Begeisterung weitergeben
Beim Diabetes Kongress waren 112 Stipendiat*innen vor Ort – Bewerbungen gab es ca. 200. Dass das Interesse an der Diabetologie wächst, ist auch ein Verdienst der AG Nachwuchs.
Rebecca, du bist neu im Sprecherteam. Warum engagierst du dich?
Dr. Rebecca Spies: Ich habe erlebt, wie motivierend die Arbeit in der AG sein kann und habe dadurch die Diabetologie erst richtig kennengelernt. Über die Diabetologie als Karriereoption wissen die meisten nämlich nur wenig. Deshalb ist es so wichtig, mehr über das Fach als Schnittstelle in der Inneren Medizin zu erfahren, z. B. über ein Stipendium für den Kongress und das Nachwuchsprogramm der AG. Ich durfte 2022 zum ersten Mal auf dem Diabetes Kongress dabei sein, damals auch über ein Stipendium. Ich habe ganz viel Freude und Begeisterung in diesem Fach gesehen. 2023 war ich noch einmal als Stipendiatin dabei und habe mich dann für diese Facharztrichtung entschieden.
Jonas, warum ist für dich Schluss mit dem Sprecheramt in der AG?
Dr. Jonas Laaser: In meinem Leben wird sich durch das erste Kind vermutlich einiges verändern und ich möchte allen meinen „Aufgaben“ so gut wie möglich nachkommen – ich werde natürlich weiter aktiv in der AG bleiben, aber in die „zweite Reihe treten“. Außerdem haben wir als AG auch den Auftrag, selbst Nachwuchsförderung zu betreiben, und da ist es irgendwann an der Zeit, andere an diese Rolle heranzuführen und das Amt weiterzugeben. Ich bin zuversichtlich, dass die AG bei Dr. Irena Drozd, Dr. Maximiliane Knöfel und Rebecca in guten Händen bleiben wird. Und ich werde ja weiter auf die Kongresse fahren, wenn es die Situation erlaubt. Außerdem werde ich die aktuellen Sprecherinnen weiter unterstützen – ich hatte ja selbst von der Familie Kortemeier ein Mentoring, als ich die Sprecherrolle übernommen habe, konnte immer alle Fragen stellen und hatte die Chance, aus Fehlern zu lernen.
Henriette, als Ernährungswissenschaftlerin und Forscherin: Was hat dich beim Kongress beeindruckt?
Professorin Dr. Henriette Kirchner: Was wissenschaftlich läuft, kriege ich im Alltag über Kollegen ganz gut mit. Deshalb gehe ich auf dem Diabetes Kongress eher in klinische Symposien, denn auch da möchte ich auf dem neuesten Stand bleiben. Mich interessieren z. B. neue Therapieempfehlungen, denn die häufigen Leitlinien-Updates bekomme ich sonst nicht immer so schnell mit. Und ich habe mir ein Symposium über Lipidhomöostase angeschaut.
Wo hat die AG in letzter Zeit etwas für den Nachwuchs bewegt?
Dr. Laaser: Wir haben es geschafft, uns deutlich besser zu vernetzen – z. B. mit dem endokrinologischen Nachwuchs (YARE) –, und zum aktuellen Kongress haben wir die Junge DGIM eingeladen. Für die kommende Diabetes Herbsttagung haben wir mit dem pädiatrischen Nachwuchs bereits Kontakt aufgenommen, um zu kooperieren. Außerdem planen wir für Anfang 2027 eine gemeinsame Veranstaltung mit den Österreichern. Alex Stöckl aus Diedorf ist hier die treibende Kraft. Die länder- und fächerübergreifende Vernetzung blüht richtig auf. Wir sind auch innerhalb der DDG gewachsen und haben viel mehr aktive Mitglieder.
Welche guten Beispiele gibt es in der Nachwuchsförderung?
Prof. Kirchner: Da fallen mir die Clinical-Scientist-Programme ein: Die meisten Uni-Kliniken in Deutschland versuchen, junge Ärztinnen und Ärzte für die Forschung zu gewinnen, indem sie ihnen Forschungszeit geben. Das ist unheimlich wichtig, damit von den Medizinern nicht nur Bioproben gesammelt werden, sondern sie damit auch etwas anfangen können und ein Gefühl dafür entwickeln, welche Daten gebraucht werden.
Dr. Spies: Wichtig ist, dass man bei der DDG kein Abstract braucht, um ein Reisestipendium zu bekommen. Ich finde es super schön, dass junge Leute so die Chance bekommen, das Fach zu erleben. Und ehrlicherweise ist man auch viel entspannter, wenn man nichts vorstellt und sich alles ganz in Ruhe anschauen kann.
Dr. Laaser: Ich würde bei diesem Thema gerne einen Finger in die Wunde legen: In den Kliniken geht es ja für den Nachwuchs nicht nur um Forschung und Wissenschaft, sondern auch einfach um das Erlernen klinischer Fertigkeiten – und das habe ich in meiner anteiligen Klinikzeit, die ich nicht aktiv in der Endokrinologie, sondern in anderen internistischen Rotationen verbracht habe, vermisst und höre dies auch oft aus meinem Umfeld. In den Kliniken herrscht vielmals Zeitdruck, Geld- und Personalnot, deshalb ist es oft ein „learning by doing“. Ich denke, wir als Fachgesellschaft sollten genau hinschauen. Die fachliche Weiterbildung in der Diabetologie sollte nicht nur bei der Industrie liegen. Auch die Fachgesellschaft sollte versuchen, dass die gute Lehre in die Kliniken, an denen keine in der DDG aktiven Expert*innen lehren, stärker integriert wird.
Prof. Kirchner: Ich finde, es ist wahnsinnig wichtig, dass man gute Mentorinnen und Mentoren hat, und ich kann nur empfehlen: Wenn es vor Ort keine gibt, baut euer Netzwerk außerhalb auf, durch all die Online-Meetings ist es auch möglich, dass der Mentor/die Mentorin woanders sitzt. Die Grundprinzipien, wie man in der Wissenschaft vorankommt, sind überall gleich, und dass man dabei so ein bisschen an die Hand genommen wird, ist ganz wichtig.
Welche Pläne hat die AG derzeit?
Dr. Spies: Wir werden auf jeden Fall unser Stipendienprogramm weiterführen. Wir werden weiterhin Workshops machen mit klinischem Fokus, mit naturwissenschaftlichem Fokus. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir mehr Medizinstudenten für naturwissenschaftliche Themen begeistern könnten und durch Henriette für die etwas erfahreneren Wissenschaftler noch attraktiver werden.
Prof. Kirchner: Ich habe nämlich eine Doppelrolle – ich bin auch in der Nachwuchsförderung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung aktiv, und das möchten wir jetzt verknüpfen mit mir als Bindeglied. Am Dienstagabend gab es dazu ein Auftakttreffen, bei dem sich der Nachwuchs von DZD und DDG getroffen hat. Mit DZD NEXT gibt es ein ganz präsentes Programm mit vielen Fördermöglichkeiten. Was es dort auch gibt, sind Online-Lunch-Talks. Daran können jetzt auch Nachwuchsmenschen außerhalb der DZD-Standorte teilnehmen.
Dr. Laaser: Wir wollen schauen, wie wir die Menschen, die in der AG Erfahrung sammeln konnten, in der DDG weiter in die nächsten Rollen bringen können. Was sind die Perspektiven? Warum lohnt es sich, sich in der AG zu engagieren? Ich hoffe, ich kann hier zur Verknüpfung beitragen. Außerdem hoffe ich, dass sich die Mitwirkung der AG im Programmkomitee des Diabetes Kongresses und der Herbsttagung verstetigen lässt.
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