Pauschale Verbote für Menschen mit Diabetes in Beruf und Straßenverkehr: Was tun?
Dr. Wolfgang Wagener ist Koordinator der aktualisierten S2E-Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Er erläutert die wichtigsten Neuerungen in der Ende 2025 aktualisierten Richtlinie. Ein zentraler Punkt ist die Rolle moderner Diabetes-Technologien: CGM- und AID-Systeme erhöhen die Fahrsicherheit entscheidend, da sie kontinuierlich den Glukoseverlauf überwachen, vor Hypo- und Hyperglykämien warnen und somit das Unfallrisiko minimieren.
Ein weiteres Thema des Gesprächs ist das Positionspapier zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Diabetes des DDG-Ausschusses Soziales, dessen Vorsitzender Dr. Wagener ist. Darin werden pauschale Berufsverbote – beispielsweise bei Polizei, Bundeswehr oder im Flug- und Seeverkehr – kritisiert, die angesichts der heutigen fortschrittlichen Therapiemöglichkeiten nicht mehr zeitgemäß seien. Dr. Wagener plädiert für eine Einzelfallbetrachtung und fordert eine Beweislastumkehr, bei der Arbeitgeber die Nichteignung eines Bewerbers mit guter Stoffwechseleinstellung begründen müssen.
Zudem setzt er sich für die Verbesserung der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Menschen mit Diabetes ein. Das Stigma, das oft durch mediale Berichte über einzelne Unfälle entsteht, müsse abgebaut und die Leistungsfähigkeit von Menschen mit gut kontrolliertem Diabetes anerkannt werden.
Themen und Zeiten:
Notwendigkeit der Aktualisierung der Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ (02:29)
Mehr Sicherheit im Straßenverkehr durch CGM- und AID-Systeme (04:07)
Die Gefahr von Hyperglykämien im Straßenverkehr (08:01)
Das tatsächliche Unfallrisiko bei Menschen mit Diabetes (15:38)
Berufliche Benachteiligung durch pauschale Verbote (21:29)
Wieso eine Beweislastumkehr nötig ist (29:30)
Stigmatisierung Menschen mit Diabetes entgegenwirken (41:50)
Weiterführende Informationen:
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