Was bringt die Diabetes Herbsttagung? Die Tagungspräsidentinnen im Interview
Was bringt die Diabetes Herbsttagung? Die Tagungspräsidentinnen im Interview
Professorin Dr. Susanne Reger-Tan ist in der Klinik tätig, Dr. Sandra Schlüter in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis – so bringen sie unterschiedliche Perspektiven in die Herbsttagung ein. Sie haben aber auch einiges gemeinsam, z. B. das große Interesse an Digitalisierung, KI und Technologie.
Frau Professorin Reger-Tan, Frau Dr. Schlüter, das Motto der Diabetes Herbsttagung 2026 ist „Diabetes. Digital. Denken.“ Was steckt dahinter?
Prof. Reger-Tan: Sandra und ich finden, dass ich als Vorsitzende der Kommission Digitalisierung und sie als Vorstandsmitglied der AG Diabetes & Technologie ein „Perfect Match“ sind. Jetzt ist die richtige Zeit, Diabetestechnologie und Digitalisierungsstrategien praktisch relevant in die Herbsttagung zu bringen und mit den Kolleginnen und Kollegen zu besprechen, aber dabei das Denken nicht wegzulassen. Durch das Programm betonen wir auch, wie wichtig ein professionelles Diabetesteam weiterhin ist.
Dr. Schlüter: Team bedeutet auch: Stationär und ambulant arbeiten zusammen. Das passt bei uns beiden richtig gut. Ja, Denken ist sehr wichtig, gerade, wenn man KI und Digitalisierung nutzt, denn die KI denkt ja noch nicht für uns, sondern wir müssen sie für uns arbeiten lassen und wir müssen mitdenken.
Im Grußwort gehen Sie z. B. auf digitale Innovationen ein, „die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen“. Wo klaffen die größten Lücken zwischen dem, was möglich ist, und der praktischen Umsetzung?
Dr. Schlüter: Die größten Lücken gibt es immer noch in der Vernetzung zwischen ambulant und stationär und zwischen verschiedenen Fachrichtungen – da gehen sehr viele Informationen verloren. Im Moment sind wir in einer Übergangsphase und müssen schauen, dass wir den Switch zur digitalen Vernetzung hinbekommen.
Prof. Reger-Tan: Eine Übergangsphase ist aber auch spannend. Das Spannungsfeld ist ja, dass sich z. B. die künstliche Intelligenz ultraschnell weiterentwickelt, gerade in der datengetriebenen Diabetologie. Wir müssen jetzt unsere Identität und unseren Platz in der Digitalisierung finden und die neuen Potenziale verantwortungsbewusst in die Versorgungsstrukturen integrieren. Wir können selbst mitgestalten und ich denke, dass es dazu in Dresden spannende Diskussionen geben wird.
Wird jeder mitgenommen, egal ob mit wenig oder viel Erfahrung in Technologie und Digitalisierung?
Dr. Schlüter: Wir müssen und wollen jeden abholen. Dafür haben wir z. B. Workshops und Symposien für Einsteiger und Fortgeschrittene. Wenn irgendetwas zu schnell geht oder nicht verstanden wird: Einfach aufstehen und fragen!
Prof. Reger-Tan: Gerade die Herbsttagung ist ja dafür da, sich auf Praktisch-Relevantes zu fokussieren. Klar, wir beide haben unsere Passion und die spiegelt sich automatisch im Tagungsprogramm wider. Aber wir haben sehr sorgfältig darauf geachtet, dass wir unterschiedlichen Interessen gerecht werden. Und natürlich besteht diese Tagung nicht nur aus digitalen oder Technologieaspekten, sondern wir haben ein sehr, sehr breites Portfolio.
Zum Tagungsmotto passt die Keynote von Prof. Dr. Jens Kleesiek, Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin (IKIM) am Uniklinikum Essen. Was macht seinen Vortrag unbedingt hörenswert?
Prof. Reger-Tan: Erstens ist die Diabetologie ein sehr datengetriebenes Fach. Und zweitens entwickelt sich die KI in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit. Und wenn sich etwas so spannend und schnell weiterentwickelt, ist es sehr schön, mal von einem Vollprofi zu hören: Wie ist der Stand der Dinge, wo ist Potenzial und wo geht die Reise hin? Jens Kleesiek ist weltweit einer der führenden KI-Forscher und wir machen gemeinsam sehr, sehr spannende Projekte. Er kann einem sehr gut und auch ganz versorgungsnah zeigen, wo wir allgemein und in der Diabetologie mit der KI stehen. Kommen Sie bitte, es ist eine Riesenchance!
Dr. Schlüter: Ganz wichtig ist auch, dass neben den Möglichkeiten der KI auch ihre Limitationen aufgezeigt werden. Der Human Factor ist nicht zu unterschätzen. Wir haben es immer mit Menschen zu tun, die Zuwendung brauchen, die eine Erklärung brauchen. Eine KI kann nicht alles leisten, und deswegen muss man schauen: Wie baut man die KI in den Alltag ein? Was kann sie leisten, was kann sie noch nicht leisten bzw. wird sie vielleicht nie leisten können?
Wie wichtig ist Ihnen die interprofessionelle Zusammenarbeit?
Dr. Schlüter: Diabetes ist immer Teamwork. In der Praxis finde ich enorm wichtig, dass man sich abstimmt. Wichtige Informationen sollten von jedem Teammitglied ähnlich vermittelt werden, sonst kommen die Menschen durcheinander.
Prof. Reger-Tan: Diabetologie ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Professionen zusammenarbeiten. Gesundheitspolitisch sollte es mehr darum gehen, diese Berufe und ihre Leistung anzuerkennen. Im Krankenhaus tauchen Diabetesberaterinnen, Ernährungsberaterinnen, Psychologinnen strukturell nicht im Versorgungskonzept auf. In der klinischen Versorgung natürlich schon, da sind sie ganz essenziell. Das ist eine Herausforderung, die wir angehen müssen. Aber wir sollten uns auch weiterentwickeln und fragen: Welche Rolle hat die Apotheke, welche die IT? Vielleicht erweitern wir so unsere Teams noch.
Gibt es denn einen Programmpunkt, auf den Sie sich besonders freuen?
Prof. Reger-Tan: Es ist jetzt schon klar, dass Sandra und ich sehr oft eingeplant sind. Wir wollten das bewusst so machen, um viel mitzugestalten und alles zu erleben. Weil wir uns leider immer noch nicht teilen können, müssen wir uns vieles im Nachgang anschauen. Das geht on demand oder mit Graphical Abstracts, Zusammenfassungen der Highlight-Sessions in grafischer Form. Eine gemeinsame Lieblingssession haben wir aber: „Praxisempfehlungen & Leitlinien“ am Samstag um 9 Uhr.
Dr. Schlüter: Ja, denn da werden viele neue Praxisempfehlungen vorgestellt, z. B. Diabetestechnologie im Krankenhaus und CGM in geriatrischen Einrichtungen. Sehr wichtig finde ich die Session „Diabetes und Ernährung: zwischen Leitlinie und Lunchbox“. Ich glaube, wir haben ein gutes Programm erstellt – wobei: Das Programm wird ja immer so interessant, wie es die Einreichungen sind. Die waren dieses Jahr mega und es wird richtig cool!
Was sollen die Menschen von der Tagung mit nach Hause nehmen?
Prof. Reger-Tan: Ich würde mir sehr, sehr wünschen, dass am Ende dabei herauskommt, dass es eine ganz tolle Zeit war. Dichte zwei Tage, die intensiv dazu beigetragen haben, dass wir uns austauschen. Was im Programm nicht drinsteht, aber wovon wir sehr, sehr profitieren, ist, dass wir uns auf den Fluren unterhalten, in Sessions nebeneinandersitzen und diskutieren. Und ich wünsche mir, dass die Menschen ganz praktische Dinge mitnehmen, die sie in ihren Alltag einbauen können.
Dr. Schlüter: Ich würde mir wünschen, dass die Teilnehmenden denken: Okay, Digitalisierung und KI sind nichts ganz Abstraktes, sondern Teil des Teams. Und, dass ihnen gar nicht auffällt, dass sie weder in der Semperoper waren noch sich Dresden angeschaut haben. Dann haben wir eine gute Tagung hingelegt!
Günter Nuber
Professorin Dr. Susanne Reger-Tan ist in der Klinik tätig, Dr. Sandra Schlüter in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis – so bringen sie unterschiedliche Perspektiven in die Herbsttagung ein. Sie haben aber auch einiges gemeinsam, z. B. das große Interesse an Digitalisierung, KI und Technologie.
Frau Professorin Reger-Tan, Frau Dr. Schlüter, das Motto der Diabetes Herbsttagung 2026 ist „Diabetes. Digital. Denken.“ Was steckt dahinter?
Prof. Reger-Tan: Sandra und ich finden, dass ich als Vorsitzende der Kommission Digitalisierung und sie als Vorstandsmitglied der AG Diabetes & Technologie ein „Perfect Match“ sind. Jetzt ist die richtige Zeit, Diabetestechnologie und Digitalisierungsstrategien praktisch relevant in die Herbsttagung zu bringen und mit den Kolleginnen und Kollegen zu besprechen, aber dabei das Denken nicht wegzulassen. Durch das Programm betonen wir auch, wie wichtig ein professionelles Diabetesteam weiterhin ist.
Dr. Schlüter: Team bedeutet auch: Stationär und ambulant arbeiten zusammen. Das passt bei uns beiden richtig gut. Ja, Denken ist sehr wichtig, gerade, wenn man KI und Digitalisierung nutzt, denn die KI denkt ja noch nicht für uns, sondern wir müssen sie für uns arbeiten lassen und wir müssen mitdenken.
Im Grußwort gehen Sie z. B. auf digitale Innovationen ein, „die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen“. Wo klaffen die größten Lücken zwischen dem, was möglich ist, und der praktischen Umsetzung?
Dr. Schlüter: Die größten Lücken gibt es immer noch in der Vernetzung zwischen ambulant und stationär und zwischen verschiedenen Fachrichtungen – da gehen sehr viele Informationen verloren. Im Moment sind wir in einer Übergangsphase und müssen schauen, dass wir den Switch zur digitalen Vernetzung hinbekommen.
Prof. Reger-Tan: Eine Übergangsphase ist aber auch spannend. Das Spannungsfeld ist ja, dass sich z. B. die künstliche Intelligenz ultraschnell weiterentwickelt, gerade in der datengetriebenen Diabetologie. Wir müssen jetzt unsere Identität und unseren Platz in der Digitalisierung finden und die neuen Potenziale verantwortungsbewusst in die Versorgungsstrukturen integrieren. Wir können selbst mitgestalten und ich denke, dass es dazu in Dresden spannende Diskussionen geben wird.
Wird jeder mitgenommen, egal ob mit wenig oder viel Erfahrung in Technologie und Digitalisierung?
Dr. Schlüter: Wir müssen und wollen jeden abholen. Dafür haben wir z. B. Workshops und Symposien für Einsteiger und Fortgeschrittene. Wenn irgendetwas zu schnell geht oder nicht verstanden wird: Einfach aufstehen und fragen!
Prof. Reger-Tan: Gerade die Herbsttagung ist ja dafür da, sich auf Praktisch-Relevantes zu fokussieren. Klar, wir beide haben unsere Passion und die spiegelt sich automatisch im Tagungsprogramm wider. Aber wir haben sehr sorgfältig darauf geachtet, dass wir unterschiedlichen Interessen gerecht werden. Und natürlich besteht diese Tagung nicht nur aus digitalen oder Technologieaspekten, sondern wir haben ein sehr, sehr breites Portfolio.
Zum Tagungsmotto passt die Keynote von Prof. Dr. Jens Kleesiek, Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin (IKIM) am Uniklinikum Essen. Was macht seinen Vortrag unbedingt hörenswert?
Prof. Reger-Tan: Erstens ist die Diabetologie ein sehr datengetriebenes Fach. Und zweitens entwickelt sich die KI in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit. Und wenn sich etwas so spannend und schnell weiterentwickelt, ist es sehr schön, mal von einem Vollprofi zu hören: Wie ist der Stand der Dinge, wo ist Potenzial und wo geht die Reise hin? Jens Kleesiek ist weltweit einer der führenden KI-Forscher und wir machen gemeinsam sehr, sehr spannende Projekte. Er kann einem sehr gut und auch ganz versorgungsnah zeigen, wo wir allgemein und in der Diabetologie mit der KI stehen. Kommen Sie bitte, es ist eine Riesenchance!
Dr. Schlüter: Ganz wichtig ist auch, dass neben den Möglichkeiten der KI auch ihre Limitationen aufgezeigt werden. Der Human Factor ist nicht zu unterschätzen. Wir haben es immer mit Menschen zu tun, die Zuwendung brauchen, die eine Erklärung brauchen. Eine KI kann nicht alles leisten, und deswegen muss man schauen: Wie baut man die KI in den Alltag ein? Was kann sie leisten, was kann sie noch nicht leisten bzw. wird sie vielleicht nie leisten können?
Wie wichtig ist Ihnen die interprofessionelle Zusammenarbeit?
Dr. Schlüter: Diabetes ist immer Teamwork. In der Praxis finde ich enorm wichtig, dass man sich abstimmt. Wichtige Informationen sollten von jedem Teammitglied ähnlich vermittelt werden, sonst kommen die Menschen durcheinander.
Prof. Reger-Tan: Diabetologie ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Professionen zusammenarbeiten. Gesundheitspolitisch sollte es mehr darum gehen, diese Berufe und ihre Leistung anzuerkennen. Im Krankenhaus tauchen Diabetesberaterinnen, Ernährungsberaterinnen, Psychologinnen strukturell nicht im Versorgungskonzept auf. In der klinischen Versorgung natürlich schon, da sind sie ganz essenziell. Das ist eine Herausforderung, die wir angehen müssen. Aber wir sollten uns auch weiterentwickeln und fragen: Welche Rolle hat die Apotheke, welche die IT? Vielleicht erweitern wir so unsere Teams noch.
Gibt es denn einen Programmpunkt, auf den Sie sich besonders freuen?
Prof. Reger-Tan: Es ist jetzt schon klar, dass Sandra und ich sehr oft eingeplant sind. Wir wollten das bewusst so machen, um viel mitzugestalten und alles zu erleben. Weil wir uns leider immer noch nicht teilen können, müssen wir uns vieles im Nachgang anschauen. Das geht on demand oder mit Graphical Abstracts, Zusammenfassungen der Highlight-Sessions in grafischer Form. Eine gemeinsame Lieblingssession haben wir aber: „Praxisempfehlungen & Leitlinien“ am Samstag um 9 Uhr.
Dr. Schlüter: Ja, denn da werden viele neue Praxisempfehlungen vorgestellt, z. B. Diabetestechnologie im Krankenhaus und CGM in geriatrischen Einrichtungen. Sehr wichtig finde ich die Session „Diabetes und Ernährung: zwischen Leitlinie und Lunchbox“. Ich glaube, wir haben ein gutes Programm erstellt – wobei: Das Programm wird ja immer so interessant, wie es die Einreichungen sind. Die waren dieses Jahr mega und es wird richtig cool!
Was sollen die Menschen von der Tagung mit nach Hause nehmen?
Prof. Reger-Tan: Ich würde mir sehr, sehr wünschen, dass am Ende dabei herauskommt, dass es eine ganz tolle Zeit war. Dichte zwei Tage, die intensiv dazu beigetragen haben, dass wir uns austauschen. Was im Programm nicht drinsteht, aber wovon wir sehr, sehr profitieren, ist, dass wir uns auf den Fluren unterhalten, in Sessions nebeneinandersitzen und diskutieren. Und ich wünsche mir, dass die Menschen ganz praktische Dinge mitnehmen, die sie in ihren Alltag einbauen können.
Dr. Schlüter: Ich würde mir wünschen, dass die Teilnehmenden denken: Okay, Digitalisierung und KI sind nichts ganz Abstraktes, sondern Teil des Teams. Und, dass ihnen gar nicht auffällt, dass sie weder in der Semperoper waren noch sich Dresden angeschaut haben. Dann haben wir eine gute Tagung hingelegt!
Günter Nuber
Bei Google bevorzugen
Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.
Als bevorzugte Quelle auswählen