Hepatitis B unter Kontrolle

Die Leber unter immunsuppressiver Therapie im Auge behalten

DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 3 Min
Vor der immunsuppressiven Therapie mit Biologika, JAK-Inhibitoren oder klassischen Immunsuppressiva sollte ein Serologie-Screening erfolgen, um das Risiko einer Reaktivierung der Hepatitis B einschätzen zu können.

Immunsuppressiva können eine durchgemachte Hepatitis B reaktivieren - teils fulminant. Besonders kritisch sind B-Zell-Depletierer. Screening, Monitoring und Prophylaxe entscheiden über die Sicherheit der Patientinnen und Patienten.

Für Menschen, die bereits eine Hepatitis B durchgemacht haben, kann eine immunsuppressive oder -modulierende Therapie gefährlich werden. Die Hepatitis B (HepB) ist weltweit verbreitet. 2024 wurden dem RKI in Deutschland 21.790 Fälle gemeldet, erklärte ­Florian ­van ­Bömmel, Medizinische Klinik II, Universität Leipzig. Nukleosid- und Nukleotidanaloga (Tenofovir, Entecavir) können die Virusproduktion effektiv blockieren. Allerdings kann eine HepB im Gegensatz zum C-Typ (siehe Kasten) immer wieder reaktiviert werden, bei geschwächtem Immunsystem sogar in fulminanter Weise. Leider erhalten immer noch viel zu wenige Patientinnen und Patienten eine wirksame Therapie. Der Rat des Experten: Ab 35 Jahren kann im Rahmen des Check-ups inzwischen auf Hepatitis getestet werden, das sollte man nutzen.

Was ist mit Hepatitis C?

Hepatitis C ist weniger häufig als die B-Variante, 2024 wurden laut RKI 9.540 Fälle gemeldet. Sie lässt sich inzwischen gut behandeln. Nach einer Therapie mit modernen antiviralen Substanzen über acht bis zwölf Wochen sind 98 % der Patientinnen und Patienten dauerhaft geheilt. Reaktivierungen gibt es nicht, Neuerkrankungen aber schon.

 

Wie äußert sich eine reaktivierte Hepatitis B unter immunsuppressiver Therapie?

Eine reaktivierte Hepatitis B kann völlig asymptomatisch oder mit unspezifischen Symptomen beginnen wie Bauchschmerzen und Erbrechen oder mit einem Ikterus. Erst wenn die Viren eine kritische Menge erreicht haben, springt das supprimierte Immunsystem an und reagiert dann überschießend. Es kann zu fulminanten Verläufen, z. T. mit Todesfolge, kommen. Dabei hängt die Gefahr davon ab, welches Immunsuppressivum verwendet wird. 

 

Je nach Medikament unterscheidet sich das Risiko

Ein geringes Risiko besteht unter Antimetaboliten wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Methotrexat. Höher ist es unter TNF-α-Inhibitoren und steigt noch weiter unter Kortikosteroiden. Die größte Gefahr besteht bei einer Therapie mit B-Zell-Depletierern wie Rituximab oder Ofatumumab, aber auch bei Ustekinumab und Natalizumab. Bei diesen liegt die Reaktivierungsrate einer HepB bei 80 % und wird nur noch getoppt durch die Therapie nach Stammzell- oder Organtransplantation mit 100 %. Viele der genannten Substanzen werden auch in der Dermatologie eingesetzt, wie etwa klassische Immunsuppressiva und TNF-α-Blocker bei der Psoriasis und Glukokortikoide (Stoßtherapie) bei akuten, schweren Entzündungen.

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