Venenkontakt verkürzt Überleben nach direkter Operation

Pankreaskarzinom: Doch zuerst eine Chemo geben

Aus der Fachliteratur
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Bei ausgewählten Pankreaskarzinomen kann eine neoadjuvante Therapie vor Operation sinnvoll sein.

Nicht alle upfront resektablen Pankreaskarzinome sollten Ärzt:innen sofort operieren. Zumindest bei Anlagerung des Tumors an portomesenterische Venen bringt eine neoadjuvante Chemo Vorteile.

Mehr Patient:innen, deren Pankreaskarzinom nach aktuellen Definitionen als upfront resektabel gilt, könnten von einer neoadjuvanten Chemotherapie profitieren, schildern Forschende der Mayo Kliniken in Phoenix um Dr. Po Hong Tan. Sie betrachteten in einer retrospektiven Analyse 1.446 Erkrankte mit nichtmetastasiertem, upfront resektablem Pankreaskarzinom, die zwischen 2002 und 2023 eine Pankreatoduodenektomie erhielten. Ihr besonderes Interesse galt dabei dem Einfluss eines Tumorkontakts mit den portomesenterischen Venen (portomesenteric vein abutment; PMV).    

Gut ein Drittel der ausgewerteten Patient:innen (36 %) wies einen PMV auf. In der Gesamtkohorte schien dieser Faktor das mediane OS nicht signifikant zu beeinflussen (28,8 Monate vs. 31,2 Monate; p = 0,17). Anders sah es allerdings aus, sobald die Wissenschaftler:innen gezielt jene betrachteten, die ohne vorherige Neoadjuvanz direkt operiert wurden.

Neoadjuvanz gleicht offenbar Prognosenachteil aus

In der sofort operierten Gruppe fiel die Rate an R0-Resektionen signifikant niedriger aus, sobald ein PMV vorlag (63,0 % vs. 87,2 %; p < 0,05). Im Mittel starben diese Betroffenen zudem acht Monate früher (mOS 19,2 Monate vs. 27,6 Monate; p < 0,05). Nach Adjustierung für potenzielle Störfaktoren lag das Sterberisiko mit PMV 38 % höher. 

Der Venenkontakt schien jedoch weniger relevant, falls Patient:innen eine neoadjuvante Chemotherapie erhielten. Hier beeinflusste der PMV-Status die R0-Resektionsraten weder insgesamt (91,4 % vs. 94,0 %; p = 0,27) noch in der Subgruppe, bei der diese Gefäße operativ entfernt wurden (87,9 % vs. 87,5 %; p = 0,95). Auch erwies er sich nicht mehr als signifikanter Prognosefaktor für das Gesamtüberleben (HR multivariat 1,18; 95%-KI 0,86–1,63; p = 0,30). Insgesamt steigerte eine neoadjuvante Chemotherapie die R0-Resektionsrate von Patient:innen mit PMV, die eine PMV-Resektion erhielten, gegenüber einer sofortigen Operation (87,9 % vs. 60,7 %; p < 0,05) und senkte die Häufigkeit einer Tumorinvasion in die Vene (19,8 % vs. 53,3 %; p < 0,05). 

Expert:innen hinterfragen Kriterien für Resektabilität

Jedes Ausmaß eines PMV geht beim Pankreaskarzinom mit einer signifikant schlechteren Überlebenspro­gnose einher, sofern Patient:innen direkt operiert werden, schlussfolgern die Autor:innen. Eine neoadjuvante Chemotherapie konnte aber den OS-Nachteil reduzieren. Das deute darauf hin, dass Erkrankte mit einem up­front resektablen PDAC trotzdem von einem neoadjuvanten Behandlungsansatz profitieren, wenn ein solcher Venenkontakt vorliegt. Diese Daten sprächen außerdem dafür, die NCCN- und ­ALLIANCE-Kriterien zu hinterfragen und die Einordnung „upfront resektabel“ auf Tumoren ohne PMV zu beschränken.

Tan PH et al. J Natl Compr Canc Netw 2026; 24(2): 27-33; DOI: 10.6004/jnccn.2025.7097

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