Ein Streifzug durch die Leitlinien

Endokrinologie: Neues zur Schilddrüse, zu PA und Osteoporose

Bericht
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Dr. Karin Kreuel
In den Hypothyreose-Leitlinien steht „nicht viel Neues”.

Ein Blick in aktuelle Leitlinien zeigt, was sich tut bei der Behandlung der Hypothyreose und des Schilddrüsenkarzinoms. Außerdem: Wie ist der Stand beim primären Hyperaldosteronismus (PA) und der glukokortikoidinduzierten Osteoporose?

In den Leitlinien der European Thyroid Association (ETA) 2025 sieht Professor Dr. Matthias M. Weber, Universitätsmedizin Mainz, eine Hilfestellung für eine „optimierte und personalisierte“ Natrium-Levothyroxin (LT4)-Substitution bei Hypothyreose, v. a. in Bezug „auf mögliche Interferenzen mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Begleiterkrankungen sowie für einen möglichen Einsatz von flüssigen oder Weichkapsel-Formulierungen bei Risikogruppen“. Insgesamt ergebe sich aber „nicht viel Neues“, dabei wäre es nicht nur für Kinder, sondern auch für Menschen im höheren Lebensalter wichtig, altersspezifische Referenzbereiche für TSH-Werte zu etablieren, betonte Prof. Weber.

Bemerkenswert „und aus klinischer Sicht hilfreich“ findet er das klare Statement, das die DEGAM bereits 2023 in ihrer S2k-Leitlinie zu erhöhten TSH-Werten in der Hausarztpraxis abgegeben hatte: Als erhöht sollten TSH-Werte erst bei Konzentrationen von > 5,0 mU/l (70–80 Jahre) bzw. von > 6,0 mU/l (> 80 Jahre) angesehen werden. Dies würde helfen, „eine Übertherapie insbesondere von subklinischen Hypothyreosen im Alter zu vermeiden.“

Um Konsens gerungen: Leitlinie Schilddrüsenkarzinom

Als „ein großes und wichtiges Thema“ beschrieb Prof. Weber das Erscheinen der ersten deutschen S3-Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom, die 2025 nach siebenjährigem Entwicklungsprozess unter Beteiligung von 24 Fachgesellschaften publiziert wurde. Diese Leitlinie stelle trotz unterschiedlicher Sichtweisen der Beteiligten bei oft nur schwacher Evidenzlage „einen ersten und wichtigen Schritt dar“, die Versorgung von Schilddrüsenknoten/-krebs zu modernisieren und an internationale Standards anzunähern, „ohne die spezifischen deutschen Errungenschaften und Besonderheiten zu vernachlässigen“.

Anders als international werde darin empfohlen, im Rahmen einer geplanten Dignitätseinschätzung von Schilddrüsenknoten ≥ 1 cm bei Erwachsenen unabhängig vom TSH-Wert eine Schilddrüsenszintigraphie durchzuführen. Dieser nuklearmedizinische Anspruch stehe jedoch in Diskrepanz zur Realität, denn eine punktionszytologische Abklärung erfolge selten bis nie, da zu aufwendig und schlecht vergütet.

Glukokortikoidinduzierte Osteoporose

Etwa 1 bis 2 % der Allgemeinbevölkerung nimmt Glukokortikoide ein. Bereits bei Therapiebeginn sollte das Problem einer möglichen glukokortikoidinduzierten Osteoporose mitgedacht und bei entsprechendem Risiko eine spezifische Therapie eingeleitet werden – die European Calcified Tissue Society (ECTS) hat Ende 2024 evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention und Behandlung publiziert, die „eine klare und praxisnahe Orientierung bieten“ und sich weitgehend mit den Empfehlungen des Dachverbandes Osteologie (DVO) decken.

Der primäre Hyperaldosteronismus (PA) stellt die häufigste sekundäre endokrine Ursache der arteriellen Hypertonie dar und tritt mit einer Prävalenz von 15 % bei Typ-2-Diabetes auf, so Prof. Weber. Die neue Leitlinie der Endocrine Society setze wichtige Impulse für eine noch konsequentere Diagnostik und medikamentöse Therapie.

Da prospektive Daten zur Effektivität und Praktikabilität eines flächendeckenden Screenings fehlen, hält der Endokrinologe es für eine sinnvolle Strategie, sich auf Hochrisikokonstellationen zu konzentrieren, außerdem auf Betroffene mit einer kurativen Perspektive sowie jüngere Personen mit neu diagnostiziertem Bluthochdruck, bei denen eine Testung ohne interferierende Medikamente am Anfang stehen könnte. Der wichtigste Beitrag der Leitlinie sei die klare Empfehlung zu einer großzügigen Indikationsstellung für eine Behandlung mit Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA).

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