Diabetes erhöht Risiko für Parkinson
Typ-2-Diabetes und sogar seine Vorstufen erhöhen das Risiko, an Parkinson zu erkranken. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann vor Typ-2-Diabetes schützen und zugleich das Parkinson-Risiko senken.
Die Zahl der Menschen, die an Parkinson erkranken, steigt schneller, als es der demografische Wandel allein erklären kann. Neben Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und der Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln rückt zunehmend auch die Ernährung in den Fokus der Forschung.
Studien deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes Alpha-Synuclein, ein zentrales Protein in der Parkinson-Pathologie, im Darm entsteht und sich über den Vagusnerv ins Gehirn ausbreitet (Hirn-Darm-Achse). Veränderungen des Darmmikrobioms sowie chronische Verstopfung gelten zudem als mögliche Frühzeichen, oft lange vor dem Auftreten motorischer Symptome.
Parkinson-Entstehung: Auch die Ernährung spielt eine Rolle
Deshalb richten sich neue wissenschaftliche Ansätze verstärkt auf die Rolle der Darmflora und den Effekt der Ernährung. Viele Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährung mit einem geringeren Risiko für Parkinson sowie einer niedrigeren Symptomlast bei bereits Erkrankten einhergeht. Sie basiert auf viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch; Fleisch sowie stark verarbeitete, zuckerreiche Lebensmittel stehen nur selten auf dem Speiseplan.
Die mediterrane Diät schützt auch vor der Entstehung von Typ-2-Diabetes (T2D). Wie verschiedene Stu dien zeigten, haben Menschen mit Diabetes ein höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Eine Metaanalyse von 15 Kohortenstudien mit insgesamt 29,9 Millionen Personen kam zu dem Ergebnis, dass T2D mit einem etwa 27 % höheren relativen Risiko für Parkinson assoziiert ist; selbst für Prädiabetes zeigte sich ein kleiner, aber messbarer Risikoanstieg.
„Auch eine retrospektive Kohortenstudie aus Spanien kam zu dem Ergebnis, dass das Parkinson-Risiko bereits bei Prädiabetes erhöht ist“, erklärte PD Dr. Eva Schäffer vom UKHS Kiel, Sprecherin der Taskforce Prävention der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Bis 2040 könnte die Zahl der Menschen mit Diabetes in Deutschland auf 12,3 Millionen steigen.
Taskforce Prävention der DGN
Die Taskforce Prävention der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sammelt wissenschaftlich fundierte Evidenz zu präventiven Maßnahmen und entwickelt konkrete nächste Schritte. Diese sollen die Grundlage für wirksame Strategien zur Förderung der Hirngesundheit bilden. Eines der zentralen Ziele ist, sich mit politischen und bildungspolitischen Entscheidungsträger*innen aus zutauschen, um Präventionsmaßnahmen in der Neurologie effektiv zu gestalten.
„Angesichts dieser Entwicklung müssen wir auch das damit einher gehende erhöhte Parkinson-Risiko in den Blick nehmen und stärker für eine gesunde Ernährung sensibilisie ren“, erklärt DGN-Präsidentin Pro fessorin Dr. Daniela Berg, UKSH Kiel. „Diabetes-Prävention ist letztlich auch Parkinson-Prävention.“ Als wesentliche Ursache für die steigende Diabetesprävalenz gilt die dauerhaft zu hohe Energiezufuhr. Eine Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäu ren und Zucker begünstigt Übergewicht und T2D. „Vielen Menschen ist nicht einmal bewusst, wie viel ver steckten Zucker und Fette sie täglich aufnehmen – etwa über Fast Food oder Softdrinks. Deshalb unterstützen wir die Initiativen der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) für mehr Transparenz und eine gesündere Ernährung“, so Prof. Berg. Damit schließt sich der Kreis zum DANK-Engagement für eine „verantwortungsvolle Präventionspolitik“, so DANK-Sprecherin Barbara Bitzer.
DDG/Red.