Früherkennung senkt Brustkrebssterblichkeit europaweit
Organisierte Mammographie-Programme haben die Früherkennung von Brustkrebs signifikant gesteigert, fortgeschrittene Tumoren reduziert und die Sterblichkeit gesenkt. Unterschiede zwischen Ländern verdeutlichen die Wirkung von Screening und Therapieinnovationen.
Immer mehr Brusttumoren werden so früh entdeckt, dass die Sterberaten in Europa sinken. Doch der Erfolg ist nicht überall gleich: Während einige Länder mit organisierten Screening-Programmen deutliche Fortschritte machen, hinken andere hinterher.
Organisierte Screening-Programme haben in den letzten Jahrzehnten zu einer vermehrten Entdeckung früher Brustkrebsstadien und einem Rückgang fortgeschrittener Mammakarzinome geführt. Allerdings variiert die Umsetzung des Mammografie-Screenings in Europa stark. Zudem existieren in einigen Ländern noch keine strukturierten flächendeckenden Angebote, schreibt eine internationale Forschergruppe um Dr. Rafael Cardoso vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).
Die Forschenden analysierten, wie sich die Erkrankungs- und Sterberaten im Zusammenhang mit der Einführung des Mammografie-Screenings veränderten. Hierzu griffen sie auf Krebsregisterdaten von über 3 Millionen Brustkrebsfällen aus 21 europäischen Ländern aus dem Zeitraum 1978 bis 2019 zurück. Sie verglichen auch die Länder in Bezug auf die Einführung des Screenings sowie verschiedene Altersgruppen.
Tumoren im frühen Stadium werden vermehrt entdeckt
Es zeigte sich, dass die Brustkrebsinzidenz über die Jahrzehnte insgesamt zunahm, insbesondere in den ersten beiden Dekaden (1978–1987 und 1988–1997). Dieser Anstieg wurde vor allem durch vermehrt entdeckte In-situ-Karzinome und Tumoren im Stadium I verursacht. Gleichzeitig sank die Inzidenz fortgeschrittener Tumoren (Stadium IV) in vielen Ländern.
Die Brustkrebssterblichkeit nahm vor allem in den letzten beiden Dekaden (1998–2019) deutlich ab, mit durchschnittlichen jährlichen Rückgängen von etwa 3 % (in einzelnen Ländern bis zu 5,4 %). Dieser Trend begann in Ländern wie Finnland, Island und Norwegen, die ein Screening-Programm bereits früh eingeführt hatten, meist nach dessen Implementierung. In Österreich, Tschechien, Dänemark, Deutschland und Slowenien, wo das Brustkrebs-Screening erst nach 1998 eingeführt wurde, war bereits vor dessen Start ein deutlicher Rückgang der Brustkrebssterblichkeit zu beobachten. Die jährlichen durchschnittlichen prozentualen Veränderungen lagen dort zwischen -2,54 % und -0,85 %.
In Ländern ohne organisierte Screening-Angebote wie Bulgarien und der Ukraine waren die Mortalitätsraten kaum bzw. gar nicht zurückgegangen. Die Analyse nach Altersgruppen zeigte die größten Veränderungen bei Frauen im Screening-Alter (meist 50 bis 69 Jahre).
Früherkennung zeigt heterogene Wirkung
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung effektiver Früherkennung durch organisierte Programme. Gleichzeitig weisen die Forschenden auf heterogene Screening-Effekte hin, die durch unterschiedliche Implementierungszeiten und Teilnahmequoten bedingt sein dürften.
Neben dem Screening haben auch Fortschritte in der Therapie und bei der Nachsorge maßgeblich zur sinkenden Mortalität beigetragen. Nicht zu vernachlässigen sind mögliche Nachteile wie Überdiagnosen: Sie müssen weiter sorgfältig untersucht und berücksichtigt werden, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung vom DKFZ.
1. Cardoso R et al. Lancet Reg Health Eur 2026; 62: 101574; doi: 10.1016/j.lanepe.2025.101574
2. Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)