Dauermessung senkt Gefahr für zu schwere Kinder
Eine neue Studie zeigt: Die Echtzeit-Glukosemessung bei Gestationsdiabetes reduziert die Zahl zu schwerer Neugeborener deutlich – ohne Sicherheitsrisiko. Doch dafür gibt es dann mehr untergewichtige Babys.
Die kontinuierliche Glukosemessung in Echtzeit reduziert bei Gestationsdiabetes die Zahl der zu schweren Neugeborenen. Allerdings scheint es dafür mehr untergewichtige Babys zu geben.
Im Allgemeinen geht ein Gestationsdiabetes im Vergleich zum Typ-1- und Typ-2-Diabetes mit einer milderen Hyperglykämie einher. Doch seine Prävalenz steigt – und damit die Herausforderung für die klinische Praxis.
Eine mütterliche Hyperglykämie erhöht das Risiko für die Geburt eines überdurchschnittlich schweren Kindes (Large for Gestational Age, LGA). Ob eine kontinuierliche Glukosemessung in Echtzeit (rt-CGM) dabei hilft, die glykämische Kontrolle von Frauen mit Gestationsdiabetes zu bessern, ließ sich bislang nicht sicher sagen. Die Datenlage dazu ist widersprüchlich. Ein Team um Dr. Tina Linder von der Medizinischen Universität in Wien startete daher die multinationale randomisierte Studie GRACE. 375 Frauen im Alter von 18 bis 55 Jahren mit Einlingsschwangerschaft und der Diagnose eines Gestationsdiabetes (durchschnittlich in der 25. SSW) wurden eingeschlossen und einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die eine überwachte ihren Blutzucker über rt-CGM (n = 190), die andere mittels standardmäßiger kapillärer Blutzuckerselbstkontrolle (n = 185). Primärer Endpunkt war der Anteil von LGA-Neugeborenen. 170 Teilnehmerinnen aus der rt-CGM-Gruppe und 175 der Kontrollen kamen zur Auswertung.
Höheres Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht
Sechs Mütter unter kontinuierlicher Überwachung und 18 Frauen unter normaler brachten LGA-Neugeborene zur Welt (4 % vs. 10 %; Odds Ratio, OR, 0,32). Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht für das Gestationsalter (Small for Gestational Age, SGA) wurden bei 33 bzw. 23 der Teilnehmerinnen geboren (19 % vs. 13 %; OR 1,59). Bezüglich der Häufigkeit von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen fanden sich keine bedeutsamen Unterschiede.
Die Verwendung von rt-CGM bei Frauen mit Gestationsdiabetes reduzierte die Anzahl der Geburten von Kindern mit LGA, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen, so das Fazit der Autorengruppe. Die unerwartet hohe Prävalenz von SGA-Kindern, die möglicherweise auf eine strengere BZ-Kontrolle zurückzuführen ist, bedürfe aber weiterer Forschung.
Auch Prof. Dr. Lene Ringholm vom Rigshospitalet in Kopenhagen bereitet die hohe Rate von Neugeborenen mit SGA Sorge. Eventuell bewirken die Diagnose des Gestationsdiabetes und der Wunsch nach einer optimalen Kontrolle, dass die betroffenen Frauen ihre Kalorien- und Kohlenhydratzufuhr unter die empfohlene Menge senken. Zukünftige Studien sollten sich auf die Anwendung von rt-CGM in Kombination mit adäquater Ernährung und Gewichtskontrolle konzentrieren und untersuchen, ob spezifische glykämische Messwerte bei Gestationsdiabetes eingeführt werden sollten. Schließlich erwähnt sie in ihrem Kommentar, dass die Ergebnisse im Widerspruch zur kürzlich durchgeführten DipGluMo-Studie stehen, die keinen Vorteil für rt-CGM zeigte.
1.Linder T et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2025; doi: 10.1016/S2213-8587(25)00288-8
2.Ringholm L. Lancet Diabetes Endocrinol 2025; doi: 10.1016/S2213-8587(25)00297-9