Besser Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation

Bei primären ZNS-Lymphomen aufs Ganze gehen

Aus der Fachliteratur
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Lara Sommer
Redakteurin Medical Tribune Onkologie · Hämatologie
Ein Drittel der Patient:innen brachen die Studienbehandlung bereits während der Induktion ab und damit vor der Randomisierung.

Eine thiotepabasierte, hoch dosierte Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation übertrifft beim primären ZNS-Lymphom offenbar eine nichtablative Chemoimmuntherapie. Mit der intensiveren Konsolidierung blieben Erkrankte in der MATRix-Studie deutlich länger progressionsfrei.

Sollten fitte Erkrankte mit primären ZNS-Lymphomen eine hoch dosierte Chemotherapie samt autologer Stammzelltransplantation erhalten oder doch eine nichtmyeloablative Chemoimmuntherapie? Forschende um Prof. Dr. Gerald Illerhaus, Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl, Klinikum Stuttgart, kamen in einer Phase-3-Studie bezüglich der Konsolidierung zu einem eindeutigen Ergebnis.

An der MATRix/IELSG43-Studie nahmen 368 behandlungsnaive, immunkompetente Patient:innen mit primären ZNS-Lymphomen der B-Zell-Linie teil. Alle durchliefen zur Induktion vier Zyklen des MATRix-Regimes (Rituximab, hoch dosiertes Cytarabin, Thiotepa und hoch dosiertes Methotrexat). Als Konsolidierung erhielten Teilnehmende, die mindestens partiell ansprachen:

  • zwei Zyklen R-DeVIC (Rituximab, Dexamethason, Etoposid, Ifosfamid und Carboplatin) oder

  • eine hoch dosierte Chemotherapie mit Carmustin und Thiotepa, gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation (HCT-ASCT).

Unter den 229 Erkrankten, die ausgewertet werden konnten, zeigte sich ein signifikanter Vorteil für den Arm mit myeloablativer Konditionierung. Nach drei Jahren lebten in der ASCT-Gruppe noch 78 % ohne Progress, mit Chemoimmuntherapie jedoch nur 51 %. Das Risiko für Progress oder Tod lag damit um 57 % niedriger (HR 0,43; 95%-KI 0,27–0,68; p = 0,0003). Das mediane progressionsfreie Überleben war mit dem myeloablativen Protokoll noch nicht erreicht gegenüber 39 Monaten mit R-DeVIC. Auch beim Gesamtüberleben zeichnet sich ein ähnlicher Unterschied ab.

Gleichzeitig vertrugen Behandelte die intensivere Therapie schlechter. Die mediane Zahl unerwünschter Ereignisse pro Patient:in betrug mit R-DeVIC 9,3 vs. 14,6 mit HCT-ASCT. Beispielsweise kamen febrile Neutropenie, Stomatitis und Diarrhö in letzterer Gruppe deutlich häufiger während der Konsolidierung vor.

Im Zusammenhang mit der Konsolidierung starben fünf Personen im Transplantationsarm und zwei Erkrankte der Chemoimmuntherapiegruppe. Letztere hatten beide eine AML entwickelt. Nach der Stammzelltransplantation starben die Betroffenen hingegen mit einer Ausnahme an Infektionen.

Die Autor:innen betonen, dass es sich um die bisher größte randomisierte Studie beim unbehandelten primären ZNS-Lymphom handele. Das Protokoll aus hoch dosierter Chemotherapie und Stammzelltransplantation habe für Patient:innen, die die Induktion abschlossen, progressionsfreies und Gesamtüberleben gegenüber einem nichtmyeloablativen Ansatz verlängert. Damit stelle es die präferierte Konsolidierungsstrategie für fitte Erkrankte dar.

Illerhaus G et al. Lancet 2026; 408(10554): 532-544; doi: 10.1016/S0140-6736(26)00917-7

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