Einheitliche Therapieziele für die AD

Atopische Dermatitis: Aktivität und Remission definiert

Aus der Fachliteratur
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Um die Therapieziele bei der AD bestmöglich zu setzen, werden einheitliche Kriterien für geringe und sehr geringe Krankheitsaktivität gebraucht.

Für die atopische Dermatitis gibt es jetzt erstmals international abgestimmte Definitionen für Krankheitsaktivität, Kontrolle und Remission. Das soll Studien vergleichbarer machen und das Treat-to-Target-Konzept in der Praxis stärken.

Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen ist es entscheidend, klare Ziele definieren zu können. Dazu gehören geringe Krankheitsaktivität (low disease activity, LDA), sehr geringe Krankheitsaktivität (very low disease activity, vLDA) oder Remission (unter Therapie oder ohne Therapie), wie man sie z. B. aus der Rheumatologie kennt. Krankheitsstadien sind für den Alltag wichtig, auch weil sie es erlauben, im Rahmen von therapeutischen Entscheidungen messbare klinische Endpunkte festzulegen.

Es fehlten einheitliche Eckpunkte

Mit den Zulassungen von Biologika und JAK-Inhibitoren haben sich Behandlungsoptionen deutlich erweitert. Die zielgerichteten Therapien ermöglichen inzwischen hohe und anhaltende Ansprechraten. Auf dem Gebiet der AD fehlten allerdings bislang standardisierte, international vereinheitlichte Definitionen für Aktivität und Remission. Um Abhilfe zu schaffen, beauftragte der International Eczema Council (IEC) eine Expertengruppe um Prof. ­Joseph ­Merola, UT Southwestern Medical Center, damit, Definitionen zu erarbeiten.

Berücksichtigt werden klinisch erhobene Krankheitszeichen und geschilderte Symptome der Betroffenen

Der Konsensus-Prozess beinhaltete u. a. eine Literaturrecherche und ein modifiziertes Delphi-Verfahren in drei Runden mit über 100 internationalen AD-Fachleuten. Bei der Erarbeitung der Konsensus-Definitionen wurden einerseits klinisch erhobene Krankheitszeichen und andererseits von AD-Betroffenen berichtete Sym­ptome berücksichtigt.

Wichtigstes Ergebnis sind vier Arbeitsdefinitionen, die in klinischen Studien und in der translationalen Forschung eingesetzt werden können:

Mit den standardisierten Definitionen lassen sich Studienendpunkte vereinheitlichen und damit Vergleichbarkeit von Quer- und Längsschnittstudien verbessern. Zudem unterstützen sie ein Treat-to-target-Konzept bei atopischer Dermatitis, so das Fazit der Autorengruppe.

 

Empfehlungen stoßen bei manchen auf Skepsis

Wie praktikabel die neuen IEC-Definitionen sind, muss sich im weiteren Verlauf zeigen, heißt es in einem begleitenden Editorial von ­Hywel ­Charles ­Williams, Centre for Evidence-Based Dermatology, Lifespan and Population Health, School of Medicine, Nottingham. Er kritisiert den z. T. undurchsichtigen Verlauf der drei Delphi-Runden. Insbesondere bei den Langzeit-Endpunkten könnten sich spezifischere Langzeit-Scores (RECAP, ADCT) eventuell als nützlicher erweisen als die eher punktuellen IGA, EASI und NRS. Vor allem müsse man herausfinden, in welchen Abständen die Single-Point-Outcomes im Idealfall erfasst werden – denn einerseits sollte man zwischen den Untersuchungen keine Schübe verpassen, andererseits sollten Betroffene und ihre Behandlungsteams durch das wiederholte Assessment auch nicht zu sehr belastet werden, betont der Kollege.

1. Merola JF et al. JAMA Dermatology 2026; doi: 10.1001/jamadermatol.2026.06622

2. Williams HC. JAMA Dermatology 2026; doi: 10.1001/jamadermatol.2026.0658

Dr. Andrea Wülker

Dr. Andrea Wülker hat in Freiburg Medizin studiert und anschließend in der Orthopädie und inneren Medizin gearbeitet. Seit vielen Jahren ist sie als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig.

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