Mehr Hochstufungen bei der Lentigo maligna
Bei 14,2 % der operativ versorgten Patientinnen und Patienten wird eine Lentigo maligna nachträglich zum Melanom hochgestuft – mehr als bisher angenommen. Zudem zeigt eine niederländische Kohortenstudie, wie sich einzelne Therapieverfahren in puncto Rezidivrisiko unterscheiden.
Die Behandlung der Lentigo maligna (LM) ist ein Balanceakt zwischen sicherer Tumorkontrolle und v. a. im Gesichtsbereich schonender Chirurgie. Nichtoperative Verfahren zeigen deutlich mehr Rückfälle als operative. Zusätzlich wird die LM nach einer Operation häufiger als invasives Melanom hochgestuft – bisher ging man in den Niederlanden von etwa 10 % aus. Eine aktuelle Studie von dort kommt auf höhere Werte.
Rund die Hälfte der Kohorte wurde chirurgisch behandelt
Für die landesweite Kohortenstudie hatten Forschende Daten zu Patientinnen und Patienten mit LM aus verschiedenen nationalen Registerquellen und dem niederländischen Pathologieregisters ausgewertet. Im Jahr 2020 hatten 1.422 Personen die Diagnose einer primären LM erhalten. In den Niederlanden setzen Dermatologinnen und Dermatologen zur Diagnosesicherung der LM vor allem auf die Stanzbiopsie, wie die aktuelle Untersuchung zeigt: In 61 % (n = 864) der Fälle erfolgte sie mittels Punch-Biopsie und in 37 % (n = 527) per chirurgischer Exzision. Rund die Hälfte der Betroffenen wurde einer operativen Behandlung zugeführt. Bei 14,2 % dieser chirurgisch versorgten Fälle ergab sich im Anschluss eine histologische Hochstufung zu einem LM-Melanom.
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Als bevorzugte Quelle auswählenBezüglich der Outcomes verschiedener Behandlungsansätze betrachtete man die Daten aus dem Zeitraum 2013–2026. Etwas über 3.500 Patientinnen und Patienten erhielten die Diagnose primäre LM. Im Falle von 55 (vorwiegend Ältere) entschied man sich für „Watchful Waiting“. Bei 2.860 Betroffene. (79,7 %) schnitten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte mit weiten Exzisionsrändern. In dieser Gruppe lag die Rückfallrate nach fünf Jahren bei 6,9 %. Allerdings kehrten 25 der 198 Rezidive als LM-Melanom zurück, schreiben die Forschenden.
Was spricht gegen nichtoperative Verfahren?
Randschnittkontrollierte Verfahren (n = 58) lagen mit 5 % auf einem ähnlichen Level. Die neun „anders chirurgisch behandelten“ Läsionen kamen dagegen auf eine Rezidivrate von 56 %. Nach Laser- und Strahlentherapie lag die Rezidivrate bei 51 % (wohl hauptsächlich aufgrund der Lasertherapie). Unter Immun- bzw. lokalen Chemotherapien wie Imiquimod traten elf Rezidive auf (13 %). Bei den unter „andere nichtoperative Therapien“ zusammengefassten Methoden (vorwiegend Kryotherapie) kam man auf eine Rate von 29 %.
Ältere Betroffene haben oft anderen Prioritäten beim Therapieziel
Ergebnisse wie die hohe Rate an hochgestuften LM-Melanomen sollten in die komplexe Therapieentscheidung mit einbezogen werden, schreibt das Autorenteam in seinem Fazit. Unterschied man nur zwischen chirurgisch und nichtchirurgischen Verfahren, zeigte sich mit 6 % gegenüber 24 % zwar ein klarer Vorteil hinsichtlich der Rezidivraten für erstere. Angesichts möglicher entstellender Folgen chirurgischer Maßnahmen kann aber auch ein zurückhaltendes oder ein nichtchirurgisches Vorgehen die – z. B. von älteren – Patientinnen und Patienten gewünschte Alternative sein.
Zoutendijk J et al. Br J Dermatol 2026; 194: 862-868; doi: 10.1093/bjd/ljag011