücksichtigt, kommt leichter durch den Alltag. „Manche Systeme haben das gut umgesetzt, andere weniger gut – z. B. beim Signaturvorgang: Wenn ich 20 Sekunden warte, bis eine Signatur läuft, ist das nicht alltagstauglich.“
Trotz unvermeidlicher Kritik bleibt Dr. Münster überzeugter IT-Befürworter. „Dieses Gesundheitswesen können wir, wenn überhaupt, nur digital retten.“ Für die Zukunft wünscht er sich einen elektronischen Medikationsplan, der in Echtzeit von allen Beteiligten – Hausarztpraxis, Facharztpraxis, Pflegeheim, Apotheke – befüllt und abgerufen werden kann. Und eine elektronische Patientenkurzakte mit den wirklich relevanten Informationen: Dauerdiagnosen, Medikamentenallergien, Medikationsplan, Hinweise auf Patientenverfügung und Organspende. „Das wäre etwas, das die Apotheken interessiert und was die Notaufnahme als Erstes braucht.“
Sein Zwischenfazit nach gut einem Jahr ePA lautet: „Der Aufschlag ist gar nicht so schlecht. Aber wir müssen das Momentum behalten – und bitte keine halbgaren Anwendungen in die Fläche bringen.“
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