Die labiale Provokation ist bei Sesamallergie ungenau
Die orientalische Küche erfreut sich immer größerer Beliebtheit und mit ihr der Genuss von süßen und herzhaften Speisen, die Sesam enthalten.
Entsprechend ist auch die Sesamallergie stark im Kommen, berichtete Prof. Dr. Wolfgang Pfützner, Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Marburg. Die Allergenzusammensetzung in heller und dunkler Sesamsaat unterscheidet sich nicht.
Die Diagnostik der Allergie hat ihre Tücken. Extrakte für den Prick-Test sind von der Zusammensetzung her wenig aussagekräftig. Im Serum können derzeit nur spezifische IgE-Antikörper gegen Ses i 1 nachgewiesen werden. Was bleibt: eine native Hauttestung mit zerkleinerten Sesamsamen oder Sesampaste (Tahini) oder der orale Provokationstest.
Spuren von Sesam …
Folgende Lebensmittel können Bestandteile aus Sesamsaat enthalten (Auswahl):
Süßigkeiten
Frühstückszerealien
Nudeln
Salatdressings
Marinaden
glutenfreie Produkte
Veggie-Burger
Snacks und Cracker
Außerdem wird Sesamöl auch Kosmetika (Haut-, Lippen- und Augenpflege) und Medizinprodukten beigegeben.
Ob eine labiale Provokation eine Alternative bietet, bei der Tahini aus zerriebenem und erhitztem Sesam lediglich auf die Außenseite der Unterlippe gegeben wird und dort für zehn Minuten einwirkt, lässt sich nicht sicher sagen. Zwar werden die Allergene bei Anfeuchtung gut freigesetzt und die Hautpenetration durch den Ölgehalt verstärkt. Aber Vergleiche mit Personen, die sich sowohl der oralen als auch der labialen Provokation unterzogen haben, brachten viele falsch positive und falsch negative Ergebnisse. Nicht zuletzt ist die Beurteilung einer Reaktion aufgrund der Lippenschwellung sehr subjektiv, so Prof. Pfützner. Ganz ausgereift sei der Ansatz der labialen Provokation wohl noch nicht.
16. Allergologie-Update-Seminar