Blasenkrebs: Ist adjuvantes Enfortumab-Vedotin entbehrlich?
Blasenkrebs: Ist adjuvantes Enfortumab-Vedotin entbehrlich?
Ein relativ schonendes perioperatives Regime verlängerte bei Cisplatin-ungeeigneten oder -ablehnenden Erkrankten mit muskelinvasivem Blasenkrebs das ereignisfreie- und Gesamtüberleben. Ein zusätzlicher CTL4-Inhibitor bewährte sich nicht.
Mit VOLGA liegt jetzt eine weitere positive Phase-3-Studie im perioperativen Setting des muskelinvasiven Blasenkrebs (MIBC) vor. Die Kohorte bestand aus MIBC-Erkrankten, die entweder kein Cisplatin erhalten konnten oder es ablehnten. In dieser Population verglich das Studienteam 1:1:1-randomisiert drei Arme mit je rund 230 Teilnehmenden:
D+EV: Eine neoadjuvante Zweifachkombination aus drei Zyklen Enfortumab-Vedotin (EV) plus Durvalumab, auf die nach der Zystektomie eine adjuvante Durvalumab-Monotherapie folgte
D+T+EV: dieselbe Behandlung mit zusätzlichem Tremelimumab (zwei Zyklen vor und ein Zyklus nach der OP)
OP+Beobachtung: Im Kontrollarm erfolgte direkt die Zystektomie ohne neoadjuvante Komponente. Auch adjuvant war nur eine Beobachtung vorgesehen, lokal zugelassene Behandlungen waren allerdings erlaubt.
Mit diesem Design wollten die Forschenden zwei spezifische Fragen beantworten, erklärte Prof. Dr. Thomas Powles vom Barts Cancer Centre in London.1 Zum einen, ob drei adjuvante Zyklen der Kombination aus EV plus Immuntherapie ausreichen – eine Deeskalation im Vergleich zu KEYNOTE-905/EV-303. Darin kam das Immun-EV-Duo aus EV plus Pembrolizumab neoadjuvant für drei Zyklen sowie adjuvant für weitere sechs Zyklen zum Einsatz. „Die zweite Frage lautet: Können wir in der neoadjuvanten Phase zusätzlich einen CTLA-4-Inhibitor einsetzen?“
D+EV: Adjuvante Mono-Immuntherapie mit guten Ergebnissen
Nach median 23 Monaten ergab sich unter der Zweifachkombination gegenüber der Kontrolle ein klarer Vorteil beim ereignisfreien Überleben (EFS; HR 0,51; 95%-KI 0,38–0,67; p ˂ 0,0001). Auch das Gesamtüberleben war verlängert, mit einer Zwei-Jahres-OS-Rate von 78 % gegenüber 69 % (HR 0,58, 95%-KI 0,40–0,83; p = 0,0027). Eine pCR erreichten unter D+EV laut lokaler Beurteilung 45 % vs. 10 % in der Kontrolle. Durchweg ct-DNA-negativ blieben 22 % im D+EV-Arm. Von anfangs 78 % mit positivem Status erreichten unter der Therapie 60 % (52/87) vor der Zystektomie eine Clearance.
Für den adjuvanten Zeitraum präsentierte Prof. Powles außerdem Daten zur Lebensqualität: „Die Kurven verlaufen weitgehend parallel“, so sein Fazit. „Dies ist ein patientenzentrierter und attraktiver Ansatz, der die Vorteile beim Gesamtüberleben und beim ereignisfreien Überleben erhält.“
Warum enttäuscht der Zusatz von Tremelimumab?
Für den Studienarm mit der Dreifachkombination fielen die Ergebnisse insgesamt etwas weniger vorteilhaft aus. Beim ereignisfreien Überleben betrug die Hazard Ratio gegenüber der Kontrolle 0,61 (95%-KI 0,47–0,80; p = 0,0004). Damit erreichte die VOLGA-Studie zwar formal ihren dualen primären Endpunkt eines verlängerten EFS in beiden Testarmen. Das Gesamtüberleben verfehlte unter dem Triplett jedoch bislang die Signifikanz.
Unerwünschte Ereignisse des Grades ≥ 3 traten bei 71,1 % der Patient:innen in der D+EV-Gruppe auf (behandlungsbedingt: 30,7 %). Im D+T+EV-Arm waren es 79,5 % (behandlungsbedingt: 44,5 %) und in der Kontrolle 50,2 %. Dazu gab der Referent zu bedenken: „Viele der beobachteten unerwünschten Ereignisse waren auf die Zystektomie zurückzuführen“. Unter zusätzlichem Tremelimumab mussten allerdings 23 % ihre EV-Behandlung unterbrechen. Das dritte Medikament beeinträchtige dadurch womöglich die Wirkung von EV+D.
„Die heute vorgestellten Daten der VOLGA-Studie zeigen auf, dass ein positives Studienergebnis auch ohne adjuvantes Enfortumab-Vedotin möglich ist“, resümierte Diskutant Dr. Michiel van der Heijden vom Netherlands Cancer Institute in Amsterdam.2 „Bei manchen Patient:innen könnte also weniger ausreichen.“
1. Powles T. ESMO Congress 2026; Abstract LBA2
2. van der Heijden M. ESMO Congress 2026; Invited Discussant Abstract LBA2
Ein relativ schonendes perioperatives Regime verlängerte bei Cisplatin-ungeeigneten oder -ablehnenden Erkrankten mit muskelinvasivem Blasenkrebs das ereignisfreie- und Gesamtüberleben. Ein zusätzlicher CTL4-Inhibitor bewährte sich nicht.
Mit VOLGA liegt jetzt eine weitere positive Phase-3-Studie im perioperativen Setting des muskelinvasiven Blasenkrebs (MIBC) vor. Die Kohorte bestand aus MIBC-Erkrankten, die entweder kein Cisplatin erhalten konnten oder es ablehnten. In dieser Population verglich das Studienteam 1:1:1-randomisiert drei Arme mit je rund 230 Teilnehmenden:
D+EV: Eine neoadjuvante Zweifachkombination aus drei Zyklen Enfortumab-Vedotin (EV) plus Durvalumab, auf die nach der Zystektomie eine adjuvante Durvalumab-Monotherapie folgte
D+T+EV: dieselbe Behandlung mit zusätzlichem Tremelimumab (zwei Zyklen vor und ein Zyklus nach der OP)
OP+Beobachtung: Im Kontrollarm erfolgte direkt die Zystektomie ohne neoadjuvante Komponente. Auch adjuvant war nur eine Beobachtung vorgesehen, lokal zugelassene Behandlungen waren allerdings erlaubt.
Mit diesem Design wollten die Forschenden zwei spezifische Fragen beantworten, erklärte Prof. Dr. Thomas Powles vom Barts Cancer Centre in London.1 Zum einen, ob drei adjuvante Zyklen der Kombination aus EV plus Immuntherapie ausreichen – eine Deeskalation im Vergleich zu KEYNOTE-905/EV-303. Darin kam das Immun-EV-Duo aus EV plus Pembrolizumab neoadjuvant für drei Zyklen sowie adjuvant für weitere sechs Zyklen zum Einsatz. „Die zweite Frage lautet: Können wir in der neoadjuvanten Phase zusätzlich einen CTLA-4-Inhibitor einsetzen?“
D+EV: Adjuvante Mono-Immuntherapie mit guten Ergebnissen
Nach median 23 Monaten ergab sich unter der Zweifachkombination gegenüber der Kontrolle ein klarer Vorteil beim ereignisfreien Überleben (EFS; HR 0,51; 95%-KI 0,38–0,67; p ˂ 0,0001). Auch das Gesamtüberleben war verlängert, mit einer Zwei-Jahres-OS-Rate von 78 % gegenüber 69 % (HR 0,58, 95%-KI 0,40–0,83; p = 0,0027). Eine pCR erreichten unter D+EV laut lokaler Beurteilung 45 % vs. 10 % in der Kontrolle. Durchweg ct-DNA-negativ blieben 22 % im D+EV-Arm. Von anfangs 78 % mit positivem Status erreichten unter der Therapie 60 % (52/87) vor der Zystektomie eine Clearance.
Für den adjuvanten Zeitraum präsentierte Prof. Powles außerdem Daten zur Lebensqualität: „Die Kurven verlaufen weitgehend parallel“, so sein Fazit. „Dies ist ein patientenzentrierter und attraktiver Ansatz, der die Vorteile beim Gesamtüberleben und beim ereignisfreien Überleben erhält.“
Warum enttäuscht der Zusatz von Tremelimumab?
Für den Studienarm mit der Dreifachkombination fielen die Ergebnisse insgesamt etwas weniger vorteilhaft aus. Beim ereignisfreien Überleben betrug die Hazard Ratio gegenüber der Kontrolle 0,61 (95%-KI 0,47–0,80; p = 0,0004). Damit erreichte die VOLGA-Studie zwar formal ihren dualen primären Endpunkt eines verlängerten EFS in beiden Testarmen. Das Gesamtüberleben verfehlte unter dem Triplett jedoch bislang die Signifikanz.
Unerwünschte Ereignisse des Grades ≥ 3 traten bei 71,1 % der Patient:innen in der D+EV-Gruppe auf (behandlungsbedingt: 30,7 %). Im D+T+EV-Arm waren es 79,5 % (behandlungsbedingt: 44,5 %) und in der Kontrolle 50,2 %. Dazu gab der Referent zu bedenken: „Viele der beobachteten unerwünschten Ereignisse waren auf die Zystektomie zurückzuführen“. Unter zusätzlichem Tremelimumab mussten allerdings 23 % ihre EV-Behandlung unterbrechen. Das dritte Medikament beeinträchtige dadurch womöglich die Wirkung von EV+D.
„Die heute vorgestellten Daten der VOLGA-Studie zeigen auf, dass ein positives Studienergebnis auch ohne adjuvantes Enfortumab-Vedotin möglich ist“, resümierte Diskutant Dr. Michiel van der Heijden vom Netherlands Cancer Institute in Amsterdam.2 „Bei manchen Patient:innen könnte also weniger ausreichen.“
1. Powles T. ESMO Congress 2026; Abstract LBA2
2. van der Heijden M. ESMO Congress 2026; Invited Discussant Abstract LBA2
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