Symposium zur Erinnerung an Professor Dr. Stephan Matthaei
Der 2016 mit nur 58 Jahren plötzlich und unerwartet verstorbene Wissenschaftler, Kliniker und Brückenbauer hat die deutsche Diabetologie und auch die DDG als aktives Mitglied und DDG Präsident nachhaltig geprägt. Sein Lebenswerk wirkt bis heute nach – und sein zugewandtes und lebensbejahendes Wesen wird noch immer schmerzlich vermisst.
Die wissenschaftliche Karriere von Dr. Stephan Matthaei begann mit einer damals noch ungelösten Frage: Wie wirkt Insulin in der Zelle? Nach seiner Promotion in Hamburg führte ihn ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft nach San Diego und Boston – und damit mitten in die aufkeimende Rezeptorforschung. Zwischen Insulinrezeptor und metabolischen Effekten lag eine „große Blackbox, die es zu ergründen galt“, berichtete sein Freund und Weggefährte Professor Dr. Harald Klein (Dortmund).
In dieser Grauzone kämpfte Prof. Matthaei sich voran – „was mit den damals bescheidenen biochemischen Methoden sehr beachtlich ist“, betonte Professor Dr. Hadi Al-Hasani (Düsseldorf). Er würdigte die wissenschaftlichen Leistungen von Prof. Matthaei, u. a. die Identifizierung eines leberspezifischen Glukosetransporters und die Erkenntnis, dass Metformin bei insulinresistenten Ratten die Translokation von Glukosetransportern stimuliert – unabhängig vom Insulinrezeptor.
Auch in der Genetik des Typ-2-Diabetes bewies Prof. Matthaei Weitblick: Er wies auf mögliche Diabetes-Risikogene hin, lange bevor die moderne Molekulargenetik entsprechende Varianten identifizieren konnte. „Zu seinen aktiven Forschungszeiten war nur eine Handvoll dieser Gene bekannt. Heute kennen wir über 600 Genvarianten, die mit Typ-2-Diabetes assoziiert sind“, erklärte Prof. Al-Hasani.
Großes Engagement für die Praxisleitlinien der DDG
1998 wechselte Prof. Matthaei als Oberarzt an das Universitätsklinikum Tübingen, ab 2003 war er Chefarzt am Diabetes-Zentrum in Quakenbrück. Professorin Dr. Monika Kellerer (Stuttgart) beleuchtete neben den wissenschaftlichen Erfolgen auch das klinische Wirken von Prof. Matthaei. „Er war ein breit ausgebildeter, empathischer Arzt, dem der direkte Kontakt zu seinen Patienten wichtig war.“
Um wissenschaftliche Erkenntnisse flächendeckend in die Versorgung zu bringen, setzte er sich intensiv für die Praxisleitlinien der DDG zu Typ-2-Diabetes ein. „Auch dank dieser Leitlinien können wir Menschen mit Diabetes heute viel besser und differenzierter behandeln. Es ist schade, dass er das nicht mehr miterleben durfte!“ Und Professor Dr. Baptist Gallwitz (Berlin) ergänzte: „Er hat aber schon damals vorausgesagt, dass die großen kardiovaskulären Outcome-Studien die Therapiealgorithmen unserer Leitlinien verändern würden.“
Von 2011 bis 2013 war Stephan Matthaei Präsident der DDG. Professor Dr. Thomas Haak (Bad Mergentheim) lobte ihn als „gut informiert und klar in der Sache“. Er habe sowohl mit der DDG Geschäftsstelle als auch mit Partnerorganisationen der Diabetes-Selbsthilfe gut zusammengearbeitet. „Er hat während seiner Präsidentschaft die DDG gut durch stürmische Zeiten geführt.“
Neben Prof. Matthaeis fachlichen Verdiensten betonten alle Referent*innen auch seine menschlichen Stärken. Sein ehemaliger Tübinger Chef, Professor Dr. Hans-Ulrich Häring, war per Videobotschaft zugeschaltet und beschrieb seinen Zögling als „ausgleichend, versöhnlich, mitreißend – und in schwierigen Situationen genau der Mitstreiter, den man sich wünschte“. Auch sein Humor, seine Lebensfreude, seine Begeisterung für Sport und sein Interesse an seinen Mitmenschen hat viele Weggefährten nachhaltig beeindruckt. Das Symposium hat gezeigt: Auch zehn Jahre nach seinem Tod hat Prof. Matthaeis Wirken nichts von seiner Relevanz verloren.