Was CGM und AID in der Schwangerschaft bringen
Für Frauen mit Diabetes ist die Schwangerschaft eine besonders kritische Phase. Ein gestörter Blutzuckerspiegel kann ernste Komplikationen für Mutter und Kind nach sich ziehen. CGM und AID-Systeme verbessern möglicherweise das Outcome.
Für Frauen mit Diabetes ist die Schwangerschaft eine besonders kritische Phase. Ein gestörter Blutzuckerspiegel kann ernste Komplikationen für Mutter und Kind nach sich ziehen.Moderne Systeme verbessern möglicherweise das Outcome – zumindest beim Typ-1-Diabetes.
Bisher wurden neue Diabetestechnologien wie die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) und die automatisierte Insulindosierung (AID) für Schwangere noch nicht in größeren Studien untersucht, schreiben Prof. Dr. Katrien Benhalima von der Universitätsklinik Löwen und ihre Kolleginnen und Kollegen. Da jedoch viel dafür spricht, dass auch schwangere Frauen von den neuen Technologien profitieren, fanden sich Expertinnen und Experten aus sechs Kontinenten (Europa, Nordamerika, Südamerika, Asien, Australien und Afrika) zusammen, um gemeinsam Empfehlungen zu entwickeln. Dazu durchsuchten sie MEDLINE, PubMed und die Cochrane Library nach entsprechenden Untersuchungen, die zwischen 2008 und 2025 publiziert worden waren. Sie berücksichtigten dabei primär randomisierte kontrollierte Studien, Real-World-Daten, Beobachtungsstudien und Kohortenstudien.
Nach dem ersten Trimenon steigt die Insulinresistenz an. Zudem wird Insulin verzögert absorbiert bzw. – bei Typ-2-Diabetes – sezerniert. Damit erhöht sich der Blutzuckerspiegel mit der Gefahr einer Ketoazidose, die mit einer höheren Rate an Totgeburten verbunden ist. Gefährdet sind in erster Linie Frauen mit bereits vor der Schwangerschaft bestehendem Typ-1-Diabetes. CGM ermöglicht es, Blutglukoseschwankungen sofort zu erfassen und – falls erforderlich – zeitnah gegenzusteuern. AID-Systeme, die neben CGM-Sensoren einen Algorithmus und eine Insulinpumpe umfassen, können bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes die Zeit des Blutzuckers im Zielbereich erhöhen.
Welche Schlüsse lassen sich aus den bisherigen Erkenntnissen für den Einsatz dieser neuen Technologien bei schwangeren Patientinnen ziehen? Die Autorinnen und Autoren haben Empfehlungen für Typ-1-, Typ-2- und Gestationsdiabetes zusammengestellt.
Empfehlungen zu Typ-1-Diabetes
Für alle Frauen mit Diabetes Typ 1, die eine Schwangerschaft planen, ist der Einsatz von CGM zu empfehlen, um den Glukosehaushalt schon vorher zu optimieren. Damit sollte sich der Blutzuckerspiegel in mehr als 70 % der Zeit im Zielbereich zwischen 3,9 und 10 mmol/l (70–180 mg/dl) bewegen. Während der Schwangerschaft gilt ein Zielbereich von 3,5–7,8 mmol/l (63–140 mg/dl). Der anzustrebende HbA1c-Wert sollte unter 7 %, besser noch unter 6,5 % liegen, ab dem zweiten Trimenon unter 6 %.
AID-Systeme, die sich in kontrollierten Studien als vorteilhaft in der Schwangerschaft erwiesen haben, sollten bereits vor der Empfängnis ausgewählt werden. Bisher liegen entsprechende Daten nur für CamAPS FX, MiniMed 780G von Medtronic sowie t:slimX2 with Control-IQ vor. Diese AID-Systeme sollten auch während der Schwangerschaft beibehalten werden.
AID-Systeme mit fehlender Evidenz für einen Benefit für schwangere Patientinnen, aber mit nachgewiesenem Nutzen außerhalb der Schwangerschaft, könnten auch während der Gravidität bei ausgewählten Frauen zum Einsatz kommen. Ergänzende Technologien und erfahrene medizinische Betreuende sollten unterstützend hinzugezogen werden.
Nach der Entbindung sind AID-Systeme der Standardinsulintherapie überlegen.
Alle medizinischen Betreuenden von Schwangeren mit Typ-1-Diabetes sollten Instruktionen zum Einsatz von AID-Systemen während der Entbindung und postpartal erhalten.
Empfehlungen zu Typ-2-Diabetes
Alle Frauen mit Typ-2-Diabetes sollten vor und während der Schwangerschaft regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel messen.
CGM kann in Vorbereitung auf eine Schwangerschaft zum Einsatz kommen, um die Blutzuckerziele leichter zu erreichen.
Während der Schwangerschaft kann CGM je nach Verfügbarkeit und individuellem Wunsch angeboten werden. Die Evidenz für einen Vorteil ist aber noch spärlich. Der vorgeschlagene Zielbereich sollte zwischen 3,5 und 7,8 mmol/l bzw. 63 und 140 mg/dl in über 80 % der Zeit liegen. Die am besten geeigneten Werte sind aber noch unbekannt.
Empfehlungen zu Gestationsdiabetes
Regelmäßige kapilläre Blutzuckermessungen sind für alle Frauen mit Gestationsdiabetes zu empfehlen.
CGM kann je nach Verfügbarkeit und individuellem Wunsch angeboten werden. Die Evidenz für einen Vorteil ist aber noch spärlich.
Bei Nutzung eines CGM-Systems wird ein Zielbereich zwischen 3,5 und 7,8 mmol/l bzw. 63 und 140 mg/dl in über 90 % der Zeit vorgeschlagen. Die am besten geeigneten Werte sind ebenso wie beim Typ-2-Diabetes noch nicht ausreichend erforscht.
Benhalima K et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2026; 14: 157-177; doi: 10.1016/S2213-8587(25)00335-3