PFAS stören die Hormonbalance
PFAS gelten als Paradebeispiel für chemische Beständigkeit – und als wachsendes Gesundheitsproblem. Frauen mit höheren Serumspiegeln dieser Fluorverbindungen zeigen häufiger Anzeichen endokriner Dysregulation.
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) können bei Frauen offenbar den Hormonhaushalt beeinflussen. Eine Analyse von US-amerikanischen Gesundheitsdaten zeigt, dass bereits niedrige Konzentrationen dieser sogenannten Ewigkeitschemikalien mit einer Störung der endokrinen Signalwege verknüpft sind.
Eine Gruppe um Rezaul Ripon von der Harvard T.H. Chan School of Public Health wertete Daten von 1.995 Frauen aus dem US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey aus (medianes Alter 56 Jahre). Als primärer Endpunkt galt die selbstberichtete Einnahme oder Nichteinnahme von Östrogen, Progesteron oder beidem. Die endokrine Dysfunktion diente dabei als Ersatzmaß für die Exposition gegenüber exogenem Östrogen oder Progesteron, nicht als klinisch diagnostizierte endokrine Störung.
Insgesamt berichteten 15,8 % der Frauen über eine Hormontherapie. Diese Gruppe wies signifikant höhere PFAS-Serumspiegel auf als jene ohne Hormonstörung. Besonders deutlich war der Zusammenhang für n‑PFOS, aber auch PFNA und Me‑PFOSA‑AcOH zeigten positive Assoziationen. Bei gleichzeitiger Exposition gegenüber mehreren PFAS stieg die Odds Ratio für eine endokrine Dysfunktion von 0,82 bei niedriger auf 1,49 bei hoher Belastung.
Vermutlich greifen die PFAS über Veränderungen im Lipid- und Aminosäurestoffwechsel sowie über Störungen der Schilddrüsenhormonbindung in die endokrinen Signalwege ein, schreiben Ripon et al. Da es sich bei ihrer Arbeit um eine Querschnittstudie handele, lasse sich anhand der Daten aber keinesfalls eine Kausalität belegen, so die Gruppe weiter. Zudem könnte die Definition der endokrinen Dysfunktion über die Einnahme exogener Hormone zur Folge haben, dass andere Ursachen der Hormonstörung übersehen werden, was eine Fehlklassifikation zur Folge haben könnte.
PFAS sind in zahlreichen Alltagsprodukten enthalten. Sie können über Trinkwasser oder Lebensmittel in den Körper gelangen und stehen im Verdacht, schon bei niedriger Belastung hormonelle Prozesse zu beeinflussen.
Ripon R et al. JAMA Netw Open 2025; 8: e2539425; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.39425