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Urtikaria: Risikofaktoren der Chronifizierung

Aus der Fachliteratur
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Die akute Urtikaria betrifft bis zu 20 % der Allgemeinbevölkerung.

In vielen Fällen klingt eine Urtikaria wieder ab, Quaddeln und/oder Angioödeme bilden sich zurück. Doch nicht immer: Bei manchen Betroffenen wird die Erkrankung chronisch. Woran liegt das? Gibt es bestimmte Faktoren, die eine Chronifizierung begünstigen?

Die akute Urtikaria betrifft bis zu 20 % der Allgemeinbevölkerung. Meist verläuft die Erkrankung selbstlimitierend, doch bei manchen Betroffenen entwickelt sich eine chronische Form. Diese Transition ist bisher nicht gut erforscht; auch ist unklar, ob die akute Urtikaria und chronische Urtikaria verschiedene Stadien desselben Krankheitsbildes darstellen oder ob es sich um unterschiedliche klinische Entitäten handelt, denen verschiedene Pathomechanismen zugrunde liegen. Wenn man Urtikaria-Betroffene mit einem erhöhten Chronifizierungsrisiko identifizieren könnte, wäre das von großem klinischem Nutzen.

Systematische Übersichtsarbeit mit mehr als 52.000 Betroffenen

Um herauszufinden, ob es klinische, laborchemische oder behandlungsassoziierte Faktoren gibt, die mit einer Progredienz von einer akuten in eine chronische Form verknüpft sind, führte das Forscherteam um Dr. Enrique Gómez de la Fuente von der Universitätsklinik Ramón y Cajal, Madrid, eine systematische Literaturrecherche durch. Dabei berücksichtigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler englischsprachige Studien, die bis Dezember 2025 publiziert worden waren. Insgesamt konnten sie 16 Beobachtungsstudien mit 52.564 Teilnehmenden auswerten.

Die Progressionsraten lagen zwischen 5,8 % und 36,0 %, je nach Nachbeobachtungsdauer und Definition der Outcomes. Höhere Progressionsraten spiegeln möglicherweise einen Selektionsbias in tertiären Zentren wider. Klinische Faktoren – z. B. Schweregrad der Erkrankung, Angioödeme, allergische Sensibilisierung oder Atopie-Status – wiesen inkonsistente Assoziationen mit einer Chronifizierung auf.

Welche Rolle spielen Kortikosteroide in der akuten Phase?

Laborwerte wie Gesamt-IgE, Eosinophilenzahl, Indizes einer systemischen Inflammation (Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio, Systemischer Immun-Inflammations-Index) sowie das Autoantikörperprofil waren nicht reproduzierbar mit einer Progression verknüpft. Therapieassoziierte Faktoren, etwa der Einsatz systemischer Kortikosteroide während der akuten Phase, gingen nicht mit einer Verminderung des Progressionsrisikos einher. Insgesamt war die Qualität der Evidenz jedoch begrenzt, was an der methodischen Heterogenität, an kurzen Nachbeobachtungszeiten und einem moderaten bis hohen Biasrisiko lag.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die klinische Praxis?

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass es rund um die Urtikaria noch viele offene Fragen gibt. Beispielsweise sei unklar, ob akute und chronische Urtikaria wirklich aufeinanderfolgende Stadien desselben Krankheitsbildes repräsentieren. Möglicherweise handelt es sich auch um biologisch unterschiedliche Erkrankungen, die sich in ihrer Manifestation ähnlich sind, aber auf unterschiedlichen Pathomechanismen beruhen. Stress könnte bei Urtikaria möglicherweise eine Rolle spielen, doch ist dies noch nicht ausreichend untersucht: Stress wurde lediglich in zwei Studien erwähnt, aber nicht systematisch mithilfe validierter Tools erfasst oder in Relation zur Progression der akuten in eine chronische Urtikaria analysiert.

Es sind also weitere, gut konzipierte multizentrische prospektive Studien erforderlich, um eine frühere Identifikation von Personen zu ermöglichen, die ein erhöhtes Risiko für eine Chronifizierung der Urtikaria aufweisen. Neue Daten zu inflammatorischen und immunologischen Parametern könnten helfen, Untergruppen mit erhöhtem Risiko zu erfassen. Auch sollten zukünftige Studien klären, ob frühere Interventionen das Fortschreiten der Erkrankung modifizieren können.

Gómez de la Fuente E et al. JAMA Dermatol 2026; doi: 10.1001/jamadermatol.2026.1901

Dr. Andrea Wülker

Dr. Andrea Wülker hat in Freiburg Medizin studiert und anschließend in der Orthopädie und inneren Medizin gearbeitet. Seit vielen Jahren ist sie als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig.

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