Kardiovaskuläres Risiko von Schwangeren

Schwangerschaft liefert Hinweise auf künftige Herzgesundheit

Aus der Fachliteratur
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Ungünstige Schwangerschaftsverläufe sind einer Studie zufolge mit einem um 76 % erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden.

Die Schwangerschaft ist ein Stresstest für Herz und Gefäße. Eine große Kohortenstudie zeigt, dass Biomarker wie Troponin I sowie Komplikationen das Langzeitrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen vorhersagen können.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit nach wie vor die häufigste Todesursache bei Frauen: Sie machen etwa 30 % aller Sterbefälle aus. Allerdings fehlt es an Indikatoren, die eine Vorhersage des kardiovaskulären Risikos bei Frauen erlauben. Mögliche Hinweise auf die langfristige Herzgesundheit könnte eine Schwangerschaft liefern, schreibt ein Team um Dr. ­Lucas ­Bacmeister vom Universitätsklinikum Freiburg. Schließlich ist diese besondere Lebensphase auch durch eine Mehrbelastung von Herz und Kreislauf gekennzeichnet.

Welche Biomarker wurden untersucht?

Die Forschenden gingen der Frage nach, ob sich klinische Faktoren und Biomarker, die während der Schwangerschaft erhoben werden, zur Vorhersage des langfristigen kardiovaskulären Risikos bei Frauen eignen. Hierfür zogen sie eine bevölkerungsbasierte süddänische Kohorte von über 38.000 Schwangeren heran. Primär fokussierte sich das Team auf eine Subgruppe von 2.056 Frauen (medianes Alter: 30,4 Jahre) aus der Odense Child Cohort, von denen Biomarker aus der 12. und 29. Schwangerschaftswoche (SSW) vorlagen. Frauen mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung schlossen die Forschenden aus. Das Team untersuchte insbesondere die Rolle der Biomarker Soluble Fms-like Tyrosine Kinase-1 (sFlt-1), High-sensitivity cardiac Troponin I (hs-cTnI), Placental Growth Factor (PlGF) und NT-proBNP.

Bei 319 Frauen (15,5 %) der Subgruppe kam es zu ungünstigen Schwangerschaftsausgängen, darunter fetale Wachstumsrestriktionen (4,7 %), Frühgeburten (4,9 %) und Totgeburten (0,4 %). 193 Frauen (9,4 %) entwickelten eine Schwangerschaftshypertonie. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 11,9 Jahren bekamen 28 Frauen (1,4 %) eine kardiovaskuläre Erkrankung. Insgesamt waren ungünstige Schwangerschaftsverläufe mit einem um 76 % erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden, hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft verdoppelten es.

Bewusstsein für das kardiovaskuläre Risiko von Frauen ist gering

Die Auswertung der Biomarker ergab, dass höhere Konzentrationen von hs-cTnI und sFlt-1 im dritten Trimester mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert waren: Jede Zunahme von hs-cTnI um eine Standardabweichung erhöhte es um 33 % (adjustiertes Hazard Ratio, aHR 1,33), jede zusätzliche Standardabweichung von sFlt-1 ließ das Risiko um 50 % (aHR 1,50) steigen. Die Kombination aus Alter und sFlt-1 in der 29. SSW ermöglichte eine genauere Vorhersage für spätere kardiovaskuläre Ereignisse als das Alter allein. Das klinische Modell mit Alter, systolischem Blutdruck und Non-HDL-Cholesterin zeigte diesbezüglich keinen Vorteil.

In einem begleitenden Editorial betonen Dr. ­Sadiya ­Khan und Dr. ­Lynn ­Yee, beide von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago, dass das Bewusstsein für das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen trotz zunehmender Evidenz gering bleibt. Sie fordern interdisziplinäre Ansätze, um den nachhaltigen Zugang zur Versorgung nach der Entbindung sowie die Prävention und Gesundheitsförderung über die Lebensspanne hinweg zu verbessern.

1. Bacmeister L et al. JAMA Cardiol 2026; doi: 10.1001/jamacardio.2025.5595

2. Khan SS, Yee LM. JAMA Cardiol 2026; doi: 10.1001/jamacardio.2025.5602

Alexandra Simbrich

Freie Autorin
Alexandra Simbrich ist als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig. Ihre Themenschwerpunkte: Neurologie und Psychiatrie, Dermatologie, Onkologie und Hämatologie, Schmerzmedizin, Gastroenterologie, Diabetologie sowie Komplementär- und Alternativmedizin.

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