Neue Strategie gegen Präeklampsie

Präeklampsie: Kann Blutwäsche die Geburt hinauszögern?

Aus der Fachliteratur
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Lässt sich Präeklampsie künftig gezielt behandeln?

Eine neuartige Apherese konnte erstmals gezielt den Präeklampsie-Treiber sFlt-1 aus dem Blut Schwangerer entfernen. Erste klinische Daten zeigen sinkende Proteinspiegel, stabilere Verläufe und teils verlängerte Schwangerschaften.

Hoher Blutdruck und ein massiver Eiweißverlust über die Nieren machen die Präeklampsie zu einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung während der Schwangerschaft. Bisher hilft nur die Entbindung. Das könnte sich künftig ändern: Forschende aus Großbritannien, Australien, den USA und Deutschland entwickelten eine Apheresetechnik, mit der das entscheidende krankheitsauslösende Protein sFlt-1* aus dem Blut der Schwangeren herausgefiltert werden kann.

Zum Einsatz kommen mit IgG1 beschichtete Filter

Bei dem neuen Verfahren bindet ein mit hochaffinen, gegen sFlt-1 gerichteten IgG1 beschichteter Apheresefilter das Protein gezielt und entfernt es selektiv aus der Zirkulation, berichtet Prof. Dr. ­Ravi ­Thadhani vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles. Nach erfolgreichen präklinischen Versuchen – bei trächtigen Pavianweibchen gelang mithilfe dieser Technologie eine Senkung der sFlt-1-Spiegel um ca. 50 % – wendete das Forscherteam das Verfahren nun erstmals bei schwangeren Frauen an. Sieben Behandlungen erfolgten am Universitätsklinikum Leipzig, zwei am Universitätsklinikum Köln.

Proteinspiegel sank proApheresezyklus um 17 %

Alle neun Schwangeren hatten während der Frühgeburtsphase (median in der 30. SSW) eine Präeklampsie entwickelt. Die Therapie verlief erfolgreich: Mütter und Kinder vertrugen die Apherese gut, jeder Behandlungszyklus senkte den sFlt-1-Spiegel um durchschnittlich 17 %. Auch der klinische Zustand der Frauen stabilisierte sich: Der mittlere arterielle Druck sank um 4,1 mmHg, und die Entbindung konnte in mehreren Fällen um drei bis 19 Tage hinausgezögert werden. Behandlungsbedingte Nebenwirkungen umfassten leichte Hypokalzämie (n = 3), Hautblutungen an der Punktionsstelle (n = 1) und Scheinwehen (n = 1).

Weitere Studien müssen die Effektivität und Sicherheit des Verfahrens bestätigen und prüfen, ob die Strategie das Potenzial hat, sich langfristig als Standardbehandlung bei der Präeklampsie durchzusetzen. Eine multizentrische Untersuchung mit einer größeren Patientinnenzahl ist nun der nächste Schritt.

*soluble Fms-like Tyrosinkinase 1

Thadhani R et al. Nat Med 2026; doi: 10.1038/s41591-026-04333-6

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