Neue Hoffnung für chronische Fußulzera

Diabetischer Fuß: Helfen Inkretin-Therapien bei der Heilung?

21. Diabetologie-Update-Seminar
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Inkretin-basierte Therapien haben jenseits der Blutzuckerkontrolle offenbar auch Effekte auf den diabetischen Fuß

Inkretin-basierte Therapien haben jenseits der Blutzuckerkontrolle offenbar auch Effekte auf den diabetischen Fuß: Studien deuten darauf hin, dass insbesondere DPP-4-Hemmer die Wundheilung über angiogene und regenerative Mechanismen fördern könnten.

Beim diabetischen Fuß scheint die Wahl des Antidiabetikums über den Verlauf mitzuentscheiden. Studien sprechen dafür, dass DPP4-Inhibitoren und GLP1-Analoga pleiotrope Effekte haben, die die Wundheilung unterstützen.

In einer randomisierten offenen Studie wurden 62 Diabeteskranke mit Fußulzera entweder konventionell (Antidiabetika, Antihypertensiva, Lipidsenker, Wundmanagement) behandelt oder erhielten zusätzlich 100mg/d Sitagliptin, berichtete Prof. Dr. Ralf Lobmann von der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart. Unter dem DPP4-Hemmer kam es zu einer signifikant größeren Reduktion der Ulkusflächen (95,0 % vs. 76,2 %) und einer höheren Heilungsrate (80,6 % vs. 54,8 %). Die Zeit bis zur vollständigen Heilung war verkürzt von 66 auf 59 Tage.    

Die HbA1c-Werte unterschieden sich in den beiden Behandlungsgruppen nicht signifikant. Für CD34+ endotheliale Progenitorzellen und SDF-1α* war dagegen ein deutlicher Anstieg unter Sitagliptin, nicht aber unter konventioneller Therapie nachweisbar. SDF-1α bindet an den Rezeptor CXCR4. Dadurch kommt es einerseits zu intrazellulären Signalkaskaden. Andererseits werden chemotaktisch Stammzellen, Endothelzellen, Fibroblasten und Immunzellen in das verletzte Gewebe gelockt. Der CXCR-Signalweg fördert die Angiogenese und ist in Interaktion mit VEGF essenziell für die vaskuläre Homöostase nach Verletzungen, erläuterte der Referent. Die Studienergebnisse deuten somit darauf hin, dass Sitagliptin die Heilung beim diabetischen Fuß unabhängig von seinem blutzuckersenkenden Effekt fördert.    

DPP4-Inhibitoren fördern Proliferation und Angiogenese    

In einer systematischen Übersichtsarbeit mit 31 Studien wurden die wundheilenden Eigenschaften von DPP4-Hemmern bestätigt. Klinische Ergebnisse fanden sich in neun teils randomisierten und kontrollierten Studien mit 3.589 Teilnehmenden. 23 fußten auf tierexperimentellen oder In-vitro-Modellen. Die Forschungsgruppe kam zu dem Schluss, dass DPP4-Inhibitoren die Zellmigration, Proliferation und Angiogenese fördern, was letztlich zu einer schnelleren Wundheilung und reduzierten Narbenbildung führt.    

In einer weiteren Untersuchung wertete man die Daten von 532.354 Patientinnen und Patienten aus, die mit einem DPP4-Inhibitor behandelt worden waren, und verglich sie mit denen von mehr als zwei Millionen Kranken unter anderen Antidiabetika. Im Hinblick auf die Inzidenz von Fußulzera und Amputationen gab es keine signifikanten Unterschiede. Kurzfristig schienen DPP4-Inhibitoren jedoch die Wundheilung signifikant zu verbessern.    

Doch müsse man mit retrospektiven Analysen vorsichtig sein, erinnerte Prof. Lobmann. Dies gelte auch für eine Metaanalyse mit mehr als 14.000 Teilnehmenden zum Stellenwert von GLP1-Analoga bei der Behandlung des diabetischen Fußes. Darin zeigte sich, dass die Substanzen mehrere pathogenetisch relevante Faktoren beeinflussen, z. B. modulieren sie die Inflammation, indem sie die Expression entzündungshemmender Zytokine erhöhen, und sie reduzieren oxidativen Stress, was die Wundheilung fördert.

In der LEADER-Studie ging das Amputationsrisiko unter Liraglutid gegenüber Placebo um 35 % zurück, berichtete der Kollege. Auch eine retrospektive Kohortenstudie spreche dafür, dass eine Therapie mit GLP1-RA mit einem geringeren Risiko für Amputationen einhergeht. Allerdings verlieren Patientinnen und Patienten unter einer solchen Medikation mehr Muskelmasse. Die Wundheilung wird dadurch nicht verbessert, gab Prof. Lobmann zu bedenken.    

* Stromal Cell-Derived Factor-1 alpha