S3-Leitlinie zum Stillen

Deutschland empfiehlt längeres Stillen

Leitlinie
|Erschienen am: 
Längeres Stillen geht mit klaren Vorteilen für den Infektionsschutz der Kinder einher.

Länger stillen schützt besser: Laut neuer S3-Leitlinie sollen Säuglinge in Deutschland bis zum sechsten Monat ausschließlich oder überwiegend und insgesamt mindestens zwölf Monate gestillt werden. Die Daten zeigen deutliche Vorteile für die Gesundheit der Kinder.

Reifgeborene Säuglinge sollen bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend gestillt werden, die Gesamtstilldauer idealerweise mindestens zwölf Monate betragen. Diese neuen Vorgaben sorgen für Klarheit und erleichtern die einheitliche Beratung.

In Deutschland werden 68 % der Säuglinge nach der Geburt ausschließlich gestillt. Bis zum vollendeten zweiten Lebensmonat sinkt der Anteil der brusternährten Kinder auf 57 %, bis zum Ende des vierten Monats auf 40 %. Am Ende des sechsten Monats bekommen nur noch 13 % ausschließlich die Brust.1

Bislang galt für Deutschland, Säuglinge vier bis sechs Monate lang ausschließlich zu stillen. Eine Gesamtstilldauer nach Einführung von Beikost wurde nicht konkret genannt. Die Evidenzgrundlage für diese deutschen Empfehlungen ist unklar, systematische Daten zu Stillfördermaßnahmen fehlen komplett, kommentieren die Autorinnen und Autoren einer Teilveröffentlichung der S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“. Erarbeitet wurde das Regelwerk von einer ganzen Reihe von Fachverbänden, Herausgeber ist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Auf Basis von 49 Statements hat die Leitliniengruppe zunächst zwei evidenzbasierte Empfehlungen zur Stilldauer formuliert:

Damit orientiert sich Deutschland nun an der internationalen Datenlage. Das Leitlinienteam weist allerdings darauf hin, dass die zugrunde liegende Evidenzqualität als niedrig bis sehr niedrig bewertet ist. Bei den berücksichtigten Arbeiten handele es sich überwiegend um Beobachtungsstudien, deren Aussagekraft durch potenzielle Verzerrungen, eingeschränkte Vergleichbarkeit der untersuchten Gruppen und methodische Heterogenität begrenzt ist.

Mehr Milch, weniger Ohren- und Magen-Darm-Infektionen

Dessen ungeachtet spricht die Datenlage für protektive Effekte des Stillens: Kinder, die entsprechend der Empfehlungen brusternährt werden, erkranken seltener an Infektionen als kürzer oder nicht gestillte Kinder. Belegt sind diese Schutzeffekte bei Otitis media und gastrointestinalen Infektionen.

Die genannten Empfehlungen gelten ausschließlich für reifgeborene und gesunde Kinder. Liegen akute oder chronische Erkrankungen vor, sollte individuell beraten werden. Bei der derzeit publizierten Fassung der S3-Leitlinie handelt es sich um eine Teilveröffentlichung, die ausschließlich die beiden Fragestellungen zur Dauer des Stillens behandelt. Eine Erweiterung des Regelwerks auf Maßnahmen zur Stillinitiierung und Stillförderung soll folgen.

1. Brettschneider AK et al. Bundesgesundheitsblatt 2018; 61: 920-925; doi: 10.1007/s00103-018-2770-7

S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“; AWMF-Register-Nr. 027-072; www.awmf.org

Das könnte Sie auch interessieren