Atopische Dermatitis & Familie

Wenn die Haut des Kindes die Eltern krank macht

Aus der Fachliteratur
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Eltern von Kindern mit atopischer Dermatitis tragen eine oft unterschätzte psychische Last.

Eine atopische Dermatitis beim Kind erhöht das Depressionsrisiko der Mutter um bis zu 45 %. Eine Langzeitstudie mit über 12.000 Müttern zeigt: Die Erkrankung ist eine Familiendiagnose.

Schlafstörungen, soziale Isolation und Stigmatisierung erleben nicht nur Kinder mit atopischer Dermatitis (AD) selbst, sondern auch deren Eltern. Pflegende leiden zudem oft an Schuldgefühlen, Hilflosigkeit, Erschöpfung etc. Obwohl die AD mit einer Prävalenz von bis zu 20 % der Kinder weltweit sehr häufig ist, widmet sich die Forschung kaum der damit assoziierten Belastung der Eltern, schreiben Dr. Hannah Kang von der University of California in San Francisco und ihr Autorenteam.

Die Gruppe analysierte anhand von Langzeitdaten, ob eine AD zu verschiedenen Zeitpunkten im Kindes- und Jugendalter mit einer Depression der Mutter zusammenhängt. Die Daten stammen aus der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC). Eingeschlossen wurden 12.124 Mütter, die zwischen 1990 und 2014 mindestens einen Fragebogen der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) komplett ausgefüllt hatten, und für deren Kinder eine vollständige Bewertung der AD vorlag. Letzteres wurde per Angaben der Eltern im validierten Fragebogen ISAAC in insgesamt zwölf Befragungen im Alter des Kindes von 6 Monaten bis 18 Jahren erfasst. Eine AD wurde als aktiv gewertet, wenn zwei positive ISAAC-Angaben vorlagen.

Deutlicher Zusammenhang bei Müttern mit Kindern im Alter von 3 bis 7 Jahren

Als Outcome galten die EPDS-Scores der Mütter an zwölf Zeitpunkten. Die Spanne reichte von der Schwangerschaft bis zum 22. Geburtstag des Kindes. Mütter von einem Kind mit aktiver AD wiesen im Vergleich zum Rest einen durchschnittlich um 0,33 Punkte höheren EPDS-Score auf – nach Berücksichtigung von Geschlecht und Alter des Kindes, Alter der Mutter bei Geburt, bekannter AD oder Depression der Mutter oder sozioökonomischem Status. Besonders ausgeprägt war die Assoziation zwischen AD des Kindes und Depression der Mutter bei Frauen mit niedrigem sozioökonomischem Status, die ein 3- bis 7-jähriges Kind versorgten.

Dosis-Wirkungs-Beziehung zeigte sich in anderen Studien nicht

Zudem ging eine stark ausgeprägte AD mit einem Anstieg des EPDS-Scores um 0,68 Punkte bzw. einem um 45 % höheren Risiko einer klinisch relevanten Depressionssymptomatik einher. Eine Metaanalyse (15 Studien) von einem zweiten Team um Dr. Kang konnte eine solche „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ nicht bestätigen. Allerdings wiesen auch in dieser Untersuchung Eltern mit einem an AD erkrankten Kind ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Depression auf (Odds Ratio, OR, 1,27), und zwar insbesondere die Mütter. Für andere psychische Erkrankungen zeigte sich kein entsprechender signifikanter Zusammenhang.

Insgesamt seien die Ergebnisse überwiegend moderat bis sehr heterogen, betont das Autorenteam. Grundsätzlich müssten in solchen Untersuchungen Kofaktoren wie psychische Erkrankung der Mutter, Komorbiditäten des Kindes, Herausforderungen der Kinderbetreuung sowie sozioökonomische Nachteile besser berücksichtigt werden. Trotz der Limitationen der bisherigen Studien gelte es, im Sinne einer familienzentrierten Betreuung bei Kindern mit AD bereits früh auch die psychische Belastung der Eltern einzuschätzen und hier ggf. gezielt zu unterstützen – insbesondere in sozioökonomisch benachteiligten Familien.

1. Kang HE et al. J Am Acad Dermatol 2026; 94: 539-547; doi:10.1016/j.jaad.2025.10.019

2. Kang HE et al. JEADV Clinical Practice, 2026; doi: 10.1002/jvc2.70283    

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