Doch kein Autismus durch Paracetamol in der Schwangerschaft?
Die Evidenz für eine Assoziation zwischen pränatalem Paracetamolkontakt und dem Auftreten eines Autismus bei den Nachkommen ist widersprüchlich.
Die Evidenz für eine Assoziation zwischen pränatalem Paracetamolkontakt und dem Auftreten eines Autismus bei den Nachkommen ist widersprüchlich. Um dazu mehr Klarheit zu bekommen, hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Kira Philipsen Prahm, Rigshospitalet in Kopenhagen, die Registerdaten von allen Kindern analysiert, die zwischen dem 1. Januar 1997 und dem 31. Juli 2022 in Dänemark geboren worden waren. Die Exposition mit Paracetamol während der Schwangerschaft ermittelte man anhand nationaler Verschreibungsdaten.
Von den über 1,5 Mio. Kindern waren 31.000 (2,1 %) in utero dem Schmerzmittel ausgesetzt. Bei 554 (1,8 %) wurde später ein Autismus diagnostiziert, verglichen mit 3 % der Kinder ohne Kontakt mit dem Schmerzmittel. Nach Adjustierung auf Störfaktoren lag die Hazard Ratio für die behandelten Babys bei 1,03 in der Populationsanalyse und bei 1,09 in der Geschwisteranalyse. Somit wurde keine signifikante Assoziation festgestellt.
Überdiagnostik als möglicheErklärung für den Anstieg
Grund für ein scheinbar vermehrtes Auftreten des Autismus ist eine Überdiagnostik, so Dr. Lester Liao von der McGill University in Montreal und Dr. Eric Fombonne von der Oregon Health and Science University in Portland. Besonders bei leichter ausgeprägten Auffälligkeiten sei es möglich, dass Kinder heute häufiger eine Autismusdiagnose erhalten, obwohl die klinischen Kriterien nicht in allen Fällen eindeutig erfüllt seien oder alternative Erklärungen für die Symptome infrage kommen. Weiter betonen sie, dass sich die Wahrnehmung funktioneller Einschränkungen verändert hat: Leichtere Beeinträchtigungen würden heute eher als Teil des Autismus-Spektrums eingeordnet, während früher eine strengere Abgrenzung üblich war. Die Einführung der Spektrum-Diagnose habe zwar den Vorteil, unterschiedliche Ausprägungen besser abzubilden, könne aber auch zu einer weniger präzisen Abgrenzung klinisch relevanter Fälle führen.
1.Philipsen Prahm K et al. JAMA Pediatrics 2026; doi: 10.1001/jamapediatrics.2026.0646
2.Liao L, Fombonne E. JAMA Pediatrics 2026; doi: 10.1001/jamapediatrics.2026.0400