Magenkrebs wird bei FAP zur Bedrohung
FAP-Patienten haben ein erhöhtes Krebsrisiko – nicht nur im Darm. Eine niederländische Kohortenstudie zeigt: Magenkrebs ist seit 2020 die häufigste Krebsdiagnose bei FAP, auch Schilddrüsen- und Duodenalkrebs nehmen zu.
Patientinnen und Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) tragen ein erhöhtes Krebsrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Dies gilt vor allem für Krebserkrankungen des Verdauungstraktes. Dank prophylaktischer Operationen konnte die Inzidenz von Darmkrebs bei den Betroffenen bereits gesenkt werden. Doch scheint die Lebenszeitinzidenz anderer Krebsentitäten gestiegen zu sein.
Dies legen die Ergebnisse einer niederländischen Kohortenstudie nahe, die jetzt unter Federführung von Hicham Bouchiba vom Amsterdam University Medical Center veröffentlicht wurden. Als Grundlage dienten die Daten aus dem nationalen Register der Niederländischen Stiftung zur Erkennung erblicher Tumoren und dem niederländischen Pathologieregister. Die Studienautorinnen und -autoren schätzten das kumulative Risiko für verschiedene Krebsarten bei FAP-Patientinnen und -Patienten zwischen den Jahren 1975 und 2024 und bestimmten die Inzidenzen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.
Insgesamt wurden 1.230 Personen mit FAP in die Studie eingeschlossen. Unter den Teilnehmenden entwickelten 388 (32 %) insgesamt 461 Krebserkrankungen. In den meisten Fällen (n = 1.138; 93 %) wurde eine pathogene APC-Variante identifiziert. Die häufigsten Krebsarten im gesamten Beobachtungszeitraum waren Kolonkarzinom (n = 129), Rektumkarzinom (n = 77), Duodenalkarzinom (n = 31) und Magenkarzinom (n = 28). Dabei ist die Inzidenz von Magenkrebs so stark gestiegen, dass diese Krebsart seit dem Jahr 2020 die am häufigsten diagnostizierte darstellte.
Auch für Schilddrüsenkrebs stieg die Gefahr an
Die Auswertung der Daten zeigte, dass Patientinnen und Patienten mit FAP im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein signifikant erhöhtes kumulatives Risiko für Magenkrebs (Standardized Incidence Ratio, SIR, 12,02), Zwölffingerdarmkrebs (SIR 277,28), Dünndarmkrebs des Jejunums bzw. Ileums (SIR 122,03), Ampullenkarzinom (SIR 113,85), kolorektales Karzinom (SIR 14,22), Hepatoblastom (SIR 747,52) und Leberzellkarzinom (SIR 5,43) trugen. Darüber hinaus hatten sie signifikant erhöhte Risiken für extraintestinale Krebsarten wie Schilddrüsenkrebs (SIR 17,30), gynäkologische Krebsarten (SIR 2,27) und Tumoren des Zentralnervensystems (SIR 3,79).
Das bei FAP-Erkrankten erhöhte Magenkrebsrisiko sollte nun in anderen Kohorten untermauert werden, kommentiert Prof. Dr. John Gásdal Karstensen vom Hvidovre-Krankenhaus die Studienergebnisse. Ihm zufolge geben das im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zwölffach höhere Risiko und die häufige Erkennung von Magenkrebs im Spätstadium aber schon jetzt Anlass zur Sorge und unterstreichen die Notwendigkeit verbesserter endoskopischer Überwachungsstrategien.
Quellen:
1. Bouchiba H et al. Gastroenterology 2026; 170: 942-952; doi: 10.1053/j.gastro.2025.10.0292
2. Gásdal Karstensen J. Gastroenterology 2026; 170: 884-886; doi: 10.1053/j.gastro.2026.01.002